Zweites Top-Spiel im Jahr 2020, zweiter Sieg – und erneut stand hinten die Null: Borussias U19 kommt nach überaus holprigem Saisonstart allmählich ins Rollen und rehabilitierte sich mit dem 3:0-Erfolg gegen Borussia Mönchengladbach für die 1:2-Hinspiel-Niederlage. Zugleich verteidigte der BVB seine Position an der Tabellenspitze der Bundesliga West. Er teilt sie sich mit dem 1. FC Köln, der durch zwei Tore in der Schlussphase bei Fortuna Düsseldorf mit 2:0 gewann.

Im Fußballpark Hohenbuschei erlebten die Zuschauer ein von beiden Seiten intensiv geführtes Borussia-Duell. Die Mönchengladbacher dominieren den ersten Durchgang, sie vergaben indes – wie auch nach dem 0:1-Rückstand – eine Reihe bester Chancen. Der BVB, der bis zum Pausenpfiff kaum initiativ werden konnte, zeigte sich in der zweiten Halbzeit deutlich wacher und präsenter.

„Wir versuchen wieder, ausschließlich fußballerische Lösungen zu finden und bekommen keinen Zugriff auf das Spiel“, mäkelte Nchwuchschef Edwin Boekamp nach einer ersten Hälfte, die klar im Zeichen der Gäste stand. Der trickreiche Angreifer Famana Quizera ließ bereits in der Anfangsphase zwei große Möglichkeiten liegen, dazu reagierte Luca Unbehaun glänzend gegen Schüsse von Ismail Harnafi und Rocco Reitz. Der BVB, der offenbar überrascht war vom selbstbewussten und dominanten Auftreten der „Jung-Fohlen“, kam erst in der 36. Minute zum ersten Abschluss, als Alaa Bakir nach Hereingabe von Julius Rauch Maximilian Brüll mit einem allerdings harmlosen Schuss prüfte.

Mannschaft in der Pause wachgerüttelt

Ansonsten sahen sich die Schwarzgelben in die Defensive gedrängt, weil die Zuordnungen nicht passten, die entscheidenden Zweikämpfe und zweiten Bälle verloren gingen. Zwischen Mittelfeld und Abwehr klaffte ein großes Loch, der Defensivbereich rückte im Ballbesitz zu zaghaft auf. Deshalb sah sich Youssoufa Moukoko, wenn er denn mal ins Spiel eingebunden war, einer Gladbacher Übermacht gegenüber. Die robusten und groß gewachsenen Innenverteidiger Tom Gaal und Jordi Bongard blieben stets Herr der Situation.

Michael Skibbe hatte in der Halbzeitpause an einigen Stellschrauben gedreht, seine Mannschaft neu justiert und mit Reda Khadra (für den eifrigen Julius Rauch) auch Geschwindigkeit auf dem linken Flügel eingewechselt. Der BVB, der erneut auf den noch am Sprunggelenk verletzten Immanuel Pherai verzichten musste, agierte fortan wesentlich konzentrierter, mutiger und aggressiver, das Team setzte vor allem über Ansgar Knauff, Youssoufa Moukoko und Alaa Bakir auch fußballerische Akzente. „Das war eine deutliche Steigerung, nachdem wir vorher schlecht und lethargisch gespielt haben“, urteilte Michael Skibbe

Youssoufa Moukoko mit Saisontoren 25 und 26

Es folgte prompt die Belohnung für die bessere Einstellung: Einen von Reda Khadra ausgeführten Eckball stocherte Moukoko ein wenig glücklich über die Linie zur 1:0-Führung (50. Minute). Fortan entwickelte sich ein packender Schlagabtausch. Hüben wie drüben spielten sie Chancen im Minutentakt heraus. Während die Gladbacher an ihrer Abschluss-Schwäche und am souveränen Luca Unbehaun zu verzweifeln begannen, schlugen die Dortmunder aus den Unsicherheiten des sonst so zuverlässigen Gäste-Abwehrblocks Kapital.

Alaa Bakir bugsierte den Ball nach  einem Khadra-Freistoß von der rechten Seite in die Maschen (79.), und Youssoufa Moukoko stand in der 83. Minute nach einem Eckball von Khadra erneut goldrichtig. Er stellte mit seinen Saisontreffern 25 und 26 das 3:0-Endergebnis her. Zwischenzeitlich hatte Terzi den linken Pfosten getroffen. „Wir haben insgesamt wieder zu viele einfache Chancen zugelassen, in der zweiten Halbzeit aber wieder guten Zug auf dem Weg nach vorn gehabt. Das Spiel hätte auch 3:3 oder 4:4 ausgehen können“, bilanzierte Michael Skibbe.

Mit zwei Top-Siegen und breiter Brust fliegen die Jungs nun am Montag nach England. Dienstag (Anstoß 14 Uhr) treffen sie im Play-off-Spiel der UEFA Youth League auf Derby County. „Die haben in der Meisterschaft alle Top-Teams wie Liverpool oder die Manchester-Clubs hinter sich gelassen. Jeder weiß, was uns da erwartet“, sagt Edwin Boekamp.

BVB: Unbehaun – Terzi, Ferjani, Thaqi (73. Knoop), Göckan – Amedick, Schlüsselburg – Knauff (87. Wengerowski), Bakir, Rauch (46. Khadra) – Moukoko (90. Hetemi).

Wilfried Wittke