Gründlicher geht es nicht: Dreieinhalb Stunden dauerte die von Benjamin Hoffmann unmittelbar nach der 1:2-Niederlage in Düsseldorf einberufene Video- und Mannschaftssitzung am Sonntagvormittag, verbunden mit intensiver Ursachenforschung. Danach wurden die Uhren auf „Null“ gestellt. „Wir haben uns eine neue Identität gegeben“, verrät Hoffmann.

Die U19, Borussias Flaggschiff im Nachwuchsbereich, will sich künftig nicht mehr allein über Ballbesitzfußball definieren. Hoffmann erläutert: „Wir haben das Fundament vergessen und eine miserable Zweikampfbilanz. Darauf wird nun der Fokus gelegt. Unser Motto für die Rückrunde lautet: Wir wollen ein ekliger und schwer bespielbarer Gegner werden.“ Und damit am Samstag (2. Dezember, Anstoß 11 Uhr) in Bochum beginnen.

Beim Tabellenzweiten geht es für den BVB wohl schon um die letzte Chance, noch einmal Kontakt aufzunehmen mit der Spitze. „Jedes Spiel“, formuliert Hoffmann die Ausgangsposition, „hat jetzt wegweisenden Charakter.“ Rein rechnerisch liegt der amtierende Deutsche Meister neun Punkte hinter der Marschtabelle. „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand. Man benötigt in jeder Serie 30 Punkte, um sich für die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft zu qualifizieren“, sagt Hoffmann. Aktuell stehen ganze 21 – bei einem Nachholspiel in Leverkusen - auf Borussias Konto. Es wird also höchste Zeit für die Wende und eine Siegesserie. Sonst wird man die Endrundenspiele am TV-Gerät verfolgen müssen.

Hinspiel unglücklich verloren

Mut sollte den Jungs das Hinspiel gegen den VfL machen: Sie dominierten den Gegner, arbeiteten sich insbesondere im zweiten Durchgang eine Fülle guter Chancen heraus, aber in entscheidenden Momenten fehlte ihnen das Spielglück. Zum anderen beklagten die Borussen in der Tat kritikwürdige Schiedsrichter-Entscheidungen. Ein Handelfmeter in der Nachspielzeit besiegelte die höchste unglückliche 1:2-Niederlage.

Den Verlauf dieser Partie sollten die Spieler im Hinterkopf haben. Die Bochumer haben zuletzt etwas geschwächelt (1:1 in Bielefeld und gegen Paderborn), bestechen aber mit ihrer Konstanz wie mannschaftlichen Geschlossenheit und sind in der Hinrunde ungeschlagen geblieben. Torjäger Ulrich Bapoh hat intern Konkurrenz bekommen: Sergio Gucciardo belegt in der Bundesliga-Torschützenliste mit zehn Treffern den zweiten Platz, Dominik Steczyk war auch schon sechs Mal erfolgreich. Acht Gegentore in bisher 13 Partien sprechen zudem für die bemerkenswerte Stabilität der Bochumer Abwehr.

Schwermann sitzt Sperre ab

Benjamin Hoffmann muss personell improvisieren. Kapitän Julian Schwermann sitzt eine Gelbsperre ab, Niklas Beste fällt ebenso aus wie die angeschlagenen Dominik Wanner (Rücken), Jonas Hupe (Muskelfaserriss) und Tobias Raschl (leichter Rückschlag nach Sprunggelenkverletzung). Hüseyin Bulut und Robin Kehr fehlten zuletzt wegen starker Erkältung, könnten aber für einen Kurzeinsatz bereit sein.

So oder so wird die Mannschaft vor allem an ihrer Einstellung gemessen. "Wir können keine Siege garantieren, aber die Art und Weise können wir bestimmen, indem wir vernünftig und als Team gegen den Ball arbeiten. Jeder sollte am Ende sagen dürfen: Wir haben unser Bestes gegeben ", beschwört Hoffmann eine neue Herangehensweise der Jungs.

(wiwi)