Das war stark: Mit einer überzeugenden Leistung gewann Borussias U19 in der UEFA Youth League das schwere Auswärtsspiel beim FC Barcelona mit 2:1 und wahrte damit die Chance auf das Weiterkommen. Der BVB, Slavia Prag, das überraschend gegen Inter Mailand mit 4:1 gewann, und die Italiener haben neun Punkte auf dem Konto. Am Dienstag, 10. Dezember, kommt es zum großen Gruppen-Finale: Slavia Prag gastiert in Dortmund (Anstoß 16 Uhr), Inter empfängt den FC Barcelona, der keine Chancen mehr auf die Achtelfinal-Qualifikation hat. Mit einem Sieg würden die Schwarzgelben in diesem Wettbewerb auf jeden Fall überwintern.

Spektakel pur im Estadio Johan-Cruyff: Beide Mannschaften setzten auf die Karte Offensive, beide schossen in der Abwehr einige kapitale Böcke und zelebrierten , zum Teil auch von Fehlern des Gegners begünstigte tolle Ballpassagen. BVB-Trainer Michael Skibbe hatte ein mutiges und freches Spiel der Mannschaft angekündigt – und seine Jungs setzten dieses Versprechen nach ersten Problemen in die Tat um.

Allerdings bestaunten sie zunächst perfekte Kombinationen des Gegners - und die erste Chance für die Mannschaft aus der weltberühmten Akademie „La Masia“: Balde Martinez flankte in der 10. Minute perfekt in den Strafraum, Mortimers Kopfball verfehlte das Tor um Zentimeter. Auf der anderen Seite dann ein grandioses Zuspiel von Immanuel Pherai auf Giovanni Reyna, doch Borussias US-Boy sprang der Ball vom Fuß. Das hätte das 0:1 sein können (15.).

Der Treffer fiel 120 Sekunden später, allerdings für Barcelona. Nicolas Gonzales hatte auf engstem Raum die BVB-Spieler wie Slalomstangen umkurvt, dann Fernandez Castellano in Szene gesetzt, und gegen dessen Schuss war Luca Unbehaun machtlos. „Wir haben leider, wie im Hinspiel, verpasst, dem Gegner in den ersten 20, 25 Minuten weh zu tun und aggressiv zu verteidigen. Das ist im Verlaufe des Spiels deutlich besser geworden“, analysierte Michael Skibbe die von Barcelona diktierte Anfangsphase.

Luca Unbehaun hielt Foulelfmeter

Doch dieser Rückstand war ein Wachrüttler. Die Schwarzgelben schüttelten sich, rafften sich auf- und antworteten: Tobias Raschl erahnte ein zu kurzes Abspiel von Barca-Torwart Tenas, er spielte Giovanni Reyna an, und der vollstreckte nach einem Solo eiskalt zum 1:1 (26. Minute). Ausgerechnet Raschl, der in vielen Phasen Tempo und Rhythmus diktierte, produzierte 120 Sekunden später den nächsten Fehler, als er an der Mittellinie den Ball vertändelte und Barca zum Angriff einlud. Julius Schell, der in der Innenverteidigung neben Ramzi Ferjani eine richtig gute Partie ablieferte, stoppte Fernandez Castellano mit einem Foul. Den von Moriba ausgeführten Strafstoß meisterte Luca Unbehaun, der später gegen Mortimer erneut glänzend reagierte und im Johan-Cruyff-Stadion zum großen Rückhalt der Borussia wurde.

Aber auch der BVB hatte in dieser mit hohem Tempo geführten Partie schon im ersten Durchgang seine Chancen. So in der 32. Minute, als der diesmal im zentralen Mittelfeld eingesetzte und neben Raschl groß aufspielende Reyna das Spielgerät auf Alaa Bakir passte. Dessen raffinierter Außenrist-Schlenzer touchierte den Pfosten – diese sehenswerte Aktion wäre ein Tor wert gewesen.

Das bejubelten die Borussen dann in der 65. Minute. Nach Pherais Vorlage gelang Tobias Raschl eine für ihn typische Pirouette und ein perfekter Abschluss. Die 2:1-Führung verlieh dem BVB noch mehr Selbstvertrauen und Sicherheit. Auch die im ersten Durchgang noch etwas wacklige Abwehr gewann zusehends an Stabilität. „Wir waren vor allem in der zweiten Halbzeit viel präsenter und aggressiver, haben den Gegner höher und deutlich früher attackiert“, freute sich Skibbe über die gute Reaktion der Mannschaft.

Giovanni Reyna mit einer Klasse-Partie

Die war allerdings auch erforderlich gegen die technisch erstklassig ausgebildeten Spanier. Vor allem der wendige und ballfertige De La Fuente trieb mitunter gern seine Spielchen mit den Dortmundern. Am Ende aber versuchte der quirlige Stürmer stets einen Schlenzer zu viel. Seine beste Aktion hatte De La Fuente in der 68. Minute, doch seinen Freistoß aus einer 25- Meter-Distanz fischte der aufmerksame Unbehaun aus der rechten Ecke.

Am Ende hätten die Schwarzgelben sogar noch höher gewinnen können. Doch sie spielten ihre Konterattacken nicht mehr präzise aus und hatten zudem Pech, dass der Schiedsrichter Giovanni Reyna frei vor dem Barcelona-Tor irrtümlich in Abseitsposition gesehen hatte. Aber mit diesem Erfolg hat der BVB das nächste Ausrufezeichen gesetzt und einen der Top-Favoriten auf den Gesamtsieg, aus dem Wettbewerb elimiert. Michael Skibbe lobte: „Wir sind stolz und zufrieden, dass wir in Barcelona gewonnen haben. Jeder hatte seinen Anteil an diesem Erfolg, die Mannschaft hat insgesamt exzellent gekämpft und gefightet."

Sonntag geht es für die U19 weiter: Das Team empfängt im Nachwuchs-Leistungszentrum Brackel den VfL Bochum und muss dieses kleine Derby gewinnen, um den Anschluss an die Spitzengruppe zu wahren.

BVB: Unbehaun – Terzi, Ferjani, Schell, Göckan – Raschl – Khadra (88. Wengerowski), Pherai (88. Schlüsselburg), Reyna, Bakir (71. Knauff) – Moukoko (79. Hetemi).

Wilfried Wittke