Das nennt man wohl „Arbeitssieg“: Borussias U17 hatte jede Menge Schweiß vergießen und zwei Mal einen Rückstand wettmachen müssen, um gegen Alemannia Aachen mit 3:2 zu gewinnen. Der BVB verteidigte mit jetzt 30 Punkten die Tabellenführung vor den an diesem Wochenende ebenfalls erfolgreichen 1. FC Köln (29), Bayer Leverkusen (26) und Borussia Mönchengladbach (24.).

Keiner der BVB-Verantwortlichen hatte ins Kalkül gezogen, dass es so mühsam und beschwerlich werden würde gegen den Drittletzten aus der Grenzstadt. Aber die hoch aufgeschossenen Jungs der Alemannia kämpften leidenschaftlich, verteidigten aufopferungsvoll und brachten Borussias Abwehr unter den Augen von BVB-Lizenzspieler-Chef Sebastian Kehl mit ihrem schnörkellosen Spiel häufig in Bedrängnis. Sebastian Geppert stellte mit einer personellen Umstellung in der 55. Minute die Weichen auf Sieg. „So ist Fußball. Mitunter laufen die Dinge nicht so, wie man sie sich vorher vorstellt“, atmete Geppert nach dem Abpfiff tief durch.

Der Reihe nach. Es begann überaus unglücklich für die Schwarzgelben, denn nach einem harmlosen Rückpass von Noah Mrosek produzierte Silas Ostrzinski ein Luftloch, der Ball kullerte erst gegen den Innenpfosten und anschließend über die Torlinie. „Kein Vorwurf an Silas. Das war ein klarer Platzfehler“, nahmen Edwin Boekamp, der Leiter der Nachwuchsabteilung, und Geppert ihren bedauernswerten Torhüter in Schutz. Die Jungs wirkten nach diesem unerwarteten Rückstand wie gelähmt. In der 23. Minute verhinderte Nnamdi Collins mit letztem Einsatz gegen Aachens Stürmer Bangura sogar das 0:2. „In dieser Phase war die Verunsicherung deutlich zu spüren“, bemerkte Sebastian Geppert.

Lütke-Frie legte vor – Bamba traf

Er nutzte nach einer halben Stunde eine Verletzungspause, um seine etwas lethargisch auftretende Mannschaft neu zu strukturieren. Ein wichtiges Zeichen setzte Dennis Lütke-Frie mit einer Ballerobererung im Mittelfeld und einem Pass auf Samuel Bamba. Alemannias Torhüter Nick Breuer hielt da wie auch gegen Lion Semic (32.) noch glänzend, einmal rettete die Latte, doch in der 34. Minute bejubelte der BVB endlich den Ausgleich: Ausgangspunkt war erneut Kapitän Lütke-Frie, der Bamba in Szene setzte, und gegen dessen Schuss gab es nichts zu halten. „Das war noch eine gute Antwort“, freute sich Sebastian Geppert. Auf der anderen Seite stand Ostrzinski noch einmal im Blickpunkt. Er verhinderte mit einer Ganzparade gegen Bangura das 1:2 (38.).

Die Schwarzgelben dominierten die Anfangsphase der zweiten Halbzeit, aber der Treffer zum 2:1 wollte nicht fallen. Dominick Wasilewski, diesmal von Beginn an im Team, scheiterte nach einer feinen Einzelleistung an Nick Breuer (52.), Urrigshardt schlug den Ball von der Torlinie (60.), und in der 63. Minute stellte Alperen Colak das Spielgeschehen auf den Kopf, als er Ostrzinski mit einem Aufsetzer aus der Distanz zum 1:2 überraschte.

Sogar ein Hattrick war möglich

Sebastian Geppert hatte zuvor schon reagiert und rotiert: Lion Semic, der auf der rechten offensiven Außenbahn begann, rückte statt Levin Müller in die Viererkette, Bekir El-Zein besetzte die linke Offensiv-Position im Mittelfeld, Samuel Bamba wechselte auf die rechte Seite, und Vasco Walz ersetzte Faroukou Cisse im Mittelfeld. Der Erfolg stellte sich schnell ein: Bekir El-Zein gelang in der 65. und 67. Minute ein Doppelpack, Breuer verhinderte wenig später einen Hattrick des eingewechselten Angreifers. „Es spricht für die Qualität des Kaders, dass wir einen Spieler wie Bekir El-Zein von der Bank bringen können“, so Geppert.

Den knappen Vorsprung ließen sich die Schwarzgelben nicht mehr aus der Hand nehmen. „Die Art und Weise, wie wir gespielt haben, hat mir nicht gefallen. Aber man muss anerkennen, dass die Jungs alles rausgehauen haben“, resümierte Sebastian Geppert und verwies darauf, „dass sich die Mannschaft immer noch in einem Entwicklungsprozess befindet.“

Der BVB feierte den neunten Sieg im zwölften Spiel. Zum Abschluss der Hinrunde gastiert die Mannschaft am kommenden Samstag bei Fortuna Düsseldorf und hat damit alle Chancen, als Herbstmeister in die dann folgende Länderspielpause zu gehen.

BVB: Ostrzinski – Müller (55. El-Zein), Collins, Kleine-Bekel, Mrosek – Cisse (55. Walz), Gürpüz (79. Tahiri) – Semic, Lütke-Frie, Bamba.

Wilfried Wittke