Es begann vielversprechend und endete mit einer Enttäuschung. Schon den ersten Angriff schloss Tom Rothe mit dem Führungstreffer zum 1:0 ab, doch beim Abpfiff hatten die Jungs von Mike Tullberg mit dem 1:1-Unentschieden zwei Punkte verloren und die Chance verpasst, den FC Schalke 04 (2:2 bei Bayer Leverkusen) als Tabellenführer abzulösen. Dazu verlängert Lion Semic die Liste der Verletzten.

Mike Tullberg war nicht müde geworden, vor Stärke und Kompaktheit dieses Gegners zu warnen, der bereits beim verdienten 2:2 in Leverkusen Duftmarken gesetzt und sich nicht allein auf eine kompakte Defensive verlassen hatte. Ihrem guten Ruf wurden die Duisburger auch im Nachwuchs-Leistungszentrum Brackel vollauf gerecht. Die Mannschaft versteckte sich nicht und gestaltete aus einer funktionierenden Grundordnung heraus ein mutiges Offensivspiel, das auf einer enormen Laufleistung basierte.

Der BVB hatte seine derzeit stärkste Elf aufgeboten mit den erwarteten personellen Änderungen nach dem 0:0 gegen Sporting Lissabon in der UEFA Youth League. Farouk Cisse rückte wieder in die Innenverteidigung, Göktan Gürpüz übernahm nach seiner Verletzungspause die Regie im Mittelfeld, und Julian Rijkhoff stürmte neben Bradley Fink. Es schien auch alles in die richtige Richtung zu laufen, denn bereits nach zwei Minuten durfte Schwarzgelb jubeln, als Tom Rothe ein exaktes Zuspiel von Bradley Fink mit dem Treffer zum 1:0 abschloss. Kurze Zeit später verpasste Julian Rijkhoff die Chance, nach Zuspiel von Göktan Gürpüz auf 2:0 zu erhöhen.

Aber die Duisburger schüttelten sich nur kurz und deuteten mit dem feinen Distanzschuss von Caspar Jander (13.) an, dass sie nicht gewillt waren, dem BVB widerstandslos die Punkte zu überlassen. Während die Gäste mit dem agilen Ex-Dortmunder Ken Mata in der Angriffsspitze aufs Tempo drückten, wirkten Borussias Aktionen eher behäbig und nicht geprägt von Einfallsreichtum.

„Wir haben das Spiel 35 Minuten kontrolliert, dann mit einfachen Ballverlusten und über gegnerische Standards die Duisburger aufgebaut“, ärgerte sich Mike Tullberg über die sorglose Herangehensweise seines Teams. Flüssige Kombinationen blieben rar, ebenso packende Aktionen im MSV-Strafraum. Göktan Gürpüz vertändelte zwei Halbchancen, doch die Schwarzgelben fanden zu selten den direkten Weg in Richtung Duisburger Tor. Erst recht, nachdem sich Lion Semic in der 22. Minute nach einem feinen Solo am Oberschenkel verletzt hatte und mit einem Muskelfaserriss längere Zeit auszufallen droht.

Kirsch hielt toll – Mrosek rettete auf der Linie

Noah Mrosek, sein Nachfolger, verhinderte in der 40. Minute nach einem Eckball auf der Torlinie den Ausgleich, und Marian Kirsch hielt mit einer großartigen Reaktion nach einem Schuss von Elias Opoku die dann glückliche Pausenführung fest. „Wir haben viel Luft nach oben“, befand Edwin Boekamp, der Leiter der Nachwuchsabteilung.

Obwohl Mike Tullberg zum Seitenwechsel eine taktische Korrektur vornahm und Bekir El-Zein für den wirkungslosen Julian Rijkhoff einwechselte, wurde Borussias Spiel nicht besser. Der MSV gab weiter den Ton an, weil sich der BVB im Umschaltspiel mit Passfehlern selbst im Wege stand. Ken Mata gelang in der 61. Minute ein ansehnliches Solo, sein Schuss ging knapp am Pfosten vorbei, und Dortmunds Abwehr geriet unter Dauerdruck.

 Auf der anderen Seite mühten sich die Borussen, doch offenbar fehlte ihnen am Ende der zweiten „Englischen Woche“ die Frische, um die Wende zu erzwingen. Dennis Lütke-Frie versuchte einen eher halbherzigen Abschluss (64.), Duisburg blieb indes am Drücker und wurde in der 74. Minute belohnt: Marian Kirsch hatte den Ball nach Janders Schuss mit einer weiteren Glanzparade zur Ecke abgewehrt, die daraus resultierende Standardsituation nutzte der vom BVB unbehelligte Luca Nikolai zu seinem ersten Saisontor und dem verdienten 1:1-Ausgleich. „Ich habe noch in der Pause vor den Duisburger Standards gewarnt, wir haben den Eckball dennoch schlecht verteidigt“, rügte Tullberg.

Rothe und Mengot vergaben letzte Chancen

Erst in der Schlussphase, als bei den Gästen die Kräfte schwanden und Ayukayoh Mengot frischen Wind ins Angriffsspiel brachte, geriet Duisburg noch in die Bredouille. Doch weder Tom Rothe per Kopfball noch der eingewechselte Mengot gelang es, den guten MSV-Torwart David Wieczorek zu überwinden. „Ich habe den Jungs gesagt, dass wir solche Spiele nicht gewinnen, wenn wir nicht in der Lage sind, körperlich an unsere Grenzen zu gehen und eine Führung mit Leidenschaft zu verteidigen“, resümierte Mike Tullberg

Am nächsten Spieltag (16. Oktober) gastiert der BVB bei Arminia Bielefeld, zuvor muss er am kommenden Wochenende mit einem wegen der Nationalmannschafts-Abstellungen arg ausgedünnten Kader das Halbfinale im NRW-Liga-Pokal bei Rot-Weiss Essen bestreiten.

BVB: Kirsch – Semic (23. Mrosek), Cisse, Kleine-Bekel, Rothe – Bamba (76. Mengot), Lütke-Frie, Gürpüz, Walz – Rijkhoff (46. El-Zein), Fink.

Wilfried Wittke