Normalerweise würden sich Mike Tullberg und seine Jungs jetzt auf die fünf Schlussrunden in der Bundesliga West und wohl auch auf die Spiele um die Deutsche Meisterschaft vorbereiten. Doch normal ist in den Wochen und Monaten der Pandemie nichts. Der Spielbetrieb ruht seit Oktober. Ob er wieder aufgenommen und die Saison 2020/21 - in welcher Form auch immer - fortgesetzt wird, steht in den Sternen.

Gerade abgesagt worden ist von der Europäischen Fußball-Union (UEFA) der komplette Wettbewerb in der Youth League. Der BVB sollte in der ersten K.o.-Runde am 2. März bei Juventus Turin gastieren. Die Gesundheit und Sicherheit der Nachwuchsspieler genieße in der aktuellen Pandemie-Situation „höchste Priorität“, heißt es in der Begründung des Verbandes. „Wir haben die Spieler frühzeitig darauf vorbereitet, dass es eine verrückte Saison ist. Deshalb hat uns die Entscheidung nicht überrascht“, erklärte Mike Tullberg.

Immerhin dürfen die als „Leistungssportler“ deklarierten U19-Spieler trainieren, im Gegensatz zu ihren Kollegen in unteren Ligen und den Amateuren im Seniorenbereich. „Dieses Privileg wissen wir zu schätzen. Man darf nicht alles negativ sehen“, versichert Mike Tullberg und ergänzt: „Vielleicht haben wir das Glück, dass die Meisterschaft irgendwann fortgesetzt wird.“

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Dabei hatte alles so gut ausgesehen bis zum Ausbruch der zweiten Corona-Welle. Im letzten Bundesligaspiel am 10. Oktober hatten die „Dortmunder Jungs“ einen 6:0-Sieg gegen RW Essen gefeiert. Sie führ(t)en die Tabelle mit 12 Punkten und 16:2 Toren an, im DFB-Pokal gelang der Sprung ins Achtelfinale, Borussia Mönchengladbach war als Gegner in dieser im Dezember 2020 geplanten Runde ausgelost worden, und Youssoufa Moukoko hatte sich mit zehn Treffern an die Spitze der Torjägerliste gesetzt. „Wir befanden uns aueinem guten Weg, hatten viele Spieler, die gerade aus der U17 gekommen sind, in der U19 integriert und spielten mit dem jüngsten Kader aller Bundesligisten“, blickt Mike Tullberg höchst zufrieden auf die erste Saisonphase zurück.

Das jüngste Bundesliga-Team

Tatsächlich standen nicht nur beim mit 3:2 gewonnenen Derby beim FC Schalke 04 mit Maik Amedick, Albin Thaqi und Llyod Kuffour nur drei Feldpieler in der Startformation, die im Sommer in den Seniorenbereich wechseln. Neben Lion Semic, Dennis Lütke-Frie, Göktan Gürpüz und Bekir El-Zein aus dem „Jung-Jahrgang“ spielten mit Nnamdi Collins sowie Samuel Bamba (beide heute 17) zwei damals noch 16-Jährige von Beginn an. Ein jüngeres Team hatte der BVB in der Bundesliga noch nicht aufgeboten.

Dem hohen Erfolg gegen Essen folgten die Saison-Unterbrechung und spielfreie Monate „Wir haben Umfänge und Intensität im Training erhöht, die Jungs sind weiterhin fleißig und voller Freude bei der Sache“, berichtet Tullberg, der an den gewohnten Trainingsinhalten wenig änderte, aber auch den Spaß nicht zu kurz kommen ließ. Dazu hat er die Zeit genutzt, um den in der Sommer-Transferperiode von Manchester City gekommenen Jamie Bynoe-Gittens und den lange wegen diverser Knie-Operationen ausgefallenen Kamal Bafounta auf einen ordentlichen Fitness-Stand zu bringen.

Bafounta und Bynoe-Gittens sind bereit

Angreifer Bynoe Gittens (16) gilt als Ausnahme-Talent, und Tullberg bestätigt: „Man erkennt, welche Waffen er hat.“ Der begabte Angreifer, gerade einmal 16 Jahre alt, hatte nach seiner Ankunft in Dortmund einen fünfmonatigen Trainingsrückstand aufholen müssen. Auch Kamals Bafounta, der im Februar 2019 zum ersten Male am Knie operiert worden war, danach einige Rückschläge verarbeiten musste, und im Oktober 2020 ins Mannschaftstraining zurückkehrte, tastete sich in dieser trainingsintensiven Zeit an früheres Leistungsvermögen heran. „Wir freuen uns, dass er wieder da und bereit ist. Aber ihm fehlt natürlich Spielpraxis“, so Mike Tullberg, der seinen Vertrag als Cheftrainer der U19 bis 2024 verlängert hat. Sein Bestreben ist es, „möglichst viele Talente auszubilden, sie fußballerisch wie menschlich weiterzuentwickeln und im besten Fall in den Profi-Kader zu begleiten“.

In der Corona-Krise indes bleibt ihm nichts anderes, als seine Jungs im Training zu beschäftigen und bei Laune zu halten. Das gelingt ihm bisher bemerkenswert gut.

Wilfried Wittke