Es war ein verrücktes Spiel: Mike Tullbergs Jungs vergaben Chancen über Chancen – und am Ende mussten sie froh und glücklich sein über den 2:1-Sieg bei Arminia Bielefeld. „Bis zur 88. Minute war ich hoch zufrieden mit der Mannschaft, aber die letzten Minuten haben mich richtig geärgert“, resümierte Tullberg.

Denn in der Schlussphase hatten die Schwarzgelben einen unfassbaren Blackout. Colin Kleine-Bekel sah die Rote Karte, Arminias Julian Frommann verschoss einen Foulelfmeter, und fast mit dem Abpfiff gelang den Gastgebern nach einem weiteren Abwehrschnitzer doch noch der Ehrentreffer durch Vladislav Cherny. „Bis dahin haben wir das beste Saisonspiel gezeigt. Unsere Chancen hätten gereicht, um alle Spiele der Hinrunde zu gewinnen“, ärgerte sich Mike Tullberg über die Tor-Ausbeute.

Die Partie am Bielefelder „Böllhof“ lief so, wie man es erwartet hatte. Der BVB dominierte, hatte deutlich mehr Ballbesitz, die Arminia setzte der fußballerischen Überlegenheit des Gastes defensive Kompaktheit und Leidenschaft entgegen. Das Spiel lief in Richtung Einbahnstraße, auch weil die Schwarzgelben den Bielefeldern, die auf Leichtsinnsfehler des Gegners warteten, kaum Konterchancen eröffneten.

Mike Tullberg hatte erwartungsgemäß seinen Vielspielern Dennis Lütke-Frie und Bradley Fink zunächst eine Pause gegönnt. Beide wurden in der zweiten Halbzeit eingewechselt. Sein Saisondebüt in der Bundesliga gaben der genesene Innenverteidiger Nnamdi Collins und Mittelfeldmann Abdoulaye Kamara, als Angriffsspitze stand Julian Rijkhoff in der Start-Elf. Es fehlten weiterhin die verletzten Jamie Bynoe-Gittens und Lion Semic sowie der mittlerweile ins Training zurückgekehrte Isaak Nwachukwu. Bekir El-Zein ersetzte Semic auf der rechten defensiven Außenbahn. Die Bank hatte Tullberg neben Lütke-Frie und Fink mit Torhüter Silas Ostrzinski sowie den Feldpielern Michel Ludwig, Jonah Husseck, Ayukayoh Mengot und Noah Mrosek besetzt.

Die Dortmunder Jungs gaben vom Anpfiff an Rhythmus und Tempo vor, allerdings machten sie sich das Leben wieder einmal selbst schwer. Sie ließen reichlich Möglichkeiten liegen, um früh in Führung zu gehen. Samuel Bamba und Tom Rothe vergaben in der 9. Minute eine Doppel-Chance. Es dauerte bis zur 20. Minute, ehe Julian Rijkhoff das überfällige 1:0 erzielte. Der niederländische U17-Nationalspieler hätte das Ergebnis bis zur Pause noch höher schrauben können, doch der Ball wollte einfach nicht ins gegnerische Tor.

Kamara im Mittelfeld mit starker Leistung

Das Bild änderte sich nach der Pause nicht. Die Borussen agierten drückend überlegen, doch es gelang ihnen nicht, das Spielgerät über die Linie zu bugsieren. Es war wie verhext. Erst Bradley Fink gelang in der 75. Minute das 2:0, das Göktan Gürpüz und Tom Rothe bestens vorbereitet hatten. Die mangelhafte Chancenverwertung rächte sich in der Schlussphase, als die Arminia plötzlich Morgenluft witterte und die Borussen noch in schwere Bedrängnis stürzten.

„Das war komplett überflüssig“, kommentierte Mike Tullberg. Am Ende aber standen drei Punkte auf dem Konto und bis Sonntag die Tabellenführung. Was Tullberg besonders freute: Abdoulaye Kamara, der bisher mit den U19-Kollegen noch ein wenig gefremdelt hatte, bot im Mittelfeld eine ganz starke Leistung.

Auch das macht Hoffnung für den Auftritt in der UEFA Youth League am Dienstag beim Gruppenersten Ajax Amsterdam.

BVB: Kirsch – El-Zein (80. Mrosek), Collins, Kleine-Bekel, Rothe – Walz (63. Lütke-Frie), Cisse,  Gürpüz, Kamara-Bamba (63. Mengot),  – Rijkhoff (46. Fink).

(wiwi)