Es gibt bestimmt günstigere Zeitpunkte als diesen Sonntag, um beim SC Paderborn zu bestehen. Denn der aktuelle Tabellenvorletzte der Bundesliga West hat sich am Wochenanfang von seinem erst zu Beginn der Saison verpflichteten Trainer Daniel Lingfeld getrennt und Ayhan Tumani, den bisherigen sportlichen Leiter im Leistungszentrum, als dessen Nachfolger eingesetzt.

„Der wird die Jungs so heiß machen, dass sie jeden Grashalm umpflügen“, vermutet Benjamin Hoffmann. Doch genau diese Einstellung erwartet er auch von seiner Mannschaft: „Davon dürfen wir uns nicht beeinflussen lassen. Wir müssen das Spiel dominant gestalten und von der ersten Minute an deutlich machen, dass wir bereit sind, drei Punkte zu holen, um unserem Anspruch gerecht zu werden.“

Die Paderborner Verantwortlichen verloren nach dem 0:5 in Mönchengladbach die Geduld mit ihrem Trainer, nachdem das Team vorher gar nicht mal schlecht gespielt, aber höchst unglücklich verloren hatte. Wie beim 3:4 gegen Bochum oder dem 0:2 gegen den 1. FC Köln. Deshalb warnt Hoffmann davor, den SCP auf die leichte Schulter zu nehmen: „Die Tabelle spiegelt nicht wider, was die Mannschaft zu leisten vermag.“ Borussia ließ in der vergangenen Saison beim 2:2 zwei Punkte in Paderborn, auch das sollten seine Jungs im Hinterkopf haben und sich wachsam wie konzentriert der nächsten Herausforderung stellen.

Tobias Mißner drei Spiele gesperrt

Nach den fünf Auftaktsiegen hat Benjamin Hoffmann eine „neue Phase“ eingeläutet: „Wir müssen jetzt den nächsten Schritt gehen. Die Gegner haben unsere Spielweise entschlüsselt und machen das Zentrum dicht. Es gilt jetzt, neue Lösungen zu finden.“ Außerdem hat er gerade bei den Spielern des Jungjahrgangs erste Ermüdungserscheinungen festgestellt, weil sie eine relativ kurze Vorbereitung hatten und in jetzt schon zwei „Englischen Wochen“ kaum Zeit zur Regeneration gefunden haben. Immanuel Pherai war dazu noch in zwei Länderspielen für die Niederlande im Einsatz.

Allerdings halten sich personelle Alternativen in Grenzen, weil Patrick Osterhage, Felix Schlüsselburg, Paul Besong und Niclas Knoop weiterhin ausfallen. Hoffmann muss nun auch auf Linksverteidiger Tobias Mißner verzichten, der nach seiner Roten Karte im Duell mit RW Oberhausen „wegen Tätlichkeit nach Provokation“ für drei Spiele gesperrt worden ist. Mert Göckan soll ihn ersetzen. Samuel Örs, der nach seinem Platzverweis in der vergangenen Saison bisher die „Strafbank“ drücken musste, steht wieder zur Verfügung. Ein Fragezeichen setzt Benjamin Hoffmann noch hinter dem Einsatz von Alaa Bakir, der sich an der Schulter verletzt hat.

Matthews wartet auf Spielberechtigung

Borussia wartet nun auf die Spielberechtigung für Tashreeq Matthews. Der Südafrikaner, gerade 18 Jahre alt geworden, ist wieder im Training. Die Behörden sind jetzt am Zug, um seine Arbeitserlaubnis von drei Monaten auf ein Jahr zu verlängern. Danach würde auch der DFB sofort grünes Licht erteilen. Der schmächtige Offensivspieler imponierte in der Vorbereitung mit Schnelligkeit, technischen Qualitäten und Abschluss-Stärke. Er wäre sofort willkommen und sicherlich eine Kader-Verstärkung.

Aber zunächst gilt es, die hohe Hürde Paderborn zu nehmen, um dann am Samstag, 30. September (11 Uhr), als Tabellenführer den VfL Bochum im Top-Spiel des kommenden Wochenendes zu empfangen.

Wilfried Wittke