Allmählich ist eine „Jetzt-erst-recht-Stimmung“ zu spüren. Sie verdrängte den Frust über die nach der „gefühlten Niederlage gegen den MSV Duisburg“ (Benjamin Hoffmann) verpasste und dem FC Schalke 04 „geschenkte West-Meisterschaft“. Dazu macht sich auch Stolz breit, dass sie wieder einmal zu den vier stärksten deutschen U19-Mannschaften gehören. Zum vierten Male in Folge und zum dritten Male unter der Regie von Benjamin Hoffmann steht der BVB in der Endrunde zur Deutschen Meisterschaft – und zum ersten Male in der Historie dieses Wettbewerbs trifft er in zwei Halbfinalspielen auf den FC Schalke 04.  

Im Niederrheinstadion Oberhausen wollen sich die Jungs um Kapitän Tobias Raschl am Mittwoch (15. Mai, Anstoß 18.15 Uhr, live bei Sport1) eine gute Ausgangsposition erarbeiten, um dann am Montag (20. Mai) im Stadion Rote Erde (Anstoß 19 Uhr) ins Finale einzuziehen, das am Sonntag, 2. Juni, beim Sieger der Partie VfL Wolfsburg gegen VfB Stuttgart ausgetragen wird. Benjamim Hoffmann („Es gilt, diese Saison zu versüßen“) empfindet es als „kleinen Vorteil“, das Hinspiel nicht in Gelsenkirchen-Ückendorf, sondern in Oberhausen bestreiten zu müssen.

Schalke, so Hoffmann, sei allerdings im Vergleich zum 1. FC Köln, der im Dreikampf um die Spitzenplätze in der Bundesliga am finalen Spieltag auf der Strecke geblieben ist, die „unangenehmere Mannschaft, weil sie als Kollektiv auftritt und dazu noch über den alle überragenden Einzelspieler verfügt“. Nämlich den bereits in der Bundesliga und der Champions League mit großem Erfolg eingesetzten Angreifer Ahmed Kutucu, der die Saison mit 15 Treffern abgeschlossen hat, obwohl er einen Großteil der Rückrunde bei den Profis verbrachte.

Aktuelle Form spricht für den Gegner

image

Schalke grüßte am ersten und letzten Bundesliga-Spieltag von der Tabellenspitze, die an 24 Saisonwochen vom BVB und dem 1. FC Köln besetzt war. Das Momentum spricht für die Gelsenkirchener, die die Rückrunde mit 27 Punkten und Rang eins abgeschlossen haben. Borussia belegte mit fünf Zählern Rückstand punktgleich mit Leverkusen und Düsseldorf den vierten Platz. Schalke machte zudem seit dem neunten Spieltag sieben Punkte Rückstand auf den BVB wett. Kein Wunder, dass S04-Trainer Norbert Elgert voller Stolz sagt: „Nach dieser Saison Westdeutscher Meister zu werden, ist unfassbar. Darauf war ich nicht eingestellt. Wir sind jetzt aber zum richtigen Zeitpunkt in der Lage, ein Halbfinale zu spielen. Dortmund hat allerdings eine unglaublich starke Mannschaft.“

Benjamin Hoffmann spricht mit großem Respekt über den Rivalen („Da kommt ein richtiges Kaliber auf uns zu"), er versichert aber auch: "Wir brauchen uns nicht zu verstecken und können diesen Gegner schlagen.“ Wie in der Hinrunde, als sie in Gelsenkirchen 4:1 triumphiert hatten. In Brackel gingen die Borussen zwar als Verlierer (0:1) vom Platz, sie waren indes über die gesamte Distanz die aktivere und bessere Mannschaft. Außerdem sieht Hoffmann gute Möglichkeiten, Schalke auch im taktischen Bereich zu überraschen. Er verrät nur so viel: „Wir müssen sie aus ihrer Komfortzone bringen.“

Schell und Osterhage fallen aus

Personell wird er die Start-Formation gegenüber dem Duisburg-Spiel vermutlich leicht verändern. Julius Schell fällt wegen einer starken Prellung im Mittelfuß ebenso aus wie Patrick Osterhage (Hüftbeschwerden). Niclas Knoop und Immanuel Pherai sind Kandidaten für die erste Elf, möglicherweise kehrt auch Emre Aydinel, zuletzt nur zweite Wahl hinter Paul Besong, zurück.

Entscheidender als die Aufstellung wird die Einstellung sein. Schließlich ist Halbfinale und zugleich „Derby-Zeit“. Da sind Herz und Leidenschaft gefragt. Die Spieler übernachten in einem Dortmunder Hotel und fahren nach dem Anschwitzen in Brackel mit dem Bus in Richtung Oberhausen, um dann mit einem Ergebnis zurückzukehren, das ihnen am Montag noch alle Möglichkeiten eröffnet, vor heimischem Publikum das Finale zu erreichen. 

Wilfried Wittke