Das war ein optimaler Start in die UEFA Youth League: Borussia feierte zum Auftakt einen 3:2-Sieg bei Besiktas Istanbul und grüßt damit in Gruppe C von der Tabellenspitze. In einem spannenden und über weite Strecken ausgeglichen Spiel auf dem Ausweichplatz in Riva erzielten Samuel Bamba, Bradley Fink und der eingewechselte Julian Rijkhoff die Treffer für die Dortmunder Jungs.

„Das war phasenweise richtig gut, phasenweise weniger“, resümierte ein glücklicher Mike Tullberg nach dem Abpfiff. Er hatte im Vorfeld eindringlich vor den gefährlichen Besiktas-Offensivspielern gewarnt. Und die legten tatsächlich los wie die Feuerwehr. Allen voran Azad Demir, der Marian Kirsch bereits nach drei Minuten das erste Mal prüfte und in der 23. Minute verantwortlich zeigte für den zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich. Farouk Cisse hatte den Stürmer von den Beinen geholt, der Gefoulte selbst schnappte sich den Ball und verwandelte den Strafstoß. „Das war komplett unnötig“, ärgerte sich Mike Tullberg.

Doch das effektivere Spiel zeigten schon in der Anfangsphase die Dortmunder Jungs. Albin Thaqi, die „Leihgabe“ von der U23, prüfte in der 16. Minute Istanbuls Schlussmann Bilgin zum ersten Mal, Bradley Fink eröffnete sich eine ideale Möglichkeit zum 1:0, aber der nächste Abschluss führte zum Treffer: Göktan Gürpüz hatte vorbereitet und Samuel Bamba ganz cool eingenetzt. „Ein überragendes Tor,“ urteilte Tullberg. Der flinke Bamba war neun Minuten später nur mit einem harten Einsteigen zu stoppen. Schiedsrichter Giorgi Kruashvili aus Georgien zeigte, ohne zu zögern, auf den Punkt, und Bradley Fink ließ sich die Chance nicht entgehen, den BVB mit 2:1 in Führung zu schießen.

Neben Thaqi stand Abdoulaye Kamara als „Verstärkung“ im Team von Mike Tullberg. Thaqi, der im letzten Jahr noch zum Stammpersonal der U19 gehörte, besetzte die zweite Innenverteidiger-Position neben Farouk Cisse, und Kamara sollte das zentrale Mittelfeld stabilisieren. Bekir El-Zein, der beim 3:0-Sieg in Oberhausen alle Tore erzielt hatte, blieb in der Startelf. Julian Rijkhoff, der nach seinen drei Länderspieleinsätzen für die Niederlande über leichte muskuläre Probleme klagte, nahm zunächst auf der Bank Platz neben Torwart Daniel Dudek, Colin Kleine-Bekel, Mengot, Tekin Gencoglu, Noah Mrosek und Vasco Walz.

Besiktas gab nach Rückstand nicht auf

Es dauerte einige Zeit, bis sich die Mannschaft gefunden hatte und die von Mike Tullberg eingeforderte Intensität ins Spiel brachte. „Leider war es mitunter auch ein wenig vogelwild. Man hat gemerkt, dass wir schon lange nicht mehr auf diesem Niveau gespielt haben und einigen Jungs auch die Spielpraxis fehlte. Wir hätten die Räume, die uns Besiktas angeboten hat, besser nutzen können,“ befand Mike Tullberg. Den frech aufspielenden Türken gelang es, Borussias Abwehr immer wieder in Bedrängnis zu stürzen.

Die Gastgeber hatten sich auch von Borussias Doppelführung nicht groß beeindrucken lassen und erarbeiteten sich wieder Spielvorteile. Und so kam es, wie es (fast) kommen musste. Nachdem ein Schuss von Yagci noch abgeblockt worden war, setzte Emirhan Ilkhan den Ball nach einer guten Stunde zum abermaligen Ausgleich in die Maschen.

Mike Tullberg reagierte, stellte auf ein 3-5-2-System um mit zwei offensiv ausgerichteten Außenverteidigern. Vasco Walz kam für Kamara ins Team, und Juliam Rijkhoff ersetzte den diesmal nicht ganz so wirkungsvollen El-Zein. Der Cheftrainer, der zwei weitere Wechsel vornahm (Noah Mrosek für Samuel Bamba und Colin Kleine-Bekel für Lion Semic), bewies ein glückliches Händchen. Denn Julian Rijkhoff traf in der 85. Minute nach Vorlage von Bradley Fink zum 3:2 und belohnte damit auch den Aufwand der Mannschaft, die in der Schlussphase alle Kräfte mobilisiert hatte.

Spiel war kurzfristig noch verlegt worden

Vor dem Anstoß hatte es noch mächtig Aufregung gegeben. Denn die Partie fand nicht – wie ursprünglich geplant – im Yusuf Ziya Önis-Stadion statt, sondern war in den asiatischen Teil der Stadt, ins Dorf Riva, verlegt worden. Weil im Yusuf Ziya Önis-Stadion die Abmessungen der Tore nicht UEFA-Standard entsprochen hatten, musste die Partie, die mit 30-minütiger Verspätung angepfiffen wurde, auf der Anlage des Türkischen Fußball-Verbandes ausgetragen werden. „Wir haben versucht, die Ruhe zu bewahren und uns von den äußeren Umständen nicht beeinflussen zu lassen“, sagte Mike Tullberg, nachdem die Mannschaft das Abschlusstraining noch auf dem ursprünglich vorgesehenen Austragungsort absolviert hatte.

Am Ende war es auch egal, das Hin und Her in den Stunden vor dem Anpfiff kein großes Thema mehr. Unsere Jungs haben einen tollen Start in die UEFA Youth League hingelegt und erwarten am Dienstag, 28. September, Sporting Lissabon als Tabellenführer. Sporting und Ajax Amsterdam trennten sich im Parallelspiel 1:1.

Doch zunächst geht es in der Bundesliga weiter. Sonntag kommt der SC Paderborn zum ersten Heimspiel der Saison ins NLZ nach Brackel (Anstoß 11 Uhr).

BVB: Kirsch – Semic (82. Kleine-Bekel), Cisse, Thaqi, Rothe – Kamara (62. Walz), Gürpüz, Lütke-Frie – El-Zein (62. Rijkhoff), Bamba (82. Mrosek)– Fink.

(wiwi)