Jungs, das war stark – und am Ende ganz viel Pech, dass die Bravourleistung vor allem in der zweiten Halbzeit nicht belohnt worden ist. Als David Kopacz mit einem fulminanten Schuss in den rechten Winkel das 3:0 erzielt hatte, schien ein kleines Fußballwunder Wirklichkeit zu werden. Die Hoffnung lebte bis zur 88. Minute. Dann ließ ein Berliner Konter, der noch begünstigt wurde von Julian Schwermanns unfreiwilliger Vorlage, alle Träume platzen.

Aber die Mannschaft hat einen großen Kampf geliefert und sich für das 0:4 in Berlin komplett rehabilitiert. Wäre sie im Hinspiel mit ähnlicher Entschlossenheit und Leidenschaft ans Werk gegangen, hätte es über den zweiten Finalisten neben Schalke 04 vermutlich keine Diskussionen gegeben. So zieht Hertha BSC trotz der 1:3-Niederlage ins Endspiel um die Deutsche Meisterschaft ein. Schade drum. „Der Frust wird erst in ein paar Tagen kommen, wenn wir erkennen, welch große Chance wir in Berlin haben liegen lassen. Jetzt überwiegt die Freude über einen großen Sieg,“ applaudierte Benjamin Hoffmann seiner Mannschaft, die an diesem Tag mit Herz und Emotionen Wiedergutmachung geleistet hat.

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Der Matchplan wäre fast aufgegangen. Letztlich hat nur ein Quäntchen Glück gefehlt. Schon ganz zu Beginn der Partie, als Patrick Osterhage nach einer von Emre Aydinel ausgeführten Ecke den rechten Pfosten traf. „Wir sind nicht kopflos aufgetreten und haben unsere Dynamik im richtigen Moment ins Spiel gebracht“, freute sich Hoffmann auch über die taktische Disziplin des Teams, das zunächst kontrolliert agierte, um nicht in Herthas Konter zu laufen.

1:0-Führung nach 23 Minuten

Borussia belohnte sich für diese Herangehensweise in der 23. Minute mit der 1:0-Führung durch Enrique Pena Zauner, der Dominik Wanners feinen Flankenball veredelte. Die Berliner warteten auf Fehler des Gegners, dosierten ihre Angriffe und wurden lediglich über den flinken Dennis Jastrzembski gefährlich. Allerdings brannte auch auf der anderen Seite wenig an, weil Herthas Defensiv-Abteilung aufmerksam und zweikampfstark verteidigte.

Der BVB legte nach dem Wechsel zu, drückte aufs Tempo, brachte ein deutliches Mehr an Aggressivität und Offensivschwung ins Spiel. Die erste große Chance eröffnete sich David Kopacz, der den Ball nach Wanners feinem Zuspiel leichtfertig vertändelte, statt mutig den Abschluss zu suchen (65.). Mit der Einwechslung von Paul Besong (63.) und Hüseyin Bulut (68.) geriet Berlins Abwehr noch stärker unter Druck. Julian Schwermann traf die Latte, Besong scheiterte zwei Mal in aussichtsreicher Position, und Berlins Ernesto, der gerade erst die Gelbe Karte gesehen hatte, konnte von Glück sprechen, dass Schiedsrichter Justus Zorn sein Foul an Bulut lediglich mit Elfmeter und nicht mit der Ampelkarte bestrafte. Emre Aydinel verwandelte den Strafstoß nervenstark zum 2:0.

David Kopacz: Traumtor zum 3:0

Der schwarzgelbe Angriffsschwung wurde von der ersten Gewitter-Unterbrechung nur aufgehalten, aber nicht gebremst. Nach Wiederanpfiff ging es weiter in Richtung Einbahnstraße. Einen von Patrick Osterhage aus kürzester Distanz geschossenen Ball kratzten die Berliner irgendwie von der Linie (80.), und es spielten sich turbulente Szenen in Herthas Strafraum ab. Allerdings durften sich die Borussen zwischenzeitlich auch bei Luca Unbehaun bedanken, der die größte Möglichkeit der Gäste durch Julius Kade mit einer spektakulären Parade zunichte machte. Dennoch schien das dritte Dortmunder Tor nur eine Frage der Zeit zu sein – bis der Unparteiische erneut auf Blitz und Donner reagierte und die Mannschaften ins Trockene schickte.

Es folgte der letzte Akt dieses Halbfinal-Krimis: Paul Besong ließ von seiner breiten Brust einen Ball direkt vor die Füße von David Kopacz abprallen – und der jagte ihn mit Präzision wie Vehemenz in den rechten Winkel, ein Traumtor. Die Herthaner sehnten den Abpfiff herbei, sie wankten, doch ein einziger Konter gegen die weit aufgerückte BVB-Abwehr erlöste sie von allen Zweifeln. Muhamed Kiprit gelangte, von Schwermann unglücklich begünstigt, in gute Schuss-Position, und der Doppel-Torschütze von Berlin, ließ Unbehaun keine Chance.

Am Ende jubelte Blau-Weiß, aber die jungen Borussen durften erhobenen Hauptes den Weg in die Kabine antreten. Benjamin Hoffmann resümierte hoch zufrieden: „Die Jungs hatten sich vorgenommen, ihre Ehre wiederherzustellen. Das ist ihnen gelungen.“ Und dafür gebührt ihnen Respekt.

Borussia: Unbehaun – Schwermann, Kilian, Sechelmann, Mißner (69. Blulut) – Osterhage, Raschl – Pena Zauner (63. Besong), Kopacz, Wanner (79. Kyeremateng) - Aydinel.

Wilfried Wittke