Umschaltspiel wie aus dem Lehrbuch und eine kompakte Defensivleistung: Borussias U19 demonstrierte in der Großbaustelle auf dem „Schalker Feld“ exzellenten Junioren-Fußball und feierte einen überragenden 4:1-Derbysieg. Der Bundesliga-Tabellenführer verpasste am Ende sogar einen noch deutlich höheren Erfolg gegen nach einer ordentlichen Anfangsphase klar unterlegene Gastgeber.

Benjamin Hoffmann hatte zum dritten Male in Folge die identische Anfangs-Elf aufbieten können, wurde allerdings nach einer halben Stunde zu den ersten Wechseln gezwungen: Alaa Bakir ersetzte den deutlich zu passiven Robin Kehr im Angriff, Mert Göckhan den bis dahin überaus aufmerksamen Tobias Mißner in der linken defensiven Außenposition. Mißner musste mit Verdacht auf Handgelenkbruch ausscheiden. Der Trainer bewies indes ein „goldenes Händchen“. Denn Bakir leitete mit einem gewonnenen Kopfballduell die 1:0-Führung ein. Nach Doppelpass mit dem ungemein spielfreudigen Yassin Ibrahim ließ Emre Aydinel Schalkes Torhüter Yannic Lenze keine Abwehrchance (32.).

Danach spielten sich die Borussen in einen Rausch, sie ließen den Ball sehenswert zirkulieren und führten den überforderten Gegner mit Hochgeschwindigkeitsfußball über die schnellen Reda Khadra, Yassin Ibrahim, Emre Aydinel und Alaa Bakir nach allen Regeln der Fußballkunst vor. Die 38. Minute: Bakir setzte Aydinel mustergültig in Szene, und wieder gab es für Lenze nichts zu halten – 0:2. 180 Sekunden später: Yassin Ibrahim ließ seine Gegenspieler wie Slalomstangen stehen, ein Pass zum besser postierten Aydinel, und der machte mit Treffer Nummer drei seinen Hattrick perfekt. „Unser Umschaltspiel ist extrem. Das kannst du nicht verteidigen“, strahlte Benjamin Hoffmann.

Unbehaun bis zur Pause fast arbeitslos

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Mit einem 3:0 zur Pause hatten die größte Optimisten im schwarzgelben Lager nicht zu rechnen gewagt. Doch die Mannschaft verdiente sich diese klare Führung mit einer außerordentlich starken Defensiv-Leistung. Denn im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, als es in Gelsenkirchen wenig bis gar nichts zu holen gab, hatten die Jungs das Derby auch mental von der ersten Minute an voll angenommen, Schalkes anfängliche Aggressivität und Pressing mit Leidenschaft wie großer Laufbereitschaft beantwortet und immer wieder versucht, ihre technische und individuelle Überlegenheit zur Geltung zu bringen. Luca Unbehaun brauchte bis zur Pause kaum einmal einzugreifen, die Viererkette nahm dem Torhüter in Verbund mit dem allgegenwärtigen Tobias Raschl und den anderen die Arbeit meist schon vor dem eigenen Strafraum ab. „Wir verteidigen als Team und greifen als Team an“, beschrieb Hoffmann treffend die Qualität dieser auch mannschaftlich außerordentlich starken U19, die sich glänzend auf die Strategie der Gegner einzustellen versteht und zum richtigen Zeitpunkt ihre eigenen Qualitäten in die Waagschale wirft.

Elgert: „Tut hammermäßig weh“

Schalkes Trainer Norbert Elgert („So etwas kenne ich nicht. Das tut hammermäßig weh“) reagierte auf Dortmunds Dominanz mit drei personellen Wechseln zur zweiten Halbzeit. Doch am Bild änderte sich wenig. Borussia hielt die Fäden fest in der Hand. Yannic Lenze verhinderte in der 55. Minute gegen Bakir Gegentreffer Nummer vier, aber kurze Zeit später holte Alaa Bakir per Kopf nach Emre Aydinels Freistoß das vorher Versäumte nach und schraubte das Ergebnis auf 4:0. Die Gastgeber indes bewiesen Moral und steckten nicht auf. Nachdem Tobias Raschl mit einem abgefälschten Distanzschuss an Lenze gescheitert war, nutzte Umut Yildiz eine der wenigen Schalker Chancen zum Anschlusstreffer.

„Das hätten wir besser machen können“, rügte Hoffmann die Stellungsfehler von Unbehaun und vorher Marius von Cysewski. Aber der BVB erarbeitete sich sofort die Spielkontrolle zurück. Immanuel Pherai (74.) und Malte Wengerowski scheiterten an Schalkes Bestem, Torhüter Lenze, und Enrique Pena Zauner zirkelte den Ball nach Julius Schells Vorstoß fast über das gesamte Feld knapp am rechten Pfosten vorbei.

Samstag im DFB-Pokal nach Berlin

Benjamin Hoffmann belohnt seine Jungs für den perfekten Saisonstart mit vier Siegen in vier Spielen mit zwei freien Tagen. Am kommenden Samstag bestreitet die U19 ihr erstes DFB-Pokalspiel bei Tennis Borussia Berlin. Die Bundesliga, die der BVB nun gemeinsam mit den ebenfalls noch verlustpunktfreien 1. FC Köln und VfL Bochum anführt, macht nun Pause bis zum 15. September (Samstag), Dann erwarten die Borussen RW Oberhausen im NLZ Brackel.

BVB: Unbehaun -von Cysewski, Ferjani, Schell, Mißner (30. Göckan) – Raschl – Khadra, Ibrahim, Pherai (84. Pena Zauner), Kehr (30. Bakir) – Aydinel (71. Wengerowski)

Wilfried Wittke