Die phänomenale Serie ist gerissen: Borussias U19 hat in Lissabon die erste Auswärtsniederlage unter der Leitung von Mike Tullberg kassiert. Trotz des 2:3 gegen Sporting CP hat die Mannschaft noch die Möglichkeit, in der UEFA Youth League zu überwintern und dann über eine Play-off-Runde das Achtelfinale zu erreichen. Dazu ist allerdings ein Sieg im letzten Gruppenspiel gegen Besiktas zwingend notwendig.

„Wir können in 13 Tagen selbst entscheiden, ob wir 2022 noch dabei sind“, sagte Mike Tullberg nach der unglücklichen Niederlage gegen eine starke portugiesische Mannschaft, die allerdings auch die Hilfe des Schiedsrichters benötigte, um dieses Duell für sich zu entscheiden. AFC Ajax ist mit jetzt 10 Punkten Tabellenführer, Sporting CP (8) Zweiter und der BVB (7) Dritter.

Die Amsterdamer hatten im Parallelspiel ein 1:0 bei Besiktas vorgelegt und damit die Borussen unter Druck gesetzt. Nur mit einem Sieg in Lissabon hätten sie die Chance auf den Gruppensieg und damit die direkte Qualifikation für das Achtelfinale wahren können. Der ist jetzt nicht mehr möglich, aber Rang zwei wäre in dieser erstklassig besetzten Gruppe auch ein feiner Erfolg.

Der BVB erwischte im Stadium Aurelio Pereira in Alcochete den besseren Start. Mike Tullberg hatte den Gegner mit der Aufstellung von Jamie Bynoe-Gittens überrascht - und damit einen Glücksgriff getan. Denn der schnelle Engländer leitete in der 22. Minute ein perfektes Umschaltspiel ein und schloss es mit dem Treffer zum 0:1 ab, nachdem sich Bradley Fink klug aus dem Angriffszentrum gelöst und Bynoe-Gittens dann mustergültig in Szene gesetzt hatte.

Die Borussen-Führung war zu diesem Zeitpunkt hoch verdient. Die von Tullberg wieder bestens eingestellte Mannschaft dominierte die Anfangsphase und erspielte sich zwei gute Möglichkeiten. Nach einer Kopfballvorlage von Tom Rothe schoss Abdoulaye Kamara knapp am linken Pfosten vorbei (10.). In der 16. Minute vergaben Bradley Fink und Samuel Bamba eine Doppelchance, und die Portugiesen stoppten Bambas couragierten Sololauf, bevor er in bester Position zum Abschluss gekommen wäre.

Ein reguläres Fink-Tor aberkannt

Der Rückstand rüttelte Sporting allerdings wach. Silas Ostrzinski hielt erst einen tückischen Aufsetzer von Renato Veiga, in der 23. Minute allerdings musste er sich geschlagen geben, als Miguel Menino von der rechten Seite flankte und Youssef Chermiti zum Ausgleich einköpfte. „Da sind wir ein bisschen eingeschlafen“, rügte Tullberg das zaghafte Abwehrverhalten. Der BVB geriet danach in Bedrängnis. Einen indirekten Freistoß aus zehn Metern meisterte Ostrzinski bravourös – und es dauerte eine gute Viertelstunde, bis die Schwarzgelben wieder ihren anfänglichen Rhythmus fanden. Sie haderten dann zu Recht mit dem spanischen Schiedsrichter Jose Luis Munuera, der in der 40. Minute ein sehr schön herausgespieltes Tor von Bradley Fink aberkannte, weil Passgeber Tom Rothe angeblich im Abseits stand. Ein Video-Schiedsrichter hätte diese Entscheidung vermutlich korrigiert.

Stattdessen kassierten die Dortmunder Jungs in der 56. Minute das 1:2, vorbereitet von Mateus Fernandes, abgeschlossen von Miguel Menino und verursacht von einer Abwehr-Fehlerkette. „So kann ich auf diesem Niveau nicht verteidigen, da fehlten Wucht und Körpereinsatz“, mäkelte Tullberg. Zum schlechten Start in den zweiten Durchgang passte auch Bambas Oberschenkelverletzung ohne Einwirkung eines Gegenspielers. Mike Tullberg musste deshalb bereits nach 48 Minuten Isaak Nwachukwu einwechseln. Bamba hatte bis dahin für mächtig Betrieb auf der rechten Seite gesorgt. Wenig später endete auch der Youth-League-Einstand von Bynoe-Gittens, der andeutete, welch große Verstärkung er für diese Mannschaft sein wird. Für den Torschützen kam Bekir El-Zein.

Entscheidung in der 81. Minute

Der BVB spielte nach dem Rückstand Sekt oder Selters, mit Julian Rijkhoff für Dennis Lütke-Frie und entblößter Abwehr. Riesen-Pech, dass Sporting-Torhüter Diego Callai mit einer tollen Parade gegen Colin Kleine-Bekel den Ausgleich verhinderte und sich auch Göktan Gürpüz bei einem Zweikampf verletzte. Statt 2:2 hieß es in der 81. Minute 1:3. Rodrigo Ribeiro schlängelte sich wie ein Slalomläufer durch Borussias Abwehr, Ostrzinski wehrte den Ball ab, aber der Portugiese setzte entschlossen nach und sorgte für die Entscheidung in dieser Partie, die für die Schwarzgelben so unglücklich verlaufen war.

Der Treffer von Bradley Fink in der 3. Minute der Nachspielzeit nach Hereingabe von Bekir El-Zein kam zu spät, um noch den Ausgleich zu erzwingen. Gegen Besiktas geht es nun am Dienstag, 7. Dezember, um den zweiten Platz, der zur Teilnahme an den Play-offs berechtigt. „Wir müssen jetzt schnell den Mund abputzen und uns gut auf das Spiel am Sonntag gegen Fortuna Düsseldorf vorbereiten“, blickte Mike Tullberg bereits auf das Wochenende. Dann gilt es, in der Bundesliga die Tabellenführung zu verteidigen.

BVB: Ostrzinski – Cisse, Collins, Kleine-Bekel, Rothe – Kamara, Lütke-Frie (72. Rijkhoff) – Bamba (48. Nwachukwu), Gürpüz, Bynoe-Gittens (61. El-Zein) – Fink.

Wilfried Wittke