Vierter Sieg im vierten Pflichtspiel, aber es bedurfte einer ganz starken Willensleistung, ehe der 3:1-Erfolg gegen den SC Paderborn unter Dach und Fach war. Denn die Gäste waren ihrem guten Ruf vollauf gerecht geworden und ein bis zum Abpfiff höchst unangenehmer Gegner.

„Eine bestens strukturierte Mannschaft mit einem klaren Spielplan,“ hatte Mike Tullberg im Vorfeld über die Paderborner geurteilt. Und genau so präsentierten sie sich im NLZ Brackel. Vor allem in der Schlussphase, als bei den Borussen zum Ende der strapaziösen „Englischen Woche“ zusehends die Kräfte schwanden und die Ostwestfalen mit ihrem aggressiven Anlaufen die Schwarzgelben einige Male in Verlegenheit stürzten.

„Ich muss den Jungs ein Riesen-Kompliment aussprechen. Sie haben in den letzten 21 Tagen sieben Spielen in vier Wettbewerben bestritten – und das nach fast anderthalbjähriger Corona-Pause. Sie waren am Ende nur noch müde“, befand ein glücklicher Mike Tullberg nach diesem Kraftakt. In drei, vier Wochen, „wenn sich die Mannschaft an den Rhythmus gewöhnt hat, werden wir weiter sein“, versichert er. Zumal dann auch Nnamdi Collins und Isaak Nwachukwu zurück sein werden. Sie sollen in Kürze ins Mannschaftstraining einsteigen Der ebenfalls verletzte Jamie Bynoe-Gittens wird allerdings erst Anfang November den Spielbetrieb wieder aufnehmen können.

Gegenüber dem 3:2 von Istanbul hatte Mike Tullberg moderat gewechselt. Auf der linken Defensivseite ersetzte Noah Mrosek den leicht erkrankten Tom Rothe, Colin Kleine-Bekel rückte wieder in die Innenverteidigung, und Julian Rijkhoff stürmte statt Bekir El-Zein neben Bradley Fink. Den Borussen gelang ein Start nach Maß: Einen schnellen Angriff über links schloss Noah Mrosek mit einer feinen Flanke ab, der Ball wurde von der Paderborner Abwehr zu kurz abgewehrt, und Bradley Fink erzielte mit einem platzierten Schuss das 1:0.

Fink und Rijkhoff trafen zur 2:0-Führung

Diese frühe Führung spielte den Dortmunder Jungs natürlich in die Karten. Sie gestalteten die Partie dominant, mussten aber bis zur 33. Minute auf Treffer Nummer zwei warten, nachdem Samuel Bamba nach einer Viertelstunde noch eine Großchance nicht nutzen konnte. Der BVB kombinierte sich durchs Zentrum, Göktan Gürpüz legte auf, und diesmal vollendete Julian Rijkhoff. Alles schien nach Plan zu verlaufen, bis in der 43. Minute Schiedsrichter Alexander Rosenhagen den Gästen einen Elfmeter zusprach, den Koray Dag verwandelte.

Der Anschlusstreffer zwang das Team wieder zu erhöhter Wachsamkeit gegen diesen höchst unangenehmen Gegner, der sich nicht am eigenen Strafraum verbarrikadierte, sondern immer bemüht war, offensiv zu verteidigen, um den Spielfluss der Schwarzgelben möglichst schon im Ansatz zu stoppen. Das 3:1 fiel deshalb zum richtigen Zeitpunkt: Colin Kleine-Bekel köpfte nach einem Freistoß den Ball über Paderborns Nico Willeke in die Maschen. Der BVB verpasste danach die endgültige Entscheidung. Julian Rijkhoff und Göktan Gürpüz hatten sie auf dem Fuß – und Bradley Fink mit einem Kopfball, den Willeke an die Latte lenkte (62.).

Tullberg: „Mannschaft hat alles gegeben“

Paderborn indes steckte nie auf, setzte auch in der Schlussphase den ballführenden Dortmunder unter Druck und war in der 75. Minute dem zweiten Tor ganz nahe. Doch Marian Kirsch verhinderte es mit einer Glanzparade gegen den starken Sayin, und der eingewechselte Joel Westheide setzte den Ball knapp neben den Pfosten. Letztlich überstanden die Borussen auch die letzte heikle Phase. „Die Mannschaft hat in der zweiten Halbzeit alles gegeben und sich total verausgabt“ konstatierte Mike Tullberg.

Am Ende stand ein 3:1-Sieg, mit dem der BVB auf Grund der etwas besseren Tordifferenz die Tabellenführung vor den punktgleichen Schalke 04 und Rot-Weiss Essen übernommen hat. Am kommenden Samstag gastiert das Tullberg-Team bei Fortuna Köln.

BVB: Kirsch – Semic (85. Gencoglu), Cisse, Kleine-Bekel, Mrosek (80. Husseck) – Bamba (67. El-Zein), Walz, Lütke-Frie, Gürpüz – Fink, Rijkhoff (85. Dühring).

Wilfried Wittke