Das hart umkämpfte Derby mit 3:2 gewonnen und die Tabellenführung verteidigt:  Die Jungs von Mike Tullberg haben die erste Reifeprüfung in der Saison 2020/21 mit Bravour bestanden und überzeugten im Gelsenkirchener Parkstadion mit einer starken kämpferischen, taktischen und im ersten Durchgang auch ansprechenden fußballerischen Leistung. Als Matchwinner durfte sich erneut Youssoufa Moukoko feiern lassen, der im dritten Pflichtspiel seinen dritten Dreierpack schnürte.

Es war das erwartet enge und von beiden Seiten intensiv geführte Duell auf beachtlichem Niveau: Zunächst erarbeitete sich Schalke leichte Vorteile, dann fand der BVB seinen Rhythmus, schien nach 63 Minuten und dem dritten Moukoko-Treffer die Partie endgültig zu dominieren und brachte sich dann durch einen fatalen Torhüterfehler, den der eingewechselte Pavlidis zum 2:3 nutzte, noch selbst mächtig in die Bredouille.

Unter dem Strich aber stand ein verdienter Erfolg der von Tullberg bestens eingestellten Schwarzgelben. „Unser Matchplan ist in der ersten Hälfte voll aufgegangen, als wir die Räume effektiv bespielt und mehr Ballbesitz hatten“, kommentierte Tullberg, der im zweiten Durchgang einige Kritikpunkte fand: „Wir haben uns das Spiel der Schalker aufdrängen lassen, zu viele lange Bälle geschlagen und im eigenen Ballbesitz keine Ruhe mehr gefunden.“

Borussia hatte erwartungsgemäß auf den von den Profis angeforderten Ansgar Knauff verzichten müssen. Erstmals stand Jamie Bynoe-Gittens, der in der 73. Minute eingewechselt wurde, im Kader. In die Start-Formation zurückgekehrt war Göktan Gürpüz, der gemeinsam mit Maik Amedick das defensive Mittelfeld besetzte, Samuel Bamba stürmte auf der linken, Bekir El-Zein auf der rechten Seite. Aus der ersten guten Aktion von Samuel Bamba resultierte in der 10. Minute die 1:0-Führung: Mit aggressivem Anlaufen hatte er Campanile zu einem unkontrollierten Rückpass gezwungen, Youssoufa Moukoko handelte blitzschnell, erlief sich den Ball und versenkte ihn ganz überlegt.

Schneller Ausgleichstreffer durch ein Eigentor

Die Schalker Antwort ließ nicht lange auf sich warten:  Keine 60 Sekunden später setzte Calhanoglu auf der rechten Seite Aydin in Szene, und dessen Hereingabe bugsierte Nnamdi Collins unglücklich ins eigene Netz. Zehn Minuten später traf der anfangs starke Mittelfeldspieler Cabrera den Pfosten, auf der Gegenseite verfehlte Gürpüz knapp das zweite Dortmunder Tor. Es ging hin und her, Aydin sah Gelb, als er den schnellen Bamba von den Beinen holte (25.), und in der 40. Minute demonstrierte Youssoufa Moukoko seine individuelle Klasse: Er nahm den Ball nach einer Maßflanke von Bekir El-Zein mustergültig mit der Brust an, fackelte nicht lange und jagte ihn in die Maschen – besser geht es nicht. „Eine verdiente Führung“, befand Mike Tullberg in der Halbzeitpause und lobte sein Team für das mit wenigen Ausnahmen doch sehr disziplinierte Spiel.

Spannung und Dramatik pur auch nach dem Seitenwechsel. Moukoko setzte Lion Semic in Szene, Aliu blockte dessen Schuss in letzter Konsequenz und zur Ecke ab (51.). Im Gegenzug stand Leon Klußmann im Brennpunkt, als er gegen Kraniqi prächtig reagierte und den Ausgleich verhinderte. Mit einem Lattenkracher aus 20 Metern setzte Campanile ein weiteres Ausrufezeichen in diesem abwechslungsreichen und nie langweiligen Duell (54.).

Nach Klußmanns Aussetzer wurde es noch spannend

Der nächste große Auftritt von Youssoufa Moukoko ließ nicht lange auf sich warten. Nach einem kurzen Zuspiel von Lion Semic schaltete er den Turbo ein und hämmerte das Spielgerät aus 20 Metern ins linke Toreck. Da blieb selbst den Schalkern nur das Staunen. Doch erneut währte die schwarzgelbe Freude nur kurze Zeit. Klußmann lief aus dem Strafraum, um in einer völlig harmlosen Situation den Ball nach vorne zu befördern. Er machte ihn stattdessen „scharf“ für Schalke. Pavlidis bedankte sich für diese Großzügigkeit mit dem 2:3.

Doch es sprach für die Moral der Schwarzgelben, dass sie auch solche Rückschläge nicht aus der Bahn warfen. Mike Tullberg schöpfte sein Wechselkontingent aus, änderte sein System, er brachte mit Rilind Hetemi, Max Meier und Tim Böhmer noch mehr defensive Stabilität ins Spiel sowie mit Jamie Bynoe-Gittens offensive Frische. Am Ende gewann der BVB die Kontrolle über die Partie zurück und fuhr mit dem Derbysieg nach Hause.

„Ein Kompliment an alle, die an diesem Erfolg mitgewirkt haben. Es ist keine Selbstverständlichkeit, mit so vielen Spielern aus Jungjahrgängen auf Schalke zu gewinnen“, bilanzierte Mike Tullberg. Collins, Bamba und Bynoe Gittens könnten noch in der U17 spielen, Gürpüz, Semic, Lütke-Frie und El-Zein sind gerade erst dieser Mannschaft entwachsen. Ansgar Knauff und Gio Reyna wiederum, die diesen Kader noch deutlich verstärken würden, gehören zum Profi-Aufgebot.

 

BVB: Klußmann – Semic (83. Böhmer), Collins, Thaqi, Kuffour – Amedick, Gürpüz – El-Zein (56. Hetemi), Lütke-Frie (74. Bynoe-Gittens), Bamba (61. Meier) – Moukoko.

Wilfried Wittke