Jungs, das war spitze: In der Pause, als der VfB Stuttgart mit 3:1 führte, hätte niemand mehr einen Cent auf einen Dortmunder Sieg gesetzt, doch mit einer riesigen Energie-Leistung drehte der BVB das Spiel und gewann das Finale um die Deutsche Meisterschaft in Großaspach gegen den VfB Stuttgart mit 5:3. Es war ein Triumph der Borussen-Mentalität. „Wir waren in der Pause mausetot, aber dann haben wir wieder den Punch bewiesen, der uns auszeichnet“, strahlte der überglückliche Benjamin Hoffmann.

Er hatte in seinem letzten Spiel als Trainer der U19 alles richtig gemacht und perfekte personelle Entscheidungen getroffen: Immanuel Pherai, in den letzten Wochen nur zweite Wahl, rückte ins offensive Mittelfeld und bedankte sich für das Vertrauen mit einer starken Leistung. Pherai bereitete den Ausgleich vor, provozierte den Platzverweis des Stuttgarters Luca Mack (53. Minute) und verkürzte kurze Zeit später auf 2:3. Hoffmann hatte dazu in der Pause Paul Besong eingewechselt. Der robuste Stürmer traf zum 3:3-Ausgleich per Kopf und mit einem strammen 20-Meter-Schuss zum 4:3. Enrique Pena Zauner setzte in der Nachspielzeit den Schlusspunkt.

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Vor dem Anpfiff hatte Hoffmann hatte seinen Jungs empfohlen, „dieses Finale zu genießen“. Doch Endspiel-Freude währte nicht mal 60 Sekunden. Der erste Stuttgarter Angriff endete mit einer Ecke, Per Lockl schlug den Ball in den Fünfmeter-Raum, und Ramzi Ferjani fälschte ihn unglücklich ab. Dieses frühe 0:1 spielte dem VfB natürlich voll in die Karten. Die Schwaben fanden wahnsinnig viel Spaß daran, ihr schnelles Umschaltspiel zu demonstrieren, sie nutzten jeden Ballverlust der Borussia zu einer rasanten Attacke.

Zwei Eigentore zum 0:1 und 1:1

Dabei spielte der BVB in der Offensive gar nicht mal schlecht. Nach neun Minuten erhielt die Hoffnung auf den achten Meistertitel neue Nahrung. Immanuel Pherai, der für Yassin Ibrahim in die Start-Formation gerutscht war, schloss ein Solo mit einer scharfen Hereingabe ab, die Luca Mack und Alexander Kopf in Gemeinschaftsarbeit in die Maschen bugsierten. Aber Stuttgart zwang den Gegner im Mittelfeld immer wieder zu Fehlern. So auch vor dem 2:1 in der 15. Minute, als Bätzner den Ball genau in den Lauf von Leon Dajaku passte. Der Torjäger ließ Emre Terzi stehen und Luc Hawryluk keine Chance.

Die Borussen wehrten sich, deckten auch Schwachstellen in der VfB-Abwehr auf, aber im Endeffekt fehlte in dieser Phase das Quäntchen Glück im Abschluss. Pherais Schuss kratzte ein Stuttgarter von der Linie (23.), beim Kopfball von Niclas Knoop nach Freistoß von Enrique Pena Zauner reagierte Sebastian Hornung prächtig (24.), und er ließ sich auch von Pena Zauners 16-Meter-Schuss nicht überraschen (44.)

Dortmunder Defizite wurden immer wieder im Abwehrverhalten und Defensivbereich deutlich. Die flinken Stuttgarter Angreifer stellten die Innenverteidigung vor große Probleme, auch das zentrale BVB-Mittelfeld mit Patrick Osterhage und Tobias Raschl – eigentlich Borussias Prunkstück – hatte in der ersten Halbzeit die Reihen nicht ordnen können und produzierte manche Pass-Ungenauigkeit. So führte ein langer Ball zur 3:1-Führung der Gastgeber. Ramzi Ferjani, in den Halbfinalspielen gegen Schalke noch überragend, schoss den nächsten Bock und ermöglichte Lilian Egloff den Treffer zum 3:1 (26.). Hawryluk verhinderte kurz vor dem Pausenpfiff noch Schlimmeres.

Immanuel Pherai wie vor einem Jahr

Ein ganz anderes Bild bot sich den gut 8 000 Zuschauern nach dem Wechsel. „Stuttgart hat völlig verdient geführt. In der Pause habe ich den Jungs gesagt: Wir haben nichts mehr zu verlieren.“, berichtete der überglückliche Benjamin Hoffmann später. Und in der Tat drehte sich das Spiel – begünstigt sicherlich auch durch den Platzverweis gegen den Stuttgarter Luca Mack, der in der 53. Minute nach einer Notbremse gegen Pherai die Rote Karte sah.

Pherai, beim 3:2-Sieg im U17-Finale vor einem Jahr gegen den FC Bayern München Doppel-Torschütze, verkürzte in der 57. Minute nach einer feinen Einzelleistung auf 2:3. Paul Besong, zur zweiten Halbzeit für Emre Aydinel ins Spiel gekommen, schnürte in der packenden Partie einen Doppelpack und ließ den BVB in der 77. und 80. Minute jubeln. Zunächst traf er per Kopf nach Ecke von Pena Zauner, dann überlistete er den guten Hornung im VfB-Tor mit einem strammen Schuss aus 20 Metern.

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Die Stuttgarter versuchten noch einmal alles, um sich zumindest in die Verlängerung zu retten. Ein Freistoß von Bätzner sorgte für akute Ausgleichsgefahr (83.), aber in der Nachspielzeit machte Enrique Pena Zauner alles klar für den BVB. Nachdem er zunächst den Pfosten getroffen hatte, setzte er den Ball nach Pherais Vorarbeit zum 5:3 in die Maschen.

Danach brachen alle Dämme. „Jetzt wird gefeiert bis zum Abwinken“, kündigte Benjamin Hoffmann eine feucht-fröhliche Rückreise an. Die hatten sich alle redlich verdient.

Glückwunsch, Jungs!

BVB: Hawryluk- Terzi (62. Khadra), Ferjani, Knoop (46. Schell); Mißner, – Osterhage, Raschl – Pena Zanuer, Pherai, Kehr – Aydinel (46. Besong)

Wilfried Wittke