Er wurde ins kalte Wasser geworfen, hat sich freigeschwommen und ist aus dem langen Schatten getreten, den seine erfolgreichen Vorgänger Hannes Wolf und Benjamin Hoffmann geworfen hatten: Sebastian Geppert rechtfertigte seine Beförderung vom Co- zum Cheftrainer der U17, weil er überaus akribisch, authentisch und analytisch arbeitet, Talente fordert und fördert, sie weiterentwickelt und als Mannschaft zusammenzuschweißen versteht.

Zwar stand der BVB im Sommer erstmals seit 2013 nicht im Endspiel um die Deutschen Meisterschaft, doch die Leistung des Teams, das monatelang u.a. auf Leistungsträger wie Top-Torjäger Robin Kehr und innenverteidiger Niclas Knoop verzichten musste, war aller Ehren wert. Als souveräner Tabellenzweiter hinter Schalke 04 hatten sich die Schwarz-Gelben für die Endrunde qualifiziert und trafen im Halbfinale auf die vermeintliche „Über-Mannschaft“ von Werder Bremen.

Im Halbfinale unglücklich ausgeschieden

Mit dem 1:1 im Weserstadion verschafften sich die Borussen eine glänzende Ausgangsposition, aber das Rückspiel war nach bereits fünf Minuten im Prinzip entschieden, weil Innenverteidiger Niclas Knoop nach einem von Schiedsrichter Koj (Wegberg) als Notbremse ausgelegten Zweikampf die Rote Karte sah. Die Jungs kämpften bei hochsommerlichen Temperaturen in Unterzahl bravourös und mussten sich am Ende mit 0:3 geschlagen geben. „Einfach nur schade. Der Platzverweis war aus meiner Sicht nicht gerechtfertigt. Aber wir können stolz sein, dass wir es so weit geschafft haben“, resümierte Sebastian Geppert, der anschließend den Großteil seines Kaders in den U19-Bereich verabschiedete, auch Luca Unbehaun, obwohl er noch für die U17 spielberechtigt gewesen wäre.

Vom Stamm blieben die Innenverteidiger Ramzi Ferjani und Niclas Knoop sowie die Offensivspieler Reda Khadra, der nach einer Kreuzband-OP allerdings noch bis November pausieren musste, und Alaa Bakir. Ergänzt wurde das neue U17-Spieleraufgebot mit Talenten aus der eigenen U15 (Youssoufa Moukoko, Rilind Hetemi), aus der U16 sowie externen Zugängen wie u. a. Immanuel Pherai (AZ Alkmaar), Malte Wengerowski (VfL Osnabrück), Albin Thaqi (Schalke 04), Nik Deubel und Samuel Örs (Arminia Bielefeld).

4:4 - Tolle Aufholjagd im Derby

Die Jungs um Kapitän Niclas Knoop starteten vom ersten Spieltag an voll durch, feierten ihren höchsten Sieg (10:0) gegen Alemannia Aachen und legten im Derby eine fulminante Aufholjagd hin: Schalke 04 führte bis zwei Minuten vor dem Abpfiff mit 4:1 und empfand das spätere 4:4 wie eine Niederlage. Ähnliches sollte sich später bei den Profis wiederholen, nur waren dann die Borussen die „Gelackmeierten“...

Der BVB schloss das Halbjahr mit 41 Punkten und 56:14 Toren ab, Youssoufa Moukoko führt mit phänomenalen 27 Treffern die Torschützenliste an, und in der „Ewigen Tabelle“ der Bundesliga West haben die Schwarz-Gelben die Spitzenposition ausgebaut. Sie belegen Platz eins mit nunmehr 550 Punkten vor Leverkusen (531) und Schalke (525). Die Jungs leisteten sich ausgerechnet im letzten Heimspiel beim 2:2 gegen Unterrath einen Aussetzer. „Das sollte für alle eine heilsame Lehre gewesen sein. Die Mannschaft muss auch lernen, Rückschläge zu verarbeiten“, befand Sebastian Geppert. Unter dem Strich zog er aber eine rundherum positive Bilanz: „Das Team in seiner Gesamtheit hat sich prima entwickelt und in der Regel Top-Leistungen gezeigt, auch jene Spieler, die häufig von der Bank kamen.“

Erstes Heimspiel gegen Hombruch

Dennoch sieht Geppert noch „Luft nach oben“. In der Vorbereitung auf die Frühjahrsserie wird er weiter an Abläufen und Automatismen, an taktischen wie technischen Feinheiten arbeiten, um das Team noch stärker zu machen und es wieder in die Endrunde zur Deutschen Meisterschaft zu führen. „Das ist unser Ziel, aber es wird kein Selbstläufer. Wir müssen in jedem Spiel ans Limit gehen. Das sollte allen bewusst sein,“ schreibt Geppert seinen Jungs zum Jahreswechsel ins Stammbuch.

Am 15. Januar beginnt die Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte. Die Bundesliga nimmt am 25. Februar ihren Spielbetrieb wieder auf. Erster Gegner in Brackel ist Lokalrivale Hombruch.

Wilfried Wittke