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U19

Trainer

Benjamin Hoffmann

Keine Frage, das Kalenderjahr 2016 ist ein ganz besonderes für Benjamin Hoffmann. Im Sommer fehlte nur sooo wenig – und er wäre mit der U17 von Borussia Dortmund Deutscher Meister geworden. Das Endspiel im Stadion Rote Erde verloren die Borussen gegen Bayer Leverkusen mit 0:2, doch es war eine dieser Begegnungen, die genau so gut auch exakt anders herum hätten ausgehen können. Keine drei Monate später wurde Hoffmann quasi über Nacht vom U17- zum U19-Trainer befördert; als Nachfolger des zum Zweitligisten VfB Stuttgart gewechselten Hannes Wolf. Und so zeichnet er jetzt für den ältesten Nachwuchs verantwortlich, für das Flaggschiff der Abteilung, eine der herausragenden Talentschmieden im deutschen Fußball. Den amtierenden Meister. Eine „tolle Aufgabe, die ich mit Respekt und Demut angehe, vor allem aber auch mit ganz, ganz viel Spaß“, sagt er – wohl wissend, dass er in große Fußstapfen tritt. „Aber das kenne ich ja schon aus der Vorsaison.“ Auch da war er Hannes Wolf nachgefolgt. Und damals war die U17 zuvor sogar zweimal in Folge Meister geworden.

Benjamin Hoffmann gehört nicht zu den Menschen, die einen Bogen um Herausforderungen machen. Er sucht sie, um sich ihnen zu stellen. Das war schon so, als Peter Wazinski, BVB-Trainer-Urgestein, ihn 2002 fragte, ob er nicht Lust habe, als sein Co-Trainer bei der U17 einzusteigen. Hoffmann war gerade Anfang 20 und hatte „erst einmal was Ordentliches gelernt“. Was Solides. Bankkaufmann. Einen Beruf, den er auch in den folgenden Jahren weiter ausübte, während er bei Borussia Dortmund an der Seite von Wazinski viele wichtige Erfahrungen sammelte und die Trainerlizenzen erwarb. Bei den A-Lizenz-Lehrgängen in der Akademie in Hennef teilte er das Zimmer mit Hannes Wolf. Seit jener Zeit sind die beiden gut befreundet. Zwei Fußballverrückte, die auf derselben Wellenlänge funken, hatten sich gesucht und gefunden.

Hoffmanns nächster Karriereschritt begann erneut am Telefon. 2009 war es Jugendkoordinator Lars Ricken, der ihn anrief und wissen ließ: „Wir würden uns  freuen, wenn du die U17 übernehmen würdest.“ Ein großer Vertrauensbeweis. Eine tolle Herausforderung. Hoffmann nahm sie an. Klar – siehe oben! Seit dem 1. Juli 2009 ist er hauptberuflich für den BVB tätig, trainierte nach der U17 die U15 und die U14, übernahm 2015 wieder die U17 und nun eben die U19. Eine tolle Truppe, die aktuell, im Herbst 2016, großes Verletzungspech plagt. Janni Luca Serra nach Kreuzbandriss in der Reha, Patrick Frisch nach seinem zweiten Kreuzbandriss im Youth-League-Spiel gegen Real Madrid für Monate außer Gefecht – von Dario Scuderi, der nach seiner schlimmen Knieverletzung in Warschau ebenfalls lange ausfallen wird, ganz zu schweigen. Und: Felix Passlack und Christian Pulisic, die beide noch für die U19 spielen könnten, gehören inzwischen fest zum Profi-Kader von Thomas Tuchel.

Doch Hoffmann klagt und beschwert sich nicht. Weder über die Verletzungen und schon gar nicht über die bemerkenswerte Entwicklung von Passlack/Pulisic. „Die beiden sind doch die schönste Belohnung, die wir Jugendtrainer uns wünschen können“, sagt Hoffmann. Und obendrein die beste Motivation für seine Schützlinge, sich reinzuhängen, gewissenhaft und professionell zu arbeiten. „Seinen Spielern zu sagen, dass sie beim BVB die Chance auf eine Profilaufbahn haben, ist das Eine. Ihnen anhand von Teamkollegen wie Felix und Christian zeigen zu können, dass es sich nicht um eine theoretische Möglichkeit handelt, sondern um eine ganz reale Perspektive: Das ist noch einmal etwas ganz anderes“, so Hoffmann. Die Nähe zu den Profis ist unmittelbar, Thomas Tuchel und sein Trainerteam haben die U19 stets im Blick. Viele Spieler haben schon bei den Profis mittrainiert, waren mit im Trainingslager oder auf Auslandsreisen, haben erste Testspieleinsätze absolviert und auf sich aufmerksam machen können. Dzenis Burnic und Jakob Bruun Larsen etwa.

Für Benjamin Hoffmann ist es deshalb auch nicht nur wichtig, mit der Mannschaft Erfolge zu feiern („Natürlich haben wir den Anspruch, Titel zu gewinnen, denn erst die letzten Spiele auf dem Weg dorthin fordern und fördern die Jungs richtig!“). Er will seine Talente auch individuell weiterentwickeln. Er will ihnen seine Spielidee vermitteln: defensiv sicher stehen und dennoch mutig nach vorne spielen. Oder umgekehrt. Auf jeden Fall aber, dass nicht entweder das Eine oder das Andere funktioniert, sondern beides ineinander greifen kann.

Obendrein möchte Benjamin Hoffmann seine Spieler ein Stück weit aufs Leben vorbereiten. Respekt ist ihm wichtig, den Mitspielern und dem gesamten Umfeld gegenüber.  Der familiäre Umgang innerhalb der BVB-Nachwuchsabteilung behagt ihm, denn so fällt es leichter, die Jungs zu erden. „Sie dürfen nie aus den Augen verlieren, wo sie herkommen, und sie müssen immer wissen, dass der Klub sie nicht im Stich lässt.“

Aber, und das ist neben der sportlichen Erwartungshaltung vermutlich die größte Herausforderung: Benjamin Hoffmann muss seinen Spielern, spätestens der Altjahrgängen, auch vermitteln, welche Perspektive sie haben – und welche nicht. „Wir sind die Schnittstelle zu den Senioren. Bei uns entscheidet sich, wer auf Anhieb den Sprung zu den Profis schafft und wer es über den zweiten Bildungsweg versuchen muss.“ Will sagen: Über die eigene U23 – wie Weltmeister Erik Durm zum Beispiel. Oder über den Wechsel zu einem Zweit- oder Drittligsten, um sich dort Spielpraxis und Wettkampfhärte zu holen. „Meine Aufgabe ist es, die Jungs mit Blick auf die Zukunft auszurichten“, sagt Benjamin Hoffmann. Dass das nicht immer einfach werden wird und manchmal auch unangenehm, ahnt er. Und genau deshalb hat er sich eines fest vorgenommen: „Ich werde meinen Spielern gegenüber immer ehrlich sein!“

Co-Trainer: Daniel Rios - Torwarttrainer: Marco Knoop - Betreuer: Rüdiger Grabe

Trainerteam