Es  begann holprig, und es endete furios: Borussia setzte beim 2:1-Sieg gegen den FC Barcelona ein dickes Ausrufezeichen an die Konkurrenz und tankte dazu eine Menge Selbstvertrauen für die nächsten schweren Aufgaben in der Bundesliga und vor dem zweiten Auftritt in der UEFA Youth League am Mittwoch, 2. Oktober, bei Slavia Prag. Das Team aus der tschechischen Metropole unterlag zum Auftakt der europäischen Junioren-Königsklasse bei Inter Mailand mit 0:4.

Dabei hatten die 1 050 Zuschauer in Brackel nach einer recht zähen und nervösen Anfangsphase für Schwarzgelb schon schwarzgesehen. Denn nach drei Minuten hieß es 1:0 für den FC Barcelona. Gleich mehrere Missverständnisse führten erst zu einem Eckball, dann zu einer Hereingabe (Mortimer) und schließlich zu einem Kopfballtor des Abwehrspielers Gomes Silva. Die ballsicheren Gäste mit dem dribbelstarken de la Fuente dominierten die verunsicherten Borussen, vergaßen aber, ihre Führung auszubauen. Dazu parierte BVB-Torwart Dominik Schönnenbeck glänzend gegen Mortimer (16.).

Ganz allmählich indes drehte sich das Blatt, weil Tobias Raschl und Göktan Gürpüz im Mittelfeld Zweikämpfe gewannen, die Jungs von Michael Skibbe die Scheu vor den großen Namen aus der weltberühmten Akademie La Masia ablegten und selbst die Initiative ergriffen. Die meisten Angriffsaktionen liefen zunächst über Giovanni Reyna, das gesamte Team indes wurde mutiger und selbstbewusster.

Erster Abschluss durch Giovanni Reyna

Der erste zielstrebige Angriff lief über Pherai und Reyna (29.), Barcelonas Torhüter Tenas ermöglichte kurze Zeit später Youssoufa Moukoko, Alaa Bakir und Immanuel Pherai BVB-Großchancen, und der erste richtige Abschluss gelang Reyna in der 40. Minute, als er in die kurze Ecke schoss, aber Tenas sich nicht überraschen ließ. Der vom Raschl prima freigespielte Reyna setzte den Ball kurz vor dem Pausenpfiff mit Wucht ans Außennetz.

Michael Skibbe ersetzte zu Beginn der zweiten Halbzeit Rechtsverteidiger Terzi durch U17-Spieler Lion Semic, nachdem er schon mit der Aufstellung von Göktan Gürpüz im Mittelfeld neben Raschl überrascht hatte. Beide Jungs aus dem Kader von Sebastian Geppert machten ihre Sache übrigens ausgezeichnet. Semic hielt in den zweiten 45 Minuten die zuvor anfällige rechte Seite dicht, und Gürpüz leitete mit einem Ballgewinn im Mittelfeld den Ausgleich ein. Der 17-Jährige brachte Alaa Bakir ins Spiel, und dessen abgefälschte Hereingabe vollendete Giovanni Reyna (60.).

Toller Fußball nach dem Ausgleichstreffer

Der Ausgleich lag schon vorher in der Luft. Unmittelbar nach Wiederanpfiff hatte Raschl mit einem langen Pass Pherai in Szene gesetzt, der aufmerksame Tenas stand dem 1:1 da noch im Wege. Und der BVB sich selbst mit vielen ungenauen Zuspielen in der Vorwärtsbewegung (Pherai). Das sollte sich mit dem Ausgleichstreffer radikal ändern. Die Schwarzgelben kombinierten sich in einen regelrechten Rausch, fanden die richtige Pass-Schärfe, demonstrierten mitunter Hochgeschwindigkeitsfußball, standen defensiv kompakt, brillierten mit guten Spieleröffnungen (Ferjani, Gürpüz, Raschl) und erspielten sich Chancen im Minutentakt. In der 69. Minute schlug Mert Göckan einen ganz starken Pass auf Pherai, Barcelonas Torwart zog die Notbremse, und Tobias Raschl verwandelte den Elfmeter eiskalt.

Es ging weiter in Richtung Barcelona-Tor, aber der dritte Treffer, der zur Beruhigung der Gemüter beigetragen hätte, wollte nicht mehr fallen. Meist fehlten Zentimeter zur Vorentscheidung, und Reda Khadra setzte den Ball an den Pfosten (75.). So lief die Mannschaft in der Schlussphase Gefahr, gegen den stärker werdenden Gegner noch zwei Punkte zu verlieren. Schönnenbeck  geriet nach Orellanas Schuss in den Blickpunkt (82.), er meisterte die Aufgabe aber souverän. Letztlich fand der BVB schnell wieder die Spielkontrolle.

„Das war eine ganz tolle zweite Halbzeit, weil wir mutig und druckvoll nach vorn gespielt haben, nachdem wir uns selbst in der Anfangsphase das Leben schwergemacht hatten“, freute sich Michael Skibbe über einen am Ende grandiosen Auftritt seiner Jungs und blickte zuversichtlich nach vorn: „Das sollte uns Rückenwind geben für das Bundesliga Top-Spiel am Sonntag gegen Leverkusen.“

BVB: Schönnenbeck – Terzi (46. Semic), Ferjani, Böhmer, Göckan – Gürpüz, Raschl – Bakir (65. Khadra), Pherai (90. Schlüsselburg), Reyna (90. Knauff) – Moukoko (80. Fink)

Wilfried Wittke