Dass Borussias U19 nach drei Spielen mit drei Punkten in der unteren Tabellenhälfte zu finden sein würde, hatte vor Saisonbeginn keiner erwartet – weder die Leitung der Nachwuchsabteilung noch Trainer Michael Skibbe oder die Spieler selbst. Nach den Niederlagen in den Top-Spielen gegen den 1. FC Köln (0:2) und Borussia Mönchengladbach (1:2) muss Sonntag gegen Arminia Bielefeld (Anstoß 11 Uhr im NLZ Brackel) ein Sieg her, damit die Jungs um Kapitän Alaa Bakir nicht frühzeitig den Anschluss an die Spitzengruppe verlieren.

Michael Skibbe arbeitete in den Übungsstunden wieder akribisch an den Defiziten, die er eindeutig im „Gesamtverteidigen“ ausmacht und sieht die größte Schwachstelle im zentralen defensiven Mittelfeld. Da, wo in der Vorsaison Tobias Raschl manche Brände löschte und gemeinsam mit Patrick Osterhage – wenn er denn mal fit war – den Rhythmus bestimmte, herrscht (noch) ein Vakuum.

Maik Amedick und Rilind Hetemi müssen sich erst an die deutlich robustere Gangart in der U19 gewöhnen, und viele Alternativen bleiben Skibbe nicht. Kamal Bafounta, der diese Probleme lösen könnte, steht wegen seiner langwierigen Knieverletzung in den nächsten Monaten nicht zur Verfügung. Aber auch die Viererkette lässt sich zu leicht düpieren und macht viele einfache Fehler, die in der Regel zu Gegentoren führen. Von dieser mannschaftlichen Instabilität profitierten sowohl Köln als auch Mönchengladbach.

Auch Arminia Bielefeld weiß um diese Schwachstelle und wird sich in Brackel nicht verstecken. Die Ostwestfalen kommen mit dem Rückenwind eines 3:1-Erfolgs gegen Preußen Münster, nachdem sie vorher dem FC Schalke 04 in Gelsenkirchen knapp wie unglücklich mit 1:2 unterlegen waren. Bielefeld setzt auf eine Dreierkette und wird Borussias Offensiv-Spezialisten wenig Raum lassen, ähnlich wie zuvor Köln und Gladbach. In beiden Spielen taten sich die Moukoko, Reyna, Khadra, Bakir und Co. schwer, sich durchzusetzen, obwohl sich den Schwarzgelben gerade im Borussia-Park einige Torchancen eröffneten.

Oliver Kirch als Teamchef auf der Arminia-Bank

In der Bielefelder Coachingzone wird ein guter Bekannter agieren: Oliver Kirch, der frühere BVB-Profi, pflegt noch heute gute Kontakte zu seinen ehemaligen Kollegen Marco Reus, Marcel Schmelzer und Lukasz Piszczek. „Borussias Anspruch ist, um die Deutsche Meisterschaft mitzuspielen. Dementsprechend werden sie alles versuchen, dieses Spiel zu gewinnen.“

Michael Skibbe geht allerdings langsam das Personal aus. Neben den verletzten Immanuel Pherai, Niclas Knoop, Lloyd Kuffour und Ansgar Knauff stehen ganz dicke Fragezeichen hinter der Aufstellung von Giovanni Reyna (Schlag aufs Knie) und Mert Göckan, der in Mönchengladbach bereits nach zehn Minuten böse gefoult worden war. Vermutlich wird hinten links Max Meier verteidigen, erstmals steht Mert Akbulut nach monatelanger Pause im Kader. „Wir müssen läuferisch und kämpferisch dagegenhalten,“ fordert Michael Skibbe höchsten Einsatz in diesem sicherlich nicht einfachen Spiel.

In der Tat ist Sonntag im Nachwuchs-Leistungszentrum Brackel ein Sieg Pflicht. „Das werden wir auch schaffen“, versichert Nachwuchskoordinator Lars Ricken. Dann würde sich das Team Rückenwind und Selbstvertrauen holen für die nächste schwere Aufgabe, die erste Runde im DFB-Vereinspokal, in der Borussia am Samstag, 31. August, auf RB Leipzig trifft (11 Uhr).

Die voraussichtliche Aufstellung: Schönnenbeck – Terzi, Ferjani, Böhmer, Meier – Schlüsselburg – Khadra, Bakir, Reyna (Hetemi), Wengerorski  - Moukoko

(wiwi)