Sie kommen aus den unterschiedlichsten Ecken Deutschlands und – ohne jede Übertreibung – aus aller Welt. Sie kommen aus Saarbrücken, aus Freiburg oder Mainz und aus Slowenien, Dänemark oder gar aus Japan. Junge Fußballer, hoch talentiert, hoch ambitioniert, die den Traum von einer Profikarriere träumen. Gewiss, das tun andere junge Kicker auch. Aber die 22 Talente, die im Jugendhaus des BVB in Brackel leben, unterscheidet ein entscheidendes Detail von all den anderen jungen Kickern: Ihnen trauen die Verantwortlichen von Borussia Dortmund auch wirklich zu, den Sprung zu schaffen.

"Der BVB investierte und baute auf dem Trainingsgelände in Brackel ein funkelnagelneues, modernes Gebäude."

Das Jugendhaus des BVB – für die Nachwuchsspieler ist es ein Ersatz-Zuhause, und Conny und Matthias Kleinsteiber sind ihre Ersatzeltern. Seit einem Jahrzehnt schon leiten die beiden die Einrichtung. Sie waren bereits am früheren Standort, im szenigen Kreuzviertel am Südrand der Dortmunder City, für die Betreuung der Talente verantwortlich. Bis zu zehn Spieler wohnten dort in einem großen Jugendstilgebäude – unter ihnen die heutigen Bundesligastars und Nationalspieler Nuri Sahin und Marcel Schmelzer. Doch irgendwann platzte das alte Gemäuer aus allen Nähten. Der BVB investierte und baute auf dem Trainingsgelände in Brackel ein funkelnagelneues, modernes Gebäude. Wenn die Kicker die Tür öffnen und mit dem hinteren Bein noch im Hausflur stehen, steht das vordere praktisch schon auf dem Trainingsplatz. Besser geht’s nicht.

„Die Jungs wissen, dass wir immer für die da sind – 7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag.“

Besser geht’s auch deshalb nicht, weil Conny und Matthias Kleinsteiber das Haus nicht wie Herbergseltern führen, sondern wie Partner und Freunde ihrer Bewohner. Die sind manchmal erst 14, oft 15 oder gerade 16, wenn sie ihr richtiges Elternhaus verlassen und des Fußballs wegen nach Dortmund kommen. Teenager, manche noch in der Pubertät, manche von Heimweh oder Liebeskummer geplagt, einige mit Problemen in der neuen Schule. „Davor können auch wir sie natürlich nicht schützen, aber wir können sie nach Kräften unterstützen“, sagt Conny Kleinsteiber. „Die Jungs wissen, dass wir immer für die da sind – 7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag.“ Was den beiden fraglos hilft: Matthias Kleinsteiber hat viele Jahre selbst erfolgreich Fußball gespielt, war in den 90-er Jahren mit B- und A-Junioren des BVB dreimal Deutscher Meister und ist heute als Torwarttrainer im Klub tätig. So einer weiß, was in den Köpfen von jungen Kickern vorgeht.

"Mehr als 100 Jugendliche haben die Kleinsteibers in gut zehn Jahren kommen und gehen sehen und sie zwischen Kommen und Gehen ein Stück des Lebensweges begleitet."

Mehr als 100 Jugendliche haben die Kleinsteibers in gut zehn Jahren kommen und gehen sehen und sie zwischen Kommen und Gehen ein Stück des Lebensweges begleitet. Jedes Jahr ziehen einige aus – weil sie den Klub wechseln oder ihre erste eigene Wohnung beziehen. Jedes Jahr ziehen einige neue Bewohner ein. Eine Patchwork-Familie auf Zeit. Eine Fußball-Zweckgemeinschaft. Von allem ein bisschen. Und offenbar ein Wohlfühl-Ort. Denn die meisten Spieler halten auch nach ihrem Auszug Kontakt zu Conny und Matthias Kleinsteiber. Manche sogar viele Jahre lang.

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