Sie haben sich gewehrt und bemüht, aber nicht für ihren Aufwand belohnt: Die U19 verlor das Top-Spiel gegen den 1. FC Köln vor stattlicher Zuschauerkulisse im NLZ Brackel mit 0:2. Und das nicht unverdient. „Köln war die reifere und über weite Strecken bessere Mannschaft,“ befand  Michael Skibbe und ergänzte: „Unser größtes Problem ist die Defensiv-Stabilität.“

Der BVB startete stark und mit viel Elan. Gegenüber dem 9:2-Sieg von Oberhausen hatte Michael Skibbe drei Änderungen vorgenommen: Tim Böhmer, Maik Amedick und Lloyd Kuffour rutschten in die Start-Formation, sie übernahmen die Plätze von Mert Göckan, Emir Terzi und Felix Schlüsselburg. Die Schwarzgelben machten von Beginn an Druck und hätten in der 8. Minute eigentlich in Führung gehen müssen. Doch nacheinander scheiterten Gio Reyna, Immanuel Pherai und Youssoufa Moukoko, denen sich FC-Torhüter Adamczyk, das Aluminium und Robert Voloder, der auf der Torlinie klärte, in den Weg stellten.

Köln übernahm indes mehr und mehr die Spielkontrolle. Weil sich die Borussen entweder festliefen, sich mit ungenauem Pass-Spiel selbst in die Bredouille stürzten und im Defensivverhalten gravierende Defizite offenbarten. Wie in der 21. Minute, als sie mit einem individuellen Fehler Sebastian Müller zum Torschuss einluden. Leon Klußmann erwischte den Ball zwar noch mit den Händen, konnte ihn aber nicht mehr um den Pfosten drehen.

Von der Offensiv-Abteilung wenig zu sehen

Mit dem Treffer zum 0:1 gewann der FC noch mehr Sicherheit. Die Abwehr stand ungemein stabil, sie kaufte Youssoufa Moukoko mit ihrer Zweikampf-Aggressivität den Schneid ab, rechts verhedderte sich Reda Khadra, Gio Reyna und vor allem Alaa Bakir blieben weit unter ihren Möglichkeiten. So stand Immanuel Pherai fast allein auf weiter Flur. Nachdem Müller in der 32. Minute die 2:0-Führung verpasst hatte, scheiterte Pherai nach einer feinen Einzelleistung am prächtig reagierenden Daniel Adamczyk.

Mit Wiederanpfiff und Ansgar Knauff auf der rechten offensiven Außenbahn erhöhte Borussia das Tempo. Pherai, der nun die defensive Schaltzentrale besetzte, und der dann zentral spielende Reyna inszenierten einige feine Angriffe, das Spielglück aber wechselte nicht auf die schwarzgelbe Seite. Alaa Bakir bot sich die größte Chance, als er in der 56. Minute aus der Drehung knapp am linken Pfosten vorbeischoss.

Doch die Kölner blieben mit ihrem schnellen Umschaltspiel immer gefährlich. Matthias Olesen schoss freistehend über die Latte (54.), besser machte es in der 62. Minute Sebastian Müller, der einen weiteren Aussetzer der Borussen mit dem 2:0 bestrafte und Klußmann nicht den Hauch einer Abwehrchance ließ. Danach verwalteten die Gäste souverän ihren Vorsprung gegen einen BVB, der sich meist nur noch mit Einzelaktionen über die Runden zu retten versuchte.

Mittwoch nach Mönchengladbach

Es wurde also nichts aus der erhofften Revanche für die 2:3-Niederlage der U17 im Finale der Deutschen Meisterschaft. Köln war als Kollektiv deutlich besser besetzt als der BVB, bei dem innerhalb der Mannschaft noch zu große individuelle Leistungsunterschiede deutlich werden. Umschalt- und Aufbauspiel, mannschaftliche Struktur und Organisation, Abläufe und Automatismen: Michael Skibbe muss noch an vielen Schrauben drehen, ehe ein Rädchen ins andere greift.   

Bis zum nächsten Bundesliga-Spiel am Mittwoch bei Borussia Mönchengladbach bleibt indes nicht viel Zeit. Und Gladbach, mit sechs Punkten in die Saison gestartet, zeichnet eine ähnliche mannschaftliche Kompaktheit aus wie den 1. FC Köln.

BVB: Klußmann – Böhmer, Ferjani, Knoop, Kuffour (65. Göckan) – Amedick (46. Knauff), Pherai – Khadra (78. Wengerowski), Bakir (63. Hetemi), Reyna – Moukoko.

Wilfried Wittke