Sie kommen aus den unterschiedlichsten Ecken Deutschlands. Junge Fußballer, hoch talentiert, hoch ambitioniert, die den Traum von einer Profikarriere träumen. Gewiss, das tun andere junge Kicker auch. Aber die 22 Talente, die im Jugendhaus des BVB direkt am Trainingszentrum in Dortmund-Brackel leben, unterscheidet ein entscheidendes Detail von all den anderen jungen Kickern: Ihnen trauen die Verantwortlichen von Borussia Dortmund auch wirklich zu, den Sprung zu schaffen.

"Der BVB investierte und baute auf dem Trainingsgelände in Brackel ein funkelnagelneues, modernes Gebäude."

Das Jugendhaus des BVB – für die Nachwuchsspieler ist es ein Ersatz-Zuhause. Seit mehr als einem Jahrzehnt schon gibt es die Einrichtung. Anfangs noch im szenigen Kreuzviertel am Südrand der Dortmunder City. Bis zu zehn Spieler wohnten dort – unter ihnen die heutigen Bundesligastars und Nationalspieler Nuri Sahin und Marcel Schmelzer. Doch irgendwann platzte das alte Gemäuer aus allen Nähten. Der BVB investierte und baute auf dem Trainingsgelände in Brackel ein funkelnagelneues, modernes Gebäude. Wenn die Kicker die Tür öffnen und mit dem hinteren Bein noch im Hausflur stehen, steht das vordere praktisch schon auf dem Trainingsplatz. Kurze Wege. Den großen Traum, das große Ziel stets direkt vor Augen. Besser geht’s nicht.

„Hier im Jugendhaus vereinen wir die unterschiedlichsten Biographien und Kulturen“

Besser geht’s auch deshalb nicht, weil Franziska und Marvin Mainoo-Boakye das Haus nicht wie Herbergseltern führen, sondern wie Partner und Freunde ihrer Bewohner. Die sind manchmal erst 14, oft 15 oder gerade 16, wenn sie ihr richtiges Elternhaus verlassen und des Fußballs wegen nach Dortmund kommen. „Hier im Jugendhaus vereinen wir die unterschiedlichsten Biographien und Kulturen“, erklärt Franziska. „Die Jungs wissen, dass wir immer für die da sind – 7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag.“ Was den beiden bei ihrer Arbeit hilft: Marvin ist ausgebildeter Erzieher und arbeitete selbst seit einigen Jahren bei Borussia Dortmund als Nachwuchscoach. Er ist selbst als kleines Kind nach Deutschland gekommen und musste früh auf eigenen Füßen stehen. Franziska ist Rehabilitationswissenschaftlerin (Master) und kann auf eine mehrjährige Erfahrung in der Kinder- und Jugendhilfe zurückblicken. Gemeinsam traten sie im Frühjahr 2017 die Nachfolge von Cornelia und Matthias Kleinsteiber an und helfen nun den jungen Spielern auf dem Weg zur Selbstständigkeit und Persönlichkeitsentwicklung.

„Ohne die Zusammenarbeit zwischen uns, den Jungs, der Schule, allen Betreuern und den Eltern würde es nicht funktionieren“

Mehr als 100 Jugendliche haben in gut zehn Jahren das Jugendhaus durchlaufen, sie wurden zwischen Kommen und Gehen ein Stück des Lebensweges begleitet. Jedes Jahr ziehen einige aus – weil sie den Klub wechseln oder ihre erste eigene Wohnung beziehen. Jedes Jahr ziehen einige neue Bewohner ein. Eine Patchwork-Familie auf Zeit. Eine Fußball-Zweckgemeinschaft. Von allem ein bisschen. Vertrauen, Verlässlichkeit und gegenseitiger Respekt sind die Grundlage dieses Zusammenlebens. „Der Kontakt zu den Eltern ist uns ebenso wichtig, wie der Kontakt zu den Jungs.“, erklärt Marvin. „Ohne die Zusammenarbeit zwischen uns, den Jungs, der Schule, allen Betreuern und den Eltern würde es nicht funktionieren“, stellt Franziska fest.

Um den Sprung vom außergewöhnlichen Talent zum erfolgreichen Profi zu vollziehen, müssen viele Faktoren zusammenkommen. Ein komplexes und kompliziertes Puzzlespiel, an dem man im Jugendhaus des BVB Hand in Hand arbeitet.