Dieses Endrunden-Tableau soll nicht zur Gewohnheit werden: Als die Halbfinalspiele zur Deutschen B-Junioren Meisterschaft 2022 angepfiffen wurden, fehlte erstmals seit 2014 der Name „Borussia Dortmund“. „Das hatten wir vor Saisonbeginn ins Kalkül gezogen, das soll sich aber in der kommenden Spielzeit nach Möglichkeit nicht wiederholen“, versichert Lars Ricken, der Direktor des Nachwuchs-Leistungszentrums.

Man hatte sich die Entscheidung nach der langen Corona-Pause nicht leicht gemacht, aber am Ende vieler Diskussionen auch mit den Trainern den Beschluss gefasst, die begabtesten Spieler des Jahrgangs 2006 eine Mannschaft überspringen zu lassen und mit ihnen das Gerüst der U17 für die Saison 2021/22 zu bilden. „Auch im Sinne ihrer individuellen Entwicklung, um sie auf hohem Niveau in der Bundesliga und eben nicht in der U17 Westfalenliga zu fordern und zu fördern“, wie Lars Ricken erläutert. Dafür nahmen sie in Kauf, einmal nicht in die Endrunde zur Deutschen Meisterschaft einzuziehen.

Dass sich Verantwortliche und Trainer mit diesem Konzept der Ausbildung auf dem richtigen Weg befinden, diese Einschätzung bestätigt ihnen – fernab der reinen Spielergebnisse – die sportliche Leitung des Deutschen Fußball-Bundes. Wenn die Nationalmannschaft U16 in diesen Tagen in Clairefontaine zwei Länderspiele gegen Frankreich bestreitet, gehören wieder sechs Dortmunder Jungs zum Stammpersonal von DFB-Trainer Christian Wück: Almugera Kabar, Yannick Bruno Numbisie, Gökdeniz Gürpüz, Charles Herrmann, Paris Brunner und Luke Rahmann. Alle Borussen standen beim 1-0-Erfolg im ersten Spiel in der Startformation. Zum Kader zählen auch Offensivspieler Raul König und Mittelfeldmann Kjell Wätjen.

Nico Adamczyk, der wegen einer hartnäckigen Erkrankung über Wochen ausgefallen ist, hat einen festen Platz im Aufgebot der polnischen Junioren-Nationalmannschaft. Für die deutsche U15-Auswahl, die in dieser Woche in Garrel Länderspiele gegen die Niederlande austrägt, hat Trainer Michael Prus neben U15-Spieler Tyler Meiser Abwehrspezialist Elias Benkara nominiert, der gerade erst 15 geworden ist und bereits im vergangenen Herbst von Borussias U15 in die U17 befördert worden ist. Der BVB stellte in der B-Junioren Bundesliga West das mit Abstand jüngste Team. „Wir hatten häufig zehn U16-Spieler auf dem Platz“, betont Lars Ricken. Er moniert allerdings auch „unnötige Punktverluste“. Vor allem in der Schlussphase der Saison, als sie die Qualifikation zur Endrunde mit dürftigen Leistungen und Ergebnissen (jeweils 0:0 gegen die Absteiger Wuppertaler SV und SG Unterrath) verspielten. Danach ist es in der Kabine auch etwas lauter geworden.

Knackpunkt war vermutlich die unglückliche 0:2-Derby-Niederlage beim FC Schalke 04, als sie sich für einen starken Auftritt in der ersten Halbzeit nicht belohnten und am Ende mit leeren Händen dastanden. Schalke hat sich mittlerweile für das Finale zur Deutschen B-Junioren-Meisterschaft qualifiziert. Zudem fiel der monatelange Ausfall von U17-Nationalspieler Jaden Korzynietz deutlich stärker ins Gewicht als erhofft. Dazu kamen längere Verletzungspausen von Almugera Kabar oder eben Nico Adamczyk.

Mit Rafael Lubach zur EM nach Israel

Ein Happy End gibt es letztlich noch für Rafael Lubach. DFB-U17-Trainer Marc Meister nominierte den Mittelfeldspieler, der zuletzt beim 1:0-Erfolg der U19 des BVB gegen RW Essen sein Debüt in der A-Junioren Bundesliga gab, für die Europameisterschafts-Endrunde vom 16. Mai bis 2. Juni in Israel. Die Nationalmannschaft trifft in der Gruppenphase auf Italien, Luxemburg und Israel.

„Unsere jungen Spieler werden langfristig von diesem Jahr profitieren“, versichert Lars Ricken und macht deutlich: „Wir streben weiter den maximalen sportlichen Erfolg an.“ Dass er sich mit dieser Mannschaft einstellen wird, davon ist auch Trainer Sebastian Geppert überzeugt. „Der Kader ist überaus talentiert und steckt voller Entwicklungs-Potenzial. Die Jungs haben reichlich Lehrgeld gezahlt. Sie werden aus der abgelaufenen Saison aber sehr viel mitnehmen und im nächsten Jahr auch körperlich auf einem deutlich besseren Stand sein,“ betont der Fußball-Lehrer

Wenn sie von den diversen Nationalmannschaften zurück sind, wird Sebastian Geppert noch im Mai die Vorbereitung auf die Saison 2022/23 einläuten. Dazu hat der BVB Testspiele gegen den FC Twente Enschede sowie TSG Hoffenheim abgeschlossen. Und nach den Ferien stellen sie alles auf null, um in der kommenden Spielzeit richtig durchzustarten mit dem großen Ziel, sich für die Endrunde zur Deutschen Meisterschaft 2023 zu qualifizieren.

Wilfried Wittke