Sportlich ist Borussias U15 in der Regionalliga West das Maß aller Dinge: Die Jungs von Erfolgstrainer Peter Wazinski führen die Tabelle mit dem gigantischen Vorsprung von 15 Punkten und dem formidablen Torverhältnis von 70:17 vor dem FC Schalke 04 an und würden mit einem Unentschieden am nächsten Spieltag bei Fortuna Köln (Samstag, 22. April) die Westdeutsche Meisterschaft perfekt machen. Doch das hoch talentierte Team setzt nicht allein mit fußballerischen Taten Glanzlichter.

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Der Deutsche Fußball-Bund hat Kapitän Maik Amedick nun stellvertretend für die Mannschaft mit der „Fair Play-Medaille“ ausgezeichnet. In der von Präsident Reinhard Grindel unterschriebenen Urkunde heißt es: „Fairness ist die Grundlage unseres Fußballspiels, Der Deutsche Fußball-Bund verleiht diese Urkunde in Anerkennung für das außergewöhnlich faire Verhalten in der Saison 2016/17 an Maik Amedick von Borussia Dortmund“.

Schiedsrichter Luca-Noel Perschke hatte die bemerkenswerte Aktion des BVB nach dem 3:1-Sieg beim VfL Bochum im Spielbericht erwähnt und weitergeleitet. „Wir hatten das schon gar nicht mehr auf dem Schirm und waren natürlich erfreut über die Reaktion nach einer selbstverständlichen Geste“, sagt Peter Wazinski.

Ein Bochumer Spieler war von einem Borussen per Seitfallzieher am Kopf getroffen worden und verletzt zu Boden gegangen. Calvin Minewitsch hatte, um das Spiel zu unterbrechen, den Ball ins Aus spielen wollen, ihn aber mit einer misslungenen Flanke zur 2:0-Führung ins VfL-Tor bugsiert. BVB-Kapitän Maik Amedick forderte nach Wiederanstoß sein Team auf, die Bochumer nicht anzugreifen und ihnen einen Treffer zu schenken. So war es Luis Hartwig möglich, den Ein-Tore-Abstand zeitnah wieder herzustellen. Auch VfL-Trainer David Siebers hatte das Verhalten des Gegners als „schöne Fairplay-Szene“ hervorgehoben. Und jetzt gab es dafür die Belohnung von höchster Verbandsstelle.

Zum Auftakt 2:2 – dann 19 Siege in Serie

Diese Auszeichnung passt zu einer Saison, in der die Borussen lediglich am ersten Spieltag beim 2:2 gegen Arminia Bielefeld Punkte liegen ließen. Es folgten 19 Siege in Serie, zuletzt ein 8:1-Triumph gegen Bayer Leverkusen, zu dem Top-Torjäger Youssoufa Moukoko seine Saisontreffer 28, 29, 30, 31 und 32 beisteuerte. „Es ist nicht so, dass wir die Spiele im Spaziergang gewinnen, wir müssen uns die Siege hart erarbeiten. Das ist Woche für Woche eine neue Herausforderung und keine Selbstverständlichkeit“, beschreibt Peter Wazinski die Erfolgsgeschichte seiner U15.

Den „Fußball-Jahrgang 2002“ charakterisiert er als „außerordentlich begabt“ und vergleicht ihn mit dem so erfolgreichen „98-er“, also den Burnic, Fritsch, Scuderi, Passlack, Serra und Co.: „Wir haben in der Spitze Top-Leute, und die Spitze ist sehr breit besetzt.“

12-jähriger Moukoko herausragend

Herausragend natürlich der vom FC St. Pauli gekommene Stürmer Youssoufa Moukoko. Das Alter des athletisch gebauten, schnellen und robusten Stürmers (geboren am 24. 11. 2004 im Kamerun) zweifeln die Gegner gern an, doch Vater Joseph wischt alle Bedenken vom Tisch und entgegnet: „Sofort nach der Geburt habe ich ihn beim Deutschen Konsulat in Yaounde angemeldet. Der Junge kann gar nicht älter sein, seine Mutter Marie ist ja erst 28.“ Wie dem auch sei: Moukoko soll in der kommenden Saison mit offiziell 12 Jahren für Borussias U17 stürmen, und Wazinski ist sicher: „Auch da wird er im ersten Jahr für mindestens 20 Tore gut sein.“

Borussias dominante U15 ist auch das Ergebnis eines gezielten Scoutings in der gesamten Republik. So kamen vor der Saison neben Moukoko noch Noel Brieden (Schalke 04), Marco Cardonini, Florian Usein (beide RW Essen), Ansgar Knauff und Loyd Kuffour (Hannover 96) ins Nachwuchs-Leistungszentrum nach Brackel, die eine schon im vergangenen Jahr überragende U14 noch gezielt verstärkten. Wazinski resümiert: „Das alles ist kein Zauberwerk, sondern Ergebnis konsequenter Sichtungs- und Ausbildungssarbeit.“

Wilfried Wittke

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