Am Ende fehlten das Quäntchen Glück, vielleicht ein Schuss Zielstrebigkeit oder auch Konsequenz im Tor-Abschluss: Es war für unsere Jungs mehr möglich als dieses 0:0 am zweiten Spieltag der UEFA Youth League gegen Sporting Lissabon. Aber auch die Gäste aus Portugal reklamierten für sich einige gute Chancen.

Die 600 Zuschauer, unter ihnen Sebastian Kehl, Edin Terzic, DFB-Trainer Hannes Wolf und Sven Mislintat, der Sportvorstand des VfB Stuttgart, erlebten auf Platz eins des NLZ in Brackel eine intensive, umkämpfte und hoch interessante Partie. Mike Tullberg hatte nicht nur auf die verletzten Nnamdi Collins, Jamie Bynoe-Gittens und Issak Nwachukwu verzichten müssen. Wie befürchtet, meldete sich auch der angeschlagene Göktan Gürpüz vom Spielbetrieb ab. Dazu erhielten Farouk Cisse und Julian Rijkhoff eine Verschnaufpause. Albin Thaqi, Leihgabe der U23, verteidigte im Zentrum neben Colin Kleine-Bekel, das Mittelfeld besetzten Abdoulaye Kamara, dem man fehlende Spielpraxis deutlich anmerkte, Kapitän Dennis Lütke-Frie und Vaso Walz. Die offensiven Außenpositionen nahmen Samuel Bamba und Bekir El-Zein ein, vorne stürmte Bradley Fink.

Lissabon kam deutlich besser ins Spiel, ohne große Torgefahr zu entwickeln. Die erste Möglichkeit eröffnete sich dennoch den Gästen, als Schiedsrichter Manfredas Lukjancukas aus Litauen ihnen einen Freistoß direkt vor der Strafraumlinie zusprach. Tom Rothe allerdings blockte den von Dias geschossenen Ball ab und verhinderte Schlimmeres. Danach übernahmen die Schwarzgelben die Spielkontrolle und stürzten die Portugiesen stets dann in Verlegenheit, wenn es ihnen gelang, im letzten Drittel ihr schnelles Kombinationsspiel zu initiieren und Passfehler zu minimieren.

Samuel Bamba scheitert am Sporting-Torhüter

Wie in der 18. Minute. Bradley Fink gelang ein Zauberpass auf Samuel Bamba, der aus etwas spitzem Winkel aber am prächtig reagierenden Calai Silva im Sporting-Tor scheiterte. Zuvor hatte die BVB-Bank Elfmeter gefordert, als Lion Semic von Dos Nazinho von den Beinen geholt wurde. Der Unparteiische bewertete diese Aktion aber als „faires Tackling“.

Es folgte die bis zum Abpfiff größte Chance dieses unterhaltsamen Youth-League-Spiels: Samuel Bamba hatte sich auf der rechten Seite Platz verschafft, seine punktgenaue Hereingabe kam zum völlig freistehenden Bradley Fink, der das Spielgerät indes überhastet am linken Pfosten vorbeischoss. „Dieses Tor macht er normalerweise im Schlaf“, kommentierte NLZ-Direktor Lars Ricken, der beim Seitenwechsel ein deutlichen Chancenplus für den BVB registrierte.

So ging es zunächst im zweiten Durchgang weiter. Und erneut hatte Bradley Fink den Führungstreffer auf dem Fuß, doch nach schöner Kombination über Dennis Lütke-Frie und Vasco Walz schoss er über die Latte (50.). Glücklos im Abschluss blieben später ebenso Samuel Bamba (67.) und Bekir El-Zein (68.). Borussias Aktionen wirkten nicht mehr so zielstrebig und präzise wie noch in der ersten Hälfte, auch weil Sporting resolut wie robust die Zweikämpfe führte und in der Offensive deutlich mehr Druck ausübte. Marian Kirsch wehrte mit einer Flugeinlage einen tückischen Distanzschuss von Travassos ab (74.), und wenig später fischte Kirsch den von Mateus Fernandes geschossenen Ball aus dem rechten Eck.

Sonntag in der Bundesliga gegen Duisburg

Mike Tullberg brachte in der Endphase mit Ayukayoh Mengot (72.), Farouk Cisse (77-) und Julian Rijkhoff (84.) frische Kräfte und setzte damit das Signal, noch einmal alles zu versuchen, um drei Punkte in Dortmund zu behalten. Mengot kam nach einer feinen Einzelleistung tatsächlich zum Abschluss, traf aber das Tor nicht, wie später auch Dennis Lütke-Frie (90.) und Bradley Fink (90 + 3).

Mit dem 0:0 bleibt der BVB in einer guten Ausgangsposition. Am Dienstag, 19. Oktober, kommt es nun zum Spitzenspiel gegen Ajax Amsterdam (3:1-Sieger gegen Besiktas Istanbul). Doch vorher müssen die Jungs ihre Hausaufgaben in der Bundesliga erledigen. Schon am Sonntag (11 Uhr) gegen den MSV Duisburg.

BVB: Kirsch – Semic, Thaqi, Kleine-Bekel, Rothe – Kamara (77. Cisse), Lütke-Frie, Walz – Bamba (84. Rijkhoff), El-Zein (72. Mengot) – Fink.

Wilfried Wittke