Benjamin Hoffmann brauchte nicht viel zu erklären und zu analysieren. Nachdem sich das Trainer-Team gemeinsam mit dem kompletten Kader die Aufzeichnung der ersten halben Stunde des Halbfinal-Hinspiels bei Hertha BSC angeschaut hatte, wusste jeder, dass da einiges schief gelaufen war im Stadion „Auf dem Wurfplatz“. „Ich will Mittwoch eine Reaktion sehen“, forderte Hoffmann nur.

Das 0:4 hat geschmerzt. Das enttäuschende Ergebnis wie auch die Art und Weise. Aber dass diese Mannschaft in der Lage ist, Wiedergutmachung zu leisten, hat sie in der Vergangenheit bewiesen. Die Jungs um Kapitän Julian Schwermann haben sich nach Rückschlägen stets aufgerappelt und Mentalität gezeigt. Wie gerade zum Ende der Bundesliga-Saison, als sie fast jeder nach dem 1:2 in Münster abgeschrieben, aber sie allen Unkenrufen getrotzt hatte. Dazu ist Borussias U19 auf eigenem Terrain eine Macht. Sie hat nur zum Saisonauftakt gegen den VfL Bochum äußerst unglücklich verloren. Aber zum Beispiel gegen den in dieser Saison dominierenden FC Schalke 04 mit 3:1 gewonnen.

Es besteht also kein Grund, Hertha BSC vor dem Anpfiff des Halbfinal-Rückspiels (Mittwoch, 16.30 Uhr) zum Final-Einzug zu gratulieren. „Es gibt genug Beispiele, dass man das Ding' noch drehen kann“, schöpft auch Benjamin Hoffmann neuen Mut. Er selbst hat es 2005 erlebt, als Borussias U17 nach einer 1:5-Niederlage in Berlin das Rückspiel mit 4:0 gewonnen hatte und dann im Elfmeterschießen ausgeschieden ist. Vor einem Jahr wähnte sich der FC Schalke 04 nach einem 3:1-Sieg in München und einer 2:1-Halbzeitführung zu Hause gegen den FC Bayern bereits im Endspiel. Die U19 des Rekordmeisters erkämpfte sich noch einen 4:2-Sieg und qualifizierte sich im Elfmeterschießen für das Finale, das sie dann gegen den BVB verlor.

Es muss eine Willensleistung her

Aber die Julian Schwermann, Luca Kilian und Co. müssen natürlich ganz anders auftreten als in Berlin. Kollektiv in deutlich besserer Form, mit einem deutlichen Mehr an Leidenschaft, Mut, Spielfreude und Emotionen. „Wir haben nur 20 Minuten Fußball gespielt und uns am Ende auch nicht mehr gewehrt“, bemängelte Hoffmann neben naivem Zweikampf- und Defensivverhalten besonders die Einstellung. Es muss eine Willensleistung her und die Bereitschaft erkennbar sein, eine Sensation zu erzwingen. Oder sich zumindest mit fliegenden Fahnen aus der Saison zu verabschieden. Einige Jungs, die sich in den Seniorenbereich verabschieden, spielen zudem um ihre eigene Zukunft. In Berlin haben sie für sich wenige oder keine Argumente sprechen lassen. Auch diesen Eindruck gilt es zu korrigieren. 

Luca Unbehaun von der EM zurück

Es hat gerade im Juniorenfußball reichlich kuriose Ergebnisse gegeben. Auch in den Endrunden zur Deutschen Meisterschaft. Daran wird Benjamin Hoffmann sein Team in der Vorbereitung erinnern und den Spielern einimpfen, dass Hertha BSC keine „Über-Mannschaft“ ist. Die hohe Niederlage hatte der BVB in erster Linie sich selbst zuzuschreiben. Weil er dem Gegner die Chancen auf dem silbernen Tablett servierte und seine wenigen eigenen Möglichkeiten (Paul Besong, Yassin Ibrahim) halbherzig liegen ließ. „Ein Tor hätte uns gut getan“, befand Hoffmann,

Personell sind ihm die Hände gebunden. „Es tut extrem weh, dass Niki Beste, Hüsseyin Bulut und Jano Baxmann ausfallen“, verweist er auf die angespannte Situation. Jetzt fehlt auch noch der in Berlin des Feldes verwiesene Julius Schell, Dafür steht Luca Unbehaun wieder zur Verfügung, nachdem die deutsche U17-Nationalmannschaft bei der EM-Endrunde in England nach einem 1:5 gegen Spanien sang- und klanglos ausgeschieden ist. Doch Unbehauns Vertreter Jonas Hupe trug noch die geringste Schuld an der Schlappe gegen Hertha BSC.

Wilfried Wittke