Diese Niederlage schmerzte. Die Höhe (0:4) ebenso wie die Art und Weise. Deshalb gehen Abteilungsleitung und Trainer nicht sofort zur Tagesordnung über. Sie kündigen vor dem Bundesliga-Spiel am Sonntag gegen Borussia Mönchengladbach (Anstoß 11 Uhr im NLZ Brackel) eine schonungslose Analyse an.

Benjamin Hoffmann stand abends beim Spiel der Profis im Wembleystadion noch unter dem Eindruck der nachmittäglichen 0:4-Klatsche seiner U 19 zum Auftakt der UEFA Youth League bei Tottenham Hotspur. „Das war einfach nur schlecht“, echauffierte sich der Meistertrainer. Zwar hatte er im Vorfeld auf der Skala der Prioritäten-Liste die „Königsklasse“ auf Platz zwei hinter der Bundesliga gesetzt, aber seinen Jungs keinesfalls empfohlen, Zweikämpfen und Laufduellen aus dem Wege zu gehen.

Körperliche Robustheit hat gefehlt“

„Wir laden den Gegner ein, lassen ihn quer durch unsere Hälfte marschieren und sind nicht bereit, auf den zweiten Ball zu gehen. Körperliche Robustheit und Handlungsschnelligkeit haben komplett gefehlt“, schimpfte Hoffmann über die matte Darbietung seiner Mannschaft. Das Unheil nahm bereits mit dem ersten Angriff der Platzherren seinen Lauf, als Julian Schwermann die Fehler seiner Kollegen nur mit einem strafstoßwürdigen Foul ausbügeln konnte. Und in ähnlicher Form ging es weiter. Tottenhams Geschwindigkeit und Zielstrebigkeit hatten die Schwarz-Gelben wenig entgegenzusetzen.

Jacob Bruun Larsen entschuldigte sich später, dass er nicht die erhoffte Verstärkung gewesen sei. Doch vom Torjäger der vergangenen Saison, der als Jung-Profi in London sein erstes Spiel nach fünfmonatiger Verletzungspause bestritten hat, durfte man nicht viel mehr erwarten. Auch Amos Pieper aus der U23 merkte man fehlende Praxis deutlich an. Aber es gab kaum einen Spieler in Schwarz-Gelb, der eigenen Ansprüchen gerecht geworden ist.

Zeit der Geschenke ist vorbei“

Hoffmann denkt nun über personelle Konsequenzen nach: „Ich werde keine Geschenke mehr verteilen und nur noch mit jenen Jungs arbeiten, auf die Verlass ist.“ Das könnte sogar zu einer Reduzierung des mit 28 Feldspielern zu breit aufgestellten Kaders führen. Dass bei jedem Spiel eine komplette Mannschaft in die Zuschauerrolle gedrängt wird, provoziert Unzufriedenheit und Unruhe, steht einem leistungsfördernden Konkurrenzkampf im Wege.

Gegen Mönchengladbach wird die Start-Formation eine ganz andere sein als in London. Luca Kilian und Tim Sechelmann kehren zurück, Alex Schulte dürfte auf der rechten defensiven Außenbahn wieder erste Wahl sein, ebenso Patrick Osterhage im defensiven Mittelfeld. Auch Kapitän Dominik Wanner drängt nach Ausheilung seiner Verletzung in die erste Elf. Einer der wenigen Lichtblicke in London war nach seiner Einwechslung Hüseyin Bulut, der Borussias Offensive wieder beleben könnte. Stürmer Robin Kehr machte den nächsten, wenn auch zaghaften Schritt in die richtige Richtung.

Bleibt die Hoffnung, dass diese bittere Niederlage heilsame Wirkung hat. Noch ist es nicht zu spät für eine Kurskorrektur. 

Wilfried Wittke