Am Ende, als sich die Gäste müde gelaufen hatten, war es dann doch eine überraschend deutliche Angelegenheit: Die Jungs von Mike Tullberg machten in den letzten 20 Minuten das halbe Dutzend voll und schickten Rot-Weiss Essen mit einer 0:6-Niederlage auf die Heimfahrt.

Dass der Bundesliga-Tabellenführer dieses Heimspiel gewinnen würde, stand allerdings nie in Frage. Denn der BVB begann sehr konzentriert, arbeitete in der Defensive diszipliniert und setzte die RWE-Abwehr mit variablem Offensivspiel unter Druck. Die Essener wehrten sich nach Kräften. Als ihre Beine immer schwerer wurden, bestraften die Schwarzgelben beinahe jeden ihrer Fehler. „Die Jungs haben gut umgesetzt, was wir vorher besprochen hatten, wir haben im eigenen Ballbesitz Lösungen gefunden und Überzahl geschaffen“, lobte Mike Tullberg sein Team.

Youssoufa Mukoko setzte seinen beeindruckenden „Lauf“ fort: Nachdem er in den ersten drei Pflichtspielen jeweils einen Dreierpack geschnürt hatte (beim 5:0 in Münster, 3:0 in Wehen-Wiesbaden, 3:2 auf Schalke), legte er diesmal noch einen Treffer drauf. Ansgar Knauff, der nach seinen Gastspielen bei den Profis in Hoffenheim und Rom diesmal in der Startformation der U19 stand, und der eingewechselte Bradley Fink komplettierten die Reihe der Torschützen.

Einen fußballerisch starken Gegner hatte Mike Tullberg erwartet. Doch die Borussen ließen gar nicht zu, dass die Rot-Weissen ihre spielerischen Qualitäten in die Waagschale werfen konnten. Sie attackierten den Gegner konsequent, gaben ihm keine Luft zum Atmen und dominierten die von Lukas Koch souverän geleitete Partie. Ein Kompliment sprach Tullberg der Innenverteidigung mit Nnamdi Collins und Albin Thaqi aus. Beide arbeiteten in der Defensive aufmerksam und gehörten im Umschaltspiel zu den belebenden Elementen. „Sie haben mutig von hinten herausgespielt“, befand der Cheftrainer.

Klußmann nach 30 Minuten erstmals beschäftigt

Bereits in der 9. Minute drohte Essen Unheil, als Samuel Bamba RWE-Schlussmann Luca Fenzl zur einer Großtat zwang. Der von Bamba anschließend ausgeführte Eckball touchierte die Latte. Es dauerte bis zur 17. Minute, ehe Youssoufa Moukoko das erste Ausrufezeichen setzte. Fenzl konnte ihn nur mit einem Foul stoppen, und den fälligen Strafstoß verwandelte der „Torschütze vom Dienst“ eiskalt.

Leon Klußmann musste in der 32. Minute erstmals eingreifen. Er ließ sich aber weder von einer Flanke noch von einem (harmlosen) Kopfball überraschen. Akhal versuchte es in der 43. Minute mit einem Distanzschuss und fand in Klußmann seinen Meister. Auf der Gegenseite allerdings häuften sich die Chancen. Moukoko, der gegen Fenzl um Sekundenbruchteile zu spät kam, sowie Bamba und Knauff verpassten das 2:0, das dann kurz vor dem Pausenpfiff fällig war: Dennis Lütke-Frie hatte den Ball nach zuvor feinem Doppelpass auf den Torschützen Ansgar Knauff durchgesteckt.

Ähnlich ging es nach dem Seitenwechsel weiter. Der BVB beherrschte den Gegner und geriet bis zum Abpfiff nur noch einmal in Gefahr, als die Defensivabteilung nach einem Ballverlust die Kontrolle verloren hatte, aber der vor allem im ersten Durchgang auf der linken Seite unternehmungslustige Lloyd Kuffour die brenzlige Situation mit resolutem Einsatz klärte.

Mike Tullberg lobt: „Fußballerisch sehr ordentlich“

Ansonsten spielte nur Schwarzgelb – und die Essener müde. Moukoko erhöhte nach Zuspiel des eingewechselten Rilind Hetemi auf 3:0 (71.), der gerade erst ins Spiel gekommene Jamie Bynoe-Gittens schaltete nach einer Essener Unaufmerksamkeit blitzschnell und legte Moukoko das 4:0 auf (76.). Bradley Fink bedankte sich für eine unkontrollierte Faustabwehr des RWE-Torhüters mit dem 5:0, und den Schlusspunkt setzte Youssoufa Moukoko, der nach Albin Taqis „Befreiungsschlag“ den Turbo einlegte und überlegt an Fenzl vorbei einschoss.

„Das war, abgesehen von den zehn Minuten vor und nach der Pause, die mir nicht so gefallen haben, fußballerisch schon sehr ordentlich“, resümierte Tullberg. Der BVB behauptete souverän die Tabellenführung und muss sie am Samstag beim MSV Duisburg verteidigen. Die Jung-Zebras verloren beim Wuppertaler SV mit 1:2 und warten noch auf den ersten Saisonsieg.

BVB: Klußmann – Semic (80. Fink), Collins, Thaqi, Kuffour – Amedick, Gürpüz (46. Hetemi) – Knauff, Lütke-Frie (76. El-Zein), Bamba (63. Bynoe-Gittens) – Moukoko.

Wilfried Wittke