Dem 2:1-Triumph in der UEFA Youth League ließ der BVB einen 3:1-Sieg im „kleinen Derby“ gegen den VfL Bochum folgen. „Das war in der Bundesliga vor allem in der ersten Halbzeit eine unserer besten Saisonleistungen“, lobte Nachwuchskoordinator Lars Ricken den Auftritt der Jungs, die allerdings deutlich höher hätten gewinnen können.

So mussten sie bis zur 90. Minute um die wichtigen drei Punkte bangen. Dann beseitigte Alaa Bakir mit einer feinen Einzelleistung alle Zweifel und machte den „Dreier“ perfekt. Weil Borussia Mönchengladbach in Oberhausen patzte (0:1), bleibt der BVB auf Tuchfühlung mit den beiden Spitzenteams des 1. FC Köln (2:0 beim FC Schalke 04) und Fortuna Düsseldorf (5:0 gegen Aachen).

Mit Rilind Hetemi in der Anfangsformation und Giovanni Reyna im zentralen Mittelfeld legten die Borussen los wie die Feuerwehr. Schon in der 2. Minute eröffnete sich ihnen die erste Chance, als Reyna nach einer Hereingabe von Ansgar Knauff knapp am rechten Pfosten vorbeizog. Der nächste klug vorgetragene Angriff hätte das 1:0 bringen müssen. Youssoufa Moukoko hatte Alaa Bakir freigespielt, doch ein Bochumer Abwehrbein lenkte den Ball ins Tor-Aus (6. Minute). Der BVB dominierte, die Spieler präsentierten sich als Einheit, zeigten hohe Lauf- wie Einsatzbereitschaft und kombinierten dabei auch noch sehenswert.

Wie aus dem Nichts bot sich den Bochumern indes die Chance, den Spielverlauf den Kopf zu stellen. Immanuel Pherai hatte an der Mittellinie den Ball leichtfertig vertändelt, Luis Hartwig lief allein auf Luca Unbehaun zu, doch der BVB-Schlussmann verhinderte mit einer grandiosen Fußabwehr den Rückstand. Das wäre des Guten auch zu viel gewesen. Denn die Schwarzgelben liefen unverdrossen an, beherrschten den Gegner, aber das Runde wollte einfach nicht ins Eckige.

Reyna traf erst den Pfosten und dann zum 1:0

Reyna, der – wie auch Alaa Bakir - viele Akzente setzte, traf in der 25. Minute den Pfosten, selbst eine Dreifach-Chance in der 31./32. Minute wussten sie nicht zu nutzen. Knauff, Moukoko, Reyna und Bakir verzweifelten beinahe am Schusspech. Erst in der 43. Minute durften die Borussen jubeln. Nachdem vorher ein Moukoko-Treffer wegen Abseits annulliert worden war, bugsierte Giovanni Reyna das Spielgerät aus dem Getümmel über die Linie. „Das war in der ersten Häfte über weite Strecken eine prima Leistung, allerdings haben wir auch zwei gegnerische Möglichkeiten zugelassen“, kommentierte Michael Skibbe ein "Derby mit vielen Höhen, aber auch Tiefen". 

Die Bochumer, die kurz vor dem Halbzeitpfiff ein Abseitstor erzielten, spielten im zweiten Durchgang zwar mutiger und brachten den BVB das eine oder andere Mal in Bedrängnis, aber Schwarzgelb blieb das überlegene und bessere Team. „Wir haben leider wahnsinnig viele Chancen vergeben und hätten uns fast um den Lohn eines guten Spiels gebracht“, haderte Michael Skibbe mit der im Abschluss fehlenden Zielstrebigkeit und Konsequenz.

Skibbe fordert bis zur Winterpause drei Siege

Allein Youssoufa Moukoko hätte seinen bisher 18 Saisontreffern noch locker drei oder vier hinzufügen können, aber dieser 1. Advent war nicht sein Tag. „Er hat von allen die meisten Spiele bestritten und hängt im Augenblick körperlich etwas durch“, zeigt Skibbe Verständnis für seinen gerade 15 Jahre alt gewordenen Ausnahme-Stürmer, der dazu an diversen leichten Verletzungen laboriert, aber auch gegen Bochum viel unterwegs war und den Mitspielern Gassen öffnete.

Für ihn sind andere in die Bresche gesprungen. In erste Linie Alaa Bakir, der in der 57. Minute von Florian Püschel im Strafraum gefoult worden war. Bakir übernahm die Verantwortung beim Strafstoß und jagte den Ball mit Wucht in die Maschen. Weil indes die Borussen die Bochumer im Spiel hielten, blieb es hoch spannend. Erst recht, nachdem Gabriel Cavar in der 67. Minute auf 1:2 verkürzt hatte. Aber der BVB brachte die drei Punkte über die Runden, weil Bakir in der 90. Minute den Sack endgültig zugeschnürt hatte.

Michael Skibbe formuliert jetzt ein klares Ziel: „Wir wollen die noch drei ausstehenden Spiele bis zur Winterpause gewinnen.“ Gegen Wuppertal (Samstag, 11 Uhr) und in Aachen (15. Dezember) in der Bundesliga und gegen Slavia Prag am Dienstag (10. Dezember, 16 Uhr) in der UEFA Youth League. Dann wäre der BVB in beiden Wettbewerben noch voll im Geschäft.

BVB: Unbehaun – Terzi, Ferjani, Thaqi (90. Knoop), Göckan – Hetemi (88. Kuffour), Pherai, - Knauff, Reyna (90. Rauch), Bakir – Moukoko (78. Khadra).

Wilfried Wittke