Das wird eine Herkulesaufgabe: Nach der überraschend hohen 0:4-Niederlage in Berlin benötigt Borussias U19 im Halbfinal-Rückspiel am Mittwoch, Anstoß 16.30 Uhr im NLZ Brackel, fast schon ein Fußball-Wunder, um gegen Hertha BSC ins Finale um die Deutsche Meisterschaft einzuziehen.

„Kinderfußball hatte gegen Erwachsenenfußball keine Chance“, brachte Trainer Benjamin Hoffmann die Partie im Stadion „Auf dem Wurfplatz“ auf den Punkt. Der BVB wirkte bei hochsommerlichen Temperaturen wie paralysiert, fand nie seinen Rhythmus und durfte sich am Ende sogar glücklich schätzen, mit vier Gegentoren davongekommen zu sein, Dazu sah Julius Schell nach einem Foul in Strafraumhöhe an Julius Kade (30. Minute) noch die Rote Karte. „Die hat uns auch nicht weitergeholfen“, zürnte Hoffmann - wohl auch über das im Kollektiv naive Defensivverhalten. Mannschaft.

Er hatte im Vorfeld ein torreiches Duell prophezeit, aber nicht in Albträumen ein solchen Ergebnis in Erwägung gezogen. Das Unheil nahm schon nach sieben Minuten seinen Lauf: Denns Jastrzembski ließ Julius Schell ins Leere laufen, Luca Kilians Stellungsfehler brachte Nikos Zografatis in beste Schussposition, und Herthas Torjäger schlenzte den Ball gefühlvoll ins Netz. Nicht mal 180 Sekunden später bedankte sich Zografatis für Kilians halbherzige Zweikampfführung mit dem Treffer zum 2:0. Vorausgegangen waren im Mittelfeld ein fataler Ballverlust von Tim Sechelmann und ein feiner Pass des erst 16-jährige Julian Albrecht.

Wechsel blieben wirkungslos

Benjamin Hoffmanns Konzept war nach 30 Minuten endgültig über den Haufen geworfen, als Schell in höchster Not Julius Kade von den Beinen holte. Schiedsrichter Tim Skorczyk zog „Rot“ - eine harte, aber vertretbare Entscheidung, die Hoffmann zu taktischen Wechseln zwang. Er löste die Dreier- zur Viererkette auf, zog David Kopacz und Dominik Wanner in die defensiven Außenpositionen zurück und ordnete das Mittelfeld neu – ohne durchschlagenden Erfolg. Zwar definierte sich Borussia über höheren Ballbesitz, ihrem Offensivspiel mangelte es indes an Zielstrebigkeit und Überraschungsmomenten – wie der gesamten Mannschaft an Aggressivität, Mut, Emotionalität und Leidenschaft.

Mit Enrique Pena Zauner, der zur zweiten Halbzeit den passiven Emre Aydinel ersetzte, schien zunächst frischer ins Spiel zu kommen. Mit einem feinen Zuspiel bereitete er eine gute Möglichkeit vor, die Paul Besong vergab. Doch es war nur ein laues Lüftchen. Statt dessen erhöhten die Berliner in der 53. Minute auf 3:0, als Pal Dardai auf der rechten Außenposition Dominik Wanner ausgespielt hatte, Muhamed Kiprit schneller schaltete als Julian Schwermann und er dem bedauernswerten Jonas Hupe keine Chance ließ (53.). „Uns fehlte auch wenig Spielglück in Situationen, wo wir besser ins Spiel gekommen waren“, befand Hoffmann.

Nur Dortmunder Halbchancen

Hertha hatte zu diesem Zeitpunkt längst den großen Respekt vor dem Titelverteidiger verloren und wollte mehr. Pena Zauner brachte Jastrzembski im Strafraum zu Fall, und Kiprit erhöhte per Elfmeter auf 4:0. Julius Kade traf noch die Latte (75.). Auf der Gegenseite registrierten die Zuschauer nur noch zwei Halbchancen, die die eingewechselten Gabriel Kyeremateng und Yassin Ibrahim vergaben.

Unter dem Strich war es eine enttäuschende Darbietung der Jungs um Kapitän Julian Schwermann. „Es gilt, schnell daraus zu lernen und es im Rückspiel viel besser zu machen. Wir haben jetzt Halbzeit, aber klar ist, dass wir am Mittwoch eine deutliche Schüppe drauflegen müssen“, bilanzierte Benjamin Hoffmann. Selbst eine Leistungssteigerung um 100 Prozent wird kaum reichen, um Herthas Einzug ins Finale noch zu verhindern. Es muss ein kleines Fußball-Wunder her.

Borussia: Hupe – Schell, Kilian, Sechelmann – Kopacz (90. Raschl), Osterhage, Schwermann, Aydinel (46. Pena Zauner), Wanner – Besong (65. Kyeremateng), Kehr (74. Ibrahim).

Wilfried Wittke