Es ist die beste Halbzeit-Bilanz aller Mannschaften in den Junioren-Bundesligen: Ungeschlagen „Herbstmeister“ mit 40 Punkten, 13 gewonnenen Spielen, einem Unentschieden (4:4 beim FC Schalke 04) und 54:12 Toren. Nur der FC Bayern (36 Punkte, 47:6 Tore) kann da in der Süd-/Südwest-Liga ansatzweise mithalten. „Das ist schon Wahnsinn“, sagt Sebastian Geppert, Trainer von Borussias U17, mit dem wir die erste Saisonhälfte bilanzieren. 

Das letzte Hinrundenspiel, der 3:1-Sieg gegen Fortuna Düsseldorf, war bezeichnend für den Verlauf der Hinrunde: Schöne Kombinationen und sehenswert herausgespielte Tore prägten die Partie, aber es schlichen sich auch immer wieder Passfehler und Kombinations-Leerlauf ein. „Fortuna war, wie die meisten Teams in der Bundesliga West, ein höchst unangenehmer Gegner, gut organisiert und strukturiert, dazu taktisch bestens geschult. Wir können nicht immer ein Feuerwerk abbrennen und müssen für die Erfolge hart arbeiten. Das beginnt im Training und setzt sich in den Spielen fort. Die Jungs zeichnet eine erstklassige Mentalität aus. Jeder arbeitet für den anderen und stellt sich in den Dienst der Mannschaft. Das komplette Team ist bereit, alles aus sich herauszuholen und Vollgas zu geben. Deshalb empfinden wir keinen Sieg als Selbstverständlichkeit. Wir freuen uns, wenn wir uns mit drei Punkten belohnen und genießen jeden Erfolg“, hebt Geppert die Charakterstärke hervor und lässt auch das „Team hinter dem Team“ nicht unerwähnt: „Unsere Funktions-Mannschaft macht einen prima Job.“

Neue Stabilität nach Derby-Spektakel

Die Stammgäste bei den U17-Spielen registrieren eine stetige individuelle und kollektive Entwicklung der Mannschaft, die offensiv glänzend besetzt ist, aber zuletzt auch in der Defensive deutlich an Stabilität gewonnen hat. Nach dem 4:4-Derby-Spektakel am 14. Oktober hat sie nur einen Gegentreffer - zum zwischenzeitlichen Düsseldorfer 1:1-Ausgleich - kassiert. Dazu Geppert: „Es war ein Aha-Erlebnis, dass wir gegen Schalke in den letzten zehn Minuten einen 1:4-Rückstand wettgemacht haben. Dieses Spiel hat uns noch einmal einen Schub gegeben. Die Jungs werden reifer und erwachsen. Die Abwehr mit den Innenverteidigern Niclas Knoop und Ramzi Ferjani steht kompakt, und mit der Rückkehr von Felix Schlüsselburg ist es uns gelungen, auch im Mittelfeld eine gute Balance zwischen Offensive und Defensive zu finden. Vorn verfügen wir mit Manuel Pherai, Alaa Bakir und Youssoufa Moukoko über große Klasse. Dazu muss man auch Malte Wengerowski zählen, der täglich zwischen Osnabrück und Dortmund pendelt und mehr Zeit im Zug als auf dem Trainingsplatz verbringen muss.“

Youssoufa Moukoko erzielte 26 Tore

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Fast die Hälfte der 54 Tore geht auf das Konto von Youssoufa Moukoko, der mit 26 Treffern die Torjägerliste aller Bundesligen anführt. Ihm am nächsten kommen Leon Dajaku (VfB Stuttgart, 18) und Rene Biskup (Schalke, 17). Auffällig bei Moukoko, diesem robusten wie eleganten Stürmer, sind Handlungs- und Antrittsschnelligkeit, Schusstechnik und Durchsetzungsvermögen. Außerdem zeichnet ihn die Begabung aus, entscheidende Offensiv-Zweikämpfe zu gewinnen und dann hellwach zu sein, wenn es darauf ankommt. Moukoko hat wie Rilind Hetemi und der vom FC Schalke 04 zum BVB gewechselte Albin Thaqi in der vergangenen Saison noch in der U15 gespielt.

„Wir wussten, dass die Jungs eine hohe Messlatte benötigten, um den nächsten Entwicklungsschritt zurückzulegen. Der Sprung von der U15 in die U17 ist sehr groß, aber sie haben ihn gemeistert. Rilind Hetemi hatte anfangs Anpassungsschwierigkeiten, ist aber mittlerweile sehr konstant und Stammspieler im Mittelfeld geworden. Auch Albin Thaqi wird in der Rückrunde mehr Einsatzzeiten erhalten. Youssoufa bringt eine brutale Qualität mit. Aber er allein kann es nicht richten. Die Mannschaft hilft ihm und unterstützt ihn. Youssoufa ist ein ganz bescheidener und umgänglicher Junge,“ beschreibt Geppert die Rolle des 13-jährigen Ausnahme-Talents.

Rückrundenstart gegen Unterrath

Mit dem Heimspiel am Sonntag, 3. Dezember, gegen die SG Unterrath (Anstoß 11 Uhr), startet Borussias U17 in die Rückrunde, es folgt der Auswärts-Auftritt beim VfL Bochum (9. Dezember), dann geht es in die lange Winterpause (bis 25. Februar). „Wir wollen unsere Erfolgsserie natürlich fortsetzen“, formuliert Geppert das Ziel. In der Frühjahrsserie erwartet er einen noch härteren Konkurrenzkampf und weitere Kader-Zugänge: „Reda Khadra ist schon zurück und wird dann eine echte Option für die Offensive. Pascal Thesen hat einen Mittelfußbruch auskuriert, er befindet sich in der Aufbauphase. Wir dürfen wieder mit Torhüter Nik Deubel planen, und Samuel Örs, der alle Offensiv-Positionen besetzen kann, brennt auf seinen erstes Pflichtspiel für den BVB. Er befindet sich nach einer Hüft-OP auf einem guten Weg.“

Wie das gesamte Team, dem sich nach dieser grandiosen Hinrunde glänzende Aussichten eröffnen, die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft zu erreichen. Für Borussia wäre es die fünfte Halbfinal-Qualifikation in Folge – noch ein Rekord und Beleg für die vorbildliche Arbeit, die der Nachwuchsbereich leistet.

Wilfried Wittke