Siege, Tore, Titel und Einträge in Fußball-Geschichtsbücher: Teams und Hochbegabte aus Borussias Nachwuchs-Leistungszentrum rockten auch in der Saison 2016/17 die Bundesligen und haben ihren Erfolgsgeschichten weitere Kapitel hinzugefügt.. 

Wie die U19, die als erste Mannschaft seit Gründung der Bundesliga im Jahre 2003 die Deutsche Meisterschaft erfolgreich verteidigt hat. Sie gewann ein dramatisches und hochklassiges Endspiel vor der Rekordkulisse von 33 400 Zuschauern im Signal Iduna Park gegen den FC Bayern München mit 8:7 im Elfmeterschießen, nachdem sie im Halbfinale als Außenseiter den VfL Wolfsburg ausgeschaltet hatte. „Eine außergewöhnliche, nicht hoch genug zu bewertende Leistung, vor der ich nur den Hut ziehen kann“, applaudierte Nachwuchskoordinator Lars Ricken.

Denn in den Herbsttagen des Jahres 2016 deutete wenig bis gar nichts auf diesen erneuten Triumph hin. Die personellen Voraussetzungen hatten sich dramatisch verschlechtert. Stürmer-Talent Janni Serra fiel nach komplizierten Knieverletzung fast die gesamte Saison aus. Christian Pulisic und Felix Passlack, beide für den Spielbetrieb der U19 gemeldet, rückten in den Profi-Kader auf. Hüseyin Bulut musste ich einer Hüft-OP unterziehen. Dominik Wanner litt noch unter den Folgen einer Knieblessur, und die schlimme Verletzung von Dario Scuderi im ersten Auswärtsspiel der Youth League bei Legia Warschau lähmte tagelang den kompletten Nachwuchsbereich. 

Wir müssen vieles richtig gemacht haben“

Dazu verabschiedete sich Hannes Wolf, der mit den Jungs durch dick und dünn gegangen war und drei Deutsche Meisterschaften in Folge gefeiert hatte, von der Mannschaft und wechselte als Cheftrainer zum VfB Stuttgart. Edwin Boekamp, Leiter der Nachwuchsabteilung, und Lars Ricken trafen schnelle, mutige und richtige Entscheidungen: Benjamin Hoffmann, der in der Saison 2015/16 die U17 ins Finale um die Deutsche Meisterschaft geführt hatte, übernahm gemeinsam mit Daniel Rios den älteren Jahrgang, Sebastian Geppert, bis dahin Hoffmanns Co-Trainer, zeichnete fortan als Chef der U17 verantwortlich. 

Hoffmann gelang es, die Spieler und das Team hinter dem Team noch enger zusammen zu schweißen. Die Mannschaft entwickelte eine „Jetzt-erst-recht“-Mentalität und trotzte dank ihrer Willenskraft auch weiteren Rückschlägen: Patrick Fritsch (Kreuzbandriss) und Jakob-Bruun Larsen (Ermüdungsbruch im Mittelfuß), der mit 20 Treffern beste Torschütze aller Bundesligen, meldeten sich monatelang vom Spielbetrieb ab. Der junge Fußball-Lehrer führte das Team dennoch fußballerisch auf einen hohen Leistungsstand - und in der UEFA Youth League als Gruppenzweiter über die Play-off-Runde ins Achtelfinale der Königsklasse, wo die Schwarzgelben am FC Barcelona scheiterten. In der Meisterschaft tobte derweil ein packender Vierkampf zwischen Borussia, Schalke, Leverkusen und Bochum. Am Ende triumphierte der BVB vor Schalke 04 – und Benjamin Hoffmann resümierte stolz: „Wir müssen vieles richtig gemacht haben.“ 

Vier U19-Spieler bei den Profis

Borussias Hochbegabte setzten dazu auf höherer Ebene Ausrufezeichen: Nach Christian Pulisic und Felix Passlack feierten Jakob Bruun Larsen und Dzenis Burnic ihr Pflichtspiel-Debüt bei den Profis. Passlack, damals 18 Jahre und 177 Tage alt, wird mit seinem Treffer am 22. November 2016 beim denkwürdigen 8:4-Sieg des BVB gegen Legia Warschau in der deutschen Champions-League-Historie als jüngster deutscher Torschütze geführt.

Zum vierten Male in Folge hatte sich die U17 für die Endrunde zur Deutschen Meisterschaft qualifiziert und ihre Führung in der ewigen Tabelle der Bundesliga West (550 Punkte) vor Leverkusen (531) und Schalke 04 (525) behauptet. Trainer Sebastian Geppert schaffte mit der vom Verletzungspech gebeutelten Mannschaft, der u. a. viele Wochen ihr Top-Torjäger Robin Kehr fehlte, als Westdeutscher Vizemeister den Einzug ins Halbfinale. Sie scheiterte nach einem 1:1 im Auswärts-Hinspiel unglücklich und in 75-minütiger Unterzahl an Werder Bremen (0:2). 

Meister mit 25 Punkten Vorsprung

Übermächtig und konkurrenzlos marschierte Borussias U15 durch die Regionalliga: Sie gewann die Westdeutsche Meisterschaft mit 25 Punkten Vorsprung vor Borussia Mönchengladbach. Für den BVB standen in der Endabrechnung 24 Siege, 2 Unentschieden, 91:22 Tore und 74 Punkte zu Buche, dazu Platz eins in der Fairness-Tabelle. Bester Torschütze war, obwohl er in den letzten Meisterschaftsspielen verletzt zuschauen musste, Angreifer Youssoufa Moukoko (33 Treffer). Nebenbei triumphierten die Jungs auch noch im Westfalenpokal. Viele Experten trauen dieser Mannschaft zu, in den nächsten Jahren die Bundesligen aufzumischen. 

Trainer Peter Wazinski, der die meisten seiner Schützlinge auch in der Saison 2017/17 im Team U 16 betreut, hält indes den Ball flach: „Das ist kein Zauberwerk, sondern Ergebnis gezielter Sichtungs- und Ausbildungsarbeit. Ob dies ein außergewöhnlicher Jahrgang ist, wird sich herausstellen. Aber die Hoffnung besteht, dass der Großteil der Spieler eine ähnliche Entwicklung nimmt wie der 98-er“, 

Der 98-er, das sind die Eike Bansen, Christian Pulisic, Felix Passlack, Jakob Bruun Larsen, Dzenis Burnic, Amos Pieper, Etienne Amenyido, Dario Scuderi, Patrick Fritsch oder Janni Serra, die sich mit insgesamt vier Deutschen Meisterschaften (jeweils zwei in der U17 und U19) in den Seniorenbereich verabschiedet und die Messlatte hoch gelegt haben. Doch die Nachfolger hocken in den Startlöchern und sind bereit, ihnen nachzueifern. Borussias Trainer wissen, wie es geht, Talente weiterzuentwickeln und erfolgreiche Mannschaften zu formen.

Wilfried Wittke