Der Trainer lebt Optimismus und positives Denken vor. „Wir wollen Sonntag das Stadion Rote Erde rocken und alles raushauen“, kündigt Sebastian Geppert vor dem Finale um die Deutsche Meisterschaft gegen den 1. FC Köln am Sonntag an (Anstoß 13 Uhr, live auf den BVB-Kanälen BVB-TV, Facebook und Youtube). Sollte es so kommen, würden die Jungs um die Kapitäne Rilind Hetemi und Youssoufa Moukoko ein Stück Fußball-Geschichte schreiben.

Borussia Dortmund wäre dann nicht nur alleiniger Rekordhalter im B-Juniorenbereich (bisher sieben Titel wie der VfB Stuttgart), sondern auch der erste Verein, der seit Einführung der Junioren-Bundesligen eine Doppel-Meisterschaft feiern würde. Die U19 hat mit dem 5:3-Triumph gegen den VfB Stuttgart vor 14 Tagen vorgelegt, jetzt können die B-Junioren aus einer schon herausragenden Saison eine perfekte machen und der Nachwuchsabteilung des Vereins einen sensationellen Erfolg bescheren. Denn auch die U16, U15 und U14 haben ihre Punkterunden mit der Westdeutschen- oder Westfalenmeisterschaft abgeschlossen. Das hat es im deutschen Nachwuchsfußball noch nie gegeben.  

„Ich hoffe, dass uns die große Kulisse beflügeln wird und nicht hemmt“, rätselt Geppert noch über Vor- oder Nachteile des Heim-Finals. Die Sitzplatzkarten auf der Tribüne der „Roten Erde“ sind bereits ausverkauft. Doch Vorsicht ist geboten. „Köln ist schon eine gute Mannschaft mit hoher Qualität im Spiel nach vorn“, warnt Geppert vor allem vor der Offensivstärke der jungen „Geißböcke“. In den Halbfinal-Duellen gegen den von Ex-Nationalspieler Miroslav Klose trainierten FC Bayern München setzten sich die Kölner souverän durch (1:0, 4:0), sie profitierten allerdings auch von zwei Roten Karten, die den Gegner in beiden Spielen frühzeitig dezimiert hatten. 

Drei Torjäger und ein talentierter Spielgestalter

In der Bundesliga, wo der FC am Ende schwächelte und dank der minimal besseren Tordifferenz gegenüber Bayer Leverkusen in die Endrunde einzog, erzielte Köln 81 Treffer, zwölf weniger als der BVB. Während bei Borussia fast die Hälfte der Tore auf das Konto von Youssoufa Moukoko (46) ging,  verteilte sich der Großteil der FC-Treffer auf Jacob Jansen (18), Jan Thielmann (15) und Marvin Obuz (12).  Mit Florian Wirtz verfügt der FC zudem über einen technisch starken und hochtalentierten Spielgestalter.

„Sie waren in der Punkterunde unser mit Abstand schwerster Gegner“, zeigt Geppert großen Respekt vor dem FC, der sich zudem rühmen darf, die einzige Mannschaft zu sein, die Borussias U17 in den letzten 52 Meisterschafts- und  fünf Endrundenspielen bezwingen konnte. Ende April vergangenen Jahres verlor der BVB im Franz-Kremer-Stadion mit 1:2. Allerdings hatten die Schwarzgelben zu dieser Zeit bereits die Westmeisterschaft unter Dach und Fach.

Kölns Trainer Martin Heck stapelt dennoch tief: „Diese Dortmunder Mannschaft hat brutale Qualität. Obwohl wir unglaublich gut gespielt hatten, haben wir gegen sie in der Rückrunde 0:3 verloren. Borussia geht als klarer Favorit in das Finale. Aber auch wir sind schwer auszurechnen und spielen einen technisch guten Fußball mit viel Tempo nach vorn.“ Es ist demnach alles gerichtet für ein großes Fußballfest.

„Die Jungs sollen den Moment genießen“

Das letzte Heim-Finale hat Borussias U17 vor drei Jahren gegen Bayer Leverkusen, damals geführt von einem überragenden Kai Havertz, mit 0:2 verloren. Neben „Chef“ Benjamin Hoffmann saß Sebastian Geppert als Co-Trainer auf der Bank. Düstere Gedanken an eine Wiederholung lässt Geppert erst gar nicht aufkommen. „Das ist für uns kein Thema“, versichert er und schaut lieber voller Zuversicht nach vorn auf den Sonntag: „Die Spieler sollen den Moment genießen und nicht verkrampfen. Die äußeren
Umstände sind allein schon durch das mediale Interesse anders als sonst. Aber wir wollen wieder unser Leistungslimit abrufen, unsere Power und Geschwindigkeit, um die Deutsche Meisterschaft erfolgreich zu verteidigen.“

Gegen den 1. FC Köln steht auch der im Halbfinal-Hinspiel gegen Wolfsburg verletzt ausgeschiedene Lion Semic wieder zur Verfügung. Sebastian Geppert kann demnach seine aktuelle Top-Elf aufbieten. Schiedsrichter ist Patrick Alt. Der 34-Jährige aus Illingen ist seit 2015 in der 2. Bundesliga im Einsatz.

Die voraussichtliche Aufstellung: Klußmann – Semic (Özden), Thaqi, Böhmer, Kuffour – Amedick, Lütke Frie – Knauff, Hetemi, Pakia – Moukoko.

Wilfried Wittke