Eines ambitionierten Saisonziele ist erreicht: Borussias U19 überwintert als einziger deutscher Vertreter in der UEFA Youth League und qualifizierte sich mit einem starken 6:2-Sieg gegen Besiktas für die dem Achtelfinale vorgeschaltete Play-off-Runde. Gegner ist ein Team aus dem „Meisterweg“, der parallel unter den nicht in der „Königsklasse“ startenden Landesmeistern ausgetragen wird.

Es war ein hoch interessantes Offensiv-Spektakel im Nachwuchs-Leistungszentrum Brackel. Die Gäste steckten trotz früher Rückstände nie auf und profitierten dabei von ungewohnten Nachlässigkeiten im Defensivbereich der Schwarzgelben. Letztlich entschied Borussias Qualität in der Offensive diese sehenswerte und unterhaltsame Partie. Der BVB schloss die Gruppe C mit zehn Punkten und dem zweiten Tabellenplatz ab. Sporting CP (11 Punkte) gewann das Parallelspiel mit 3:2 beim AFC Ajax (10 Punkte) und zog als Gruppensieger direkt ins Achtelfinale ein

„Ich muss vor der Mannschaft den Hut ziehen. Die Jungs haben alles rausgehauen. Was sie bisher geleistet haben, ist einfach herausragend. Es war nicht einfach gegen einen Gegner, der nichts zu verlieren hatte“, strahlte Mike Tullberg nach dem Abpfiff. Gleich drei Spieler schnürten einen Doppelpack: Julian Rijkhoff, Jamie Bynoe-Gittens und Abdoulaye Kamara.

Die Borussen legten im Gruppen-Finale mit Endspiel-Charakter los wie die Feuerwehr und überrannten Besiktas in den Anfangsminuten. Der erste sauber vorgetragene Angriff führte direkt zum 1:0. Göktan Gürpüz leitete das Umschaltspiel perfekt mit einem Pass auf Bradley Fink ein. Dessen Hereingabe schloss Julian Rijkhoff erfolgreich ab. Gut 120 Sekunden später das 2:0: Ausgangspunkt war wieder Gürpüz, der Jamie Bynoe-Gittens in Szene setzte. Der an diesem Nachmittag wieder bärenstarke Engländer tanzte im Strafraum seinen Gegenspieler aus, und der noch leicht abgefälschte Ball senkte sich ins Tor. Wenig später hätten die Schwarzgelben das Ergebnis sogar auf 3:0 stellen können, doch Bradley Fink schoss nach feiner Vorlage von Julian Rijkhoff über die Latte.

Gute Reaktion auf Anschlusstreffer

Mike Tullberg hatte schon im Vorfeld vor Besiktas‘ starker Offensivabteilung gewarnt. Und die setzte in der Tat einige Duftmarken. So eröffnete sich Demir nach 11 Minuten die erste Großchance. Marian Kirsch, der für den zu den Profis abgestellten Silas Ostrzinski das Tor hütete, war bereits geschlagen, doch Nnamdi Collins schlug den Ball kurz vor Überschreiten der Linie noch aus der Gefahrenzone. Die nächste Möglichkeit zum Anschlusstreffer, begünstigt durch einen individuellen Abwehrfehler, nutzte Koray Yagel in der 31. Minute. „Unsere Defensivarbeit hat mir diesmal nicht so gut gefallen“, bemerkte Mike Tullberg. Dafür aber die Reaktion des Teams, das nicht den Kopf in den Sand steckte und noch vor dem Halbzeitpfiff durch Kamara den alten Abstand wiederherstellte. Die Vorarbeit hatten Fink und Bynoe-Gittens geleistet.

Ähnlich der Verlauf der zweiten Halbzeit und die Reihenfolge der Dortmunder Torschützen: Ein von Julian Rijkhoff vollendeter Blitzstart (46. Minute), ein erneutes Aufbäumen der Gäste mit dem Treffer zum 2:4 (Ilkhan, 58. Minute), die prompte Antwort von Bynoe-Gittens zum 5:2 – und der Schlusspunkt, den Kamara in der 79. Minute setzte. „Die Jungs haben unseren Plan sehr gut umgesetzt und die Räume genutzt, die der Gegner  geboten hat. Sie sollen das jetzt genießen“, resümierte der rundherum zufriedene Mike Tullberg und spendierte ihnen zwei „Ruhetage“.

Dann beginnt die Vorbereitung auf das letzte große Spiel des Jahres 2021. Sonntag kommt Hannover 96 zum Viertelfinalspiel im DFB-Pokal ins NLZ nach Brackel (Anstoß 15 Uhr). Das Ziel ist klar definiert. „Wir wollen auch in diesem Wettbewerb überwintern“, erklärt Mike Tullberg.

BVB Kirsch – Cisse, Collins, Kleine-Bekel, Rothe – Kamara (82. Ludwig)– Bynoe-Gittens (65. Mengot), Lütke-Frie, Rijkhoff, Gürpüz (46. El-Zein) – Fink (69. Walz).

Wilfried Wittke