Den VfL Bochum auf Distanz gehalten, aber die Tabellenführung verloren: „Nicht Fisch, nicht Fleisch“, nannte Benjamin Hoffmann das 1:1 im kleinen Derby im Nachwuchs-Leistungszentrum an der Hiltroper Straße. Der 1. FC Köln (5:0 gegen RW Essen) grüßt nun mit 45 Punkten von der Spitze, Zweiter ist der BVB (44), den nur noch ein Punkt vom FC Schalke 04 (1:0 gegen Fortuna Düsseldorf) trennt. Und Borussia hat im Vergleich zum FC und den Gelsenkirchenern das deutlich schwerere Restprogramm.

Der BVB setzte wenig von dem um, was die Jungs in der Trainingswoche geübt und sich vorgenommen hatten. Die widrigen äußeren Bedingungen trugen dazu ebenso bei wie die Mannschaft selbst, die sich viele Ballverluste und Passfehler leistete. Hoffmann wechselte bereits nach 37 Minuten Yassin Ibrahim aus, „aber“, so der Trainer später, „es hätte auch andere treffen können.“ Reda Khadra machte es nicht viel besser als sein Vorgänger, und so blieben die meisten Offensiv-Aktionen Stückwerk.

Die Bochumer taten sich ähnlich schwer, ins Spiel zu finden. Chancen hüben wie drüben resultierten bis zum Pausenpfiff in der Regel aus Standardsituationen. Bemerkenswert war eigentlich nur das Foul von Bochums Torschützenkönig Ömer Uzun gegen Julius Schell, für das er auch eine Rote Karte hätte sehen können.

BVB-Führung hielt nur drei Minuten

Nach dem Wechsel fast das gleiche Bild. Beide Teams beharkten sich intensiv, es fehlte die große spielerische Linie, allerdings auch bedingt durch das tiefe Geläuf im VfL-Nachwuchszentrum und den unberechenbaren Wind. Mal blies er stürmisch, mal kam er als laues Lüftchen daher. Immerhin fielen noch zwei Tore. Emre Aydinel gelang in der 52. Minute mit einem platzierten Volleyschuss die 1:0-Führung für die Borussen, doch die Bochumer konterten drei Minuten später mit einem Treffer, der bezeichnend war für das Derby: Darius Stawski schlug eine Flanke scharf in Richtung BVB-Tor, und Julius Schell verlängerte den Ball unglücklich an Luca Unbehaun vorbei ins eigene Tor.

Der BVB hat damit seine komfortable Führung endgültig verspielt. In der Hinrunde feierte das Team in den ersten sieben Spielen sieben Siege, in der Rückrunde sammelte Borussia gerade einmal elf Punkte - deutlich zu wenig für die eigenen Ansprüche. Am kommenden Samstag muss sich die Mannschaft gewaltig steigern, um über RB Leipzig ins Finale um den DFB-Vereinspokal einzuziehen. Nach der dann folgenden 14-tägigen Meisterschaftspause erwartet der BVB am Sonntag, 31. März, den SV Rödinghausen im NLZ Brackel. Eine Woche später geht es zum Top-Spiel nach Köln. Gegen den FC hatte es im Herbst die erste Saison-Niederlage gesetzt (0:1).

BVB: Unbehaun – Terzi, Ferjani, Schell (82. Knoop), Mißner – Osterhage, Pherai (64. Schlüsselburg) – Pena Zauner, Bakir, Ibrahim (37. Khadra) – Aydinel (73. Kehr).

Wilfried Wittke