Die knapp 7 000 Zuschauer hatten sich längst auf den Heimweg begeben, als die schwarzgelbe Spielertraube auf dem Rasen der „Roten Erde“ noch immer den 2:0-Derbysieg gegen Schalke 04 und damit den Einzug ins Finale um die Deutsche Meisterschaft feierte. „Das war ein hartes Stück Arbeit. Ich bin stolz auf die Mannschaft, wie sie gefightet hat“, strahlte Benjamin Hoffmann.

Nächster (und letzter) Halt dieses Teams, das sich anschließend auflösen wird, ist die Mechatronik-Arena in Großaspach, Gegner der VfB Stuttgart. Die Schwaben, die sich nach zwei Unentschieden gegen den VfL Wolfsburg (0:0, 1:1) im Elfmeterschießen durchgesetzt haben, streben nun das Double an: Freitag treffen sie in Potsdam im Finale des DFB-Vereinspokals auf RB Leipzig, am Sonntag, 2. Juni, im Meisterschafts-Endspiel auf den BVB (Anstoß 12.45 Uhr, live bei Sport1). Hätte Luca Unbehaun den elften Strafstoß im dramatischen Elfmeterschießen im Pokal-Halbfinale in Leipzig verwandelt, würde es zum Doppel-Finale zwischen Stuttgart und Dortmund kommen.

Hoffmann wird den Gegner im Potsdam vor Ort beobachten. „Dass sie in beiden Finals stehen, zeigt ihre Qualität“, spricht er mit höchstem Respekt über die Stuttgarter, die seit einigen Wochen von Daniel Teufel betreut werden, nachdem der bisherige Cheftrainer Nico Willig die Trainingsleitung bei den Profis übernommen hat. Der VfB wurde überlegen mit 60 Punkten Meister der Bundesliga Süd/Südwest vor dem FSV Mainz 05 und distanzierte den hoch gehandelten FC Bayern München um 14 Zähler. Ihr überragender Spieler ist der bereits bei den Profis eingesetzte Leon Dajaku (elf Saisontore).

„Alle haben ihren Beitrag geleistet“

Mit der gegen Schalke gezeigten Mentalität ist dem BVB auch im Finale alles zuzutrauen. „Wir haben im Rückspiel noch einmal eine Schüppe draufgelegt und verdient gewonnen“, resümierte Benjamin Hoffmann, der dem kompletten Kader ein dickes Kompliment aussprach: „Man hat gesehen, wie wichtig jeder Spieler ist. Alle haben ihren Beitrag zu diesem Erfolg geleistet.“ Er hatte im Rückspiel überraschend die Anfangself verändert und auch leichte taktische Veränderungen vorgenommen. Dass der wuchtige Paul Besong statt Torjäger Emre Aydinel das Angriffszentrum besetzen würde, war ebenso wenig zu erwarten wie der – allerdings verletzungsbedingte - Wechsel im offensiven Mittelfeld, der Yassin Ibrahim ins Team spülte. Alaa Bakir hatte sich im Training eine Knieblessur zugezogen und stand deshalb gar nicht im Kader.

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Aus einer willensstarken und geschlossen auftretenden Mannschaft, die sich in beiden Spielen im zweiten Durchgang deutlich gesteigert hatte, ragten noch vier Spieler heraus: Luc Hawryluk ließ den nach seiner Knie-OP zum Zuschauen verurteilten Luca Unbehaun vergessen. Der Torhüter glänzte mit herausragenden Paraden, er strahlte Souveränität und Ruhe aus. Ramzi Ferjani stürzte sich in jeden Zweikampf, er verteidigte konzentriert und entschlossen. Ob gegen Kutucu oder Biskup. Das entscheidende Plus erzwang der BVB aber im Mittelfeld, wo die künftigen Jung-Profis Patrick Osterhage und Tobias Raschl erstklassige Arbeit ablieferten. Sie waren nicht von ungefähr maßgeblich an beiden Treffern beteiligt.

Letztes Spiel auch für Benjamin Hoffmann

Nach einem freien Wochenende beginnt Montag die Vorbereitung auf das letzte Spiel dieser Mannschaft, die eine Saison mit Höhen und Tiefen absolviert hat, sich aber auf der Zielgeraden noch einmal ihrer Top-Form nähert. Das spricht für einen exzellenten Trainingsaufbau. Das Finale in Großaspach wird auch Benjamin Hoffmanns Abschiedsvorstellung als Trainer der U19.

In der Saison 2019/20 übernimmt Michael Skibbe, der dazu Cheftrainer aller Junioren-Mannschaften wird. Hoffmann soll in der neuen Position als „Sportlicher Leiter des Aufbaubereichs“ eine wichtige Rolle im Nachwuchs-Leistungs-Zentrum übernehmen. Er kann nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft 2017 mit der Wiederholung dieses Titels und einer von ihm geprägten Mannschaft das nächste dicke Ausrufezeichen setzen.

Wilfried Wittke