Den Sieg verpasst, aber eine gute Ausgangsposition erarbeitet: Borussias U19 musste im ersten Halbfinalspiel gegen Schalke 04 vor 5 300 Zuschauern in Oberhausen in der Nachspielzeit den 2:2-Ausgleich hinnehmen, hat nun allerdings alle Möglichkeiten, am Montag im Stadion Rote Erde mit einem Sieg über den Revier-Nachbarn ins Endspiel um die Deutsche Meisterschaft einzuziehen.

Der BVB war im Niederrheinstadion die bessere und aktivere Mannschaft. Das Team spielte in der Defensive bis zur 91. Minute überaus konzentriert. Dann bestrafte Schalkes Biskup eine der wenigen Nachlässigkeiten. Die Schwarzgelben waren durch Tobias Raschl und Emre Aydinel zweimal in Führung gegangen, Reda Khadra hatte zudem in der 80. Minute den Pfosten getroffen. "Dickes Kompliment an die Jungs. Sie haben das phasenweise sehr gut gemacht und Schalke nicht ins Spiel kommen lassen. Jetzt haben wir alle Vorteile in der Hand", resümierte Benjamin Hoffmann.

Taktisch bestens eingestellt, selbstbewusst und mutig ging der Westzweite die Partie in Oberhausen an. Patrick Osterhage kehrte nach überstandener Hüftverletzung in die Start-Elf zurück, ebenso Emre Aydinel, der zuletzt zweite Wahl hinter Paul Besong war. Borussias erfolgreichstem Liga-Torschützen bot sich in der 17. Minute die Riesen-Chance zum 1:0, als er den Ball aus kürzester Entfernung über die Latte drosch. Vorausgegangen waren eine starke Balleroberung von Tobias Raschl im Mittelfeld, eine Energieleistung von Patrick Osterhage und eine präzise Hereingabe von Enrique Pena Zauner. Das hätte die Führung sein müssen, nachdem der BVB schon in der achten Minute einen vielversprechenden Angriff über Enrique Pena Zauner und Robin Kehr gut zu Ende gespielt hatte.

Tobias Raschl traf im Nachschuss

Die Schwarzgelben belohnten sich in der 20. Minute für eine überlegen geführte Anfangsphase. Alaa Bakir, in der ersten Halbzeit wieder ein Aktivposten im offensiven Mittelfeld, war von Schalkes Torhüter Canpolat nur per Foul zu stoppen. Tobias Raschl scheiterte zunächst am Schlussmann der Königsblauen, den Nachschuss setzte er souverän in die Maschen. Der BVB kontrollierte danach Ball und Gegner – bis Schiedsrichter Henrik Bramlaga aus Vechta eingriff und nach vermeintlichem Foul von Robin Kehr an Barnes zur Überraschung aller auf den Punkt zeigte. Görkem Can bedankte sich für das Geschenk und glich zum 1:1 aus. Es war Schalkes erster Schuss aufs von Luc Harwryluk gehütete Tor.

Der BVB dominierte vor allem im Mittelfeld. Osterhage ließ sich häufig tief fallen, um den Defensivbereich zu ordnen und sich als Anspielstation anzubieten, und der gegenüber den letzten Wochen deutlich verbesserte Tobias Raschl war überall zu finden, ballsicher und entschlossen in der Zweikampfführung. Dazu setzte er viele positive Akzente in der Offensive. So auch in der 64. Minute, als er gut 25 Meter vor dem Tor gefoult wurde und Emre Aydinel den fälligen Freistoß gekonnt zum 2:1 verwandelte. Damit machte er seinen Fehlschuss in der Anfangsphase vergessen.

Osterhage und Kehr scheiterten am Torhüter

Die Schwarzgelben versäumten es danach, einen höheren Vorsprung herauszuschießen. Ihnen stand vor allem Schalkes
Canpolat im Wege, der gegen Osterhage (68.) und Kehr (72.) glänzend reagierte und die platziert geschossenen Bälle zur Ecke abwehrte. Pech allerdings, dass der eingewechselte Reda Khadra nach einem klasse Konter nur den rechten Pfosten traf.

Von den Schalkern war in der Offensive nichts zu sehen – bis in die Nachspielzeit hinein. Dann allerdings eröffnete sich Biskup nach Vorlage von Smolinski die Riesenchance zum Ausgleich. Doch er bugsierte den Ball aus kürzester Entfernung neben den Pfosten. Benjamin Hoffmann hatte das Unheil kommen sehen und mit Nico Lübke einen zusätzlichen Abwehrspieler eingewechselt. Dennoch durfte Schalke noch einmal jubeln. Eine Unachtsamkeit des sonst so aufmerksamen Defensivbereichs, der Torjäger Ahmed Kutucu nicht zur Entfaltung kommen ließ, nutzte Biskup, der aus 16 Metern frei zum Schuss kam und Hawryluk keine Chance ließ.   

Ärgerlich, aber den Jungs bleiben jetzt 90 Minuten, um Schalke in die Schranken zu weisen und mit einem Derbysieg ins Endspiel einzuziehen. "Wir werden Montag noch eine Schüppe drauflegen und das Ding eintüten", verspricht Emre Aydinel. Dazu benötigen sie im Stadion Rote Erde auch die Unterstützung der Fans.  

BVB: Hawryluk – Terzi, Ferjani, Knoop, Mißner (77. Göckan) – Osterhage, Raschl – Pena Zauner, Bakir (76. Pherai), Kehr (90. Lübke) – Aydinel.   

Wilfried Wittke