Geht doch: Die U19 hat das Siegen nicht verlernt und zum Auftakt der Rückrunde einen 3:2-Erfolg beim Tabellenzweiten VfL Bochum gefeiert. Die letzte Woche, in der Trainer-Team und Spieler jeden Stein umgedreht hatten, verfehlte nicht ihre Wirkung. Die Mannschaft zeigte die von Benjamin Hoffmann geforderte „neue Identität“ und eine ganz andere Körpersprache als in den letzten Wochen. Sie pushte sich und trat endlich wieder als Einheit auf.

Sie steckte selbst den unglücklichen 0:1-Rückstand weg, den Alex Schulte mit einem Aussetzer eingeleitet und damit VfL-Torjäger Ulrich Bapoh zum Bochumer 1:0 eingeladen hatte (21.Minute). Das war auch schon der Höhepunkt in der ersten Halbzeit des „kleinen Derbys“, das beide Teams taktisch auf höchstem Niveau bestritten.

Benjamin Hoffmann hatte die Abwehr wegen Julian Schwermanns Gelbsperre und Niki Bestes Sprunggelenkverletzung total umbauen müssen: Julius Schell spielte rechts in der Viererkette, Tim Sechelmann rückte aus dem Mittelfeld in die Innenverteidigung, Alex Schulte besetzte Bestes Position auf der linken Seite, das defensive Mittelfeld bildeten David Kopacz und Patrick Osterhage. Borussias Defensivbereich funktionierte – mit Ausnahme des Schulte-Fehlers – gut und neutralisierte weitgehend den Gegner, dem sich keine weiteren nennenswerten Möglichkeiten mehr eröffneten. Auch der BVB tat sich schwer, Lücken in der gut organisierten gegnerischen Deckungsreihe zu finden.

Luca Kilian Doppel-Torschütze

Das Bild änderte sich nach dem Wechsel. Die Bochumer kamen zunächst frischer und unternehmungslustiger aus der Kabine, wurden dann aber überrascht, als Tim Sechelmanns einen langen Ball in den Lauf von Robin Kehr spielte, der nicht lange fackelte und zum Ausgleich einschoss (54.). Es kam noch besser für die Borussen: Nach einem Freistoß von Emre Aydinel erwischte Luca Kilian den Ball mit der Hacke und bugsierte ihn ins Netz (62.). Der BVB-Innenverteiger schnürte neun Minuten später per Kopf nach Ecke von Osterhage einen Doppelpack. „Damit bewies er wieder seinen Ruf als torgefährlichster Abwehrspieler der Bundesliga“, freute sich Hoffmann mit Luca Kilian.

Nach Bapohs Treffer noch gezittert

Doch die Platzherren steckten nicht auf, Trainer Dimitrio Grammozis wechselte mit Dominik Steczyk und Sergio Gucciardo zwei weitere Top-Stürmer ein, der Druck auf das Dortmunder Tor wurde von Minute zu Minute stärker. Nach dem Anschlusstreffer zum 2:3 durch den überragenden Bapoh hatte der BVB noch eine spektakuläre Schlussphase zu überstehen. Aber die gesamte Mannschaft verteidigte den Vorsprung mit Herz und Leidenschaft. Der eingewechselte Tobias Missner zog sich nach einem heftigen Zusammenprall eine Gehirnerschütterung zu, auch Robin Kehr musste wegen einer Verletzung in der Nachspielzeit noch ausgewechselt werden.

„Das war ein erster Schritt in die richtige Richtung“, atmete Hoffmann tief durch, ohne aber euphorisch zu werden: „Diese kämpferische Leistung müssen wir nun in den Spielen gegen Paderborn und Leverkusen bestätigen.“ Zuvor geht es noch nach Madrid zum letzten Gruppenspiel in der Youth League gegen Real (Mittwoch).

Borussia: Unbehaun – Schulte, Kilian, Schell (81. Missner) – Osterhage, Sechelmann – Kopacz, Bulut (77. Pena Zauner) – Baxmann, Aydinel (70. Kyeremateng), Kehr (92. Ibrahim).

Wilfried Wittke