Im Fußball sprechen die Spieler und Trainer oft von „blinden“ Verständnis, wenn die Mannschaft gut zusammenspielt und der Ball durch die eigenen Reihen läuft. Doch wie fühlt es sich eigentlich an, wenn die Spieler wirklich nichts sehen können?

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Das probierten in den vergangenen Tagen die Teilnehmer des „Ü18 Bildungsprogramms“ des BVB einmal aus. Im Rahmen dieses Programms organisieren die pädagogischen Mitarbeiter des BVB-Nachwuchses, Lea Lo Forte und Matthias Röben, immer wieder etwas neues, damit die jungen Spieler auch aus dem Mikrokosmos Fußball herausblicken können. Und so trafen sich an diesem Tag die Teilnehmer des Programms, einige Spieler der U19 und U23 des BVB, mit zwei Vertretern der neuesten Abteilung des BVB.

Seit gut zwei Jahren wird nun auch Blindenfußball unter dem Dach von Borussia Dortmund organisiert und gespielt. Die beiden Vertreter der Abteilung, Conny Dietz und Hasan Caglikalp, zeigten den Jungkickern wie schwer und herausfordernd es ist, sich nicht auf seine Augen verlassen zu können. Mit blickdichten Brillen übten die Spieler erst einmal die Annahme des Balls, das passen und schießen. „Sich nur auf das Gehör verlassen zu können, ist schon wahnsinnig schwierig. Da merkt man, wie wichtig es ist, sehen zu können“, sagte Robin Kehr, Stürmer der U19. Im Ball befinden sich einige Metallrasseln, damit der Ball hörbar wird. Zu Beginn taten sich die Jungs mit der für sie ungewohnten Situation schwer, aber je länger sie zusammenspielten, desto besser lief der Ball. Beim Blindenfußball spielen üblicherweise vier gegen vier plus einem sehendem Torwart. Bei den Feldspielern werden die unterschiedlichen Sehstärken durch die Augenklappen ausgeglichen, die nun auch die BVB-Spieler trugen. Während des Spiels ist die Kommunikation untereinander sehr wichtig, so müssen die Spieler, die sich dem Ball nähern, immer wieder „Voy!“ (spanisch für „ich komme“) rufen, damit der ballführende Spieler sich darauf einstellen kann, dass sich ein Gegenspieler nähert. Hinter dem Tor stehen sehende „Guides“, die ihren angreifenden Mitspielern die Torentfernung mitteilen.

„Ich habe viel Respekt, dass sich die blinden Sportler hier wirklich blind mit dem Ball bewegen und uns so einiges vormachen konnten“, so Jonas Hupe, Torwart der U23. Es war eine außergewöhnliche Erfahrung für die jungen Sportler des BVB, die sich das zuvor nur schwer vorstellen konnten, sich nur auf das Gehör und die Hilfe anderer zu verlassen, um einen Ball ins Tor zu bringen. So ungewohnt und vielleicht auch ernst es zunächst war, umso mehr lachten die Jungs hinterher alle miteinander und dribbelten blind über den Platz. Dabei verloren sie den einen oder anderen Zweikampf gegen Hasan und Conny.

(JV)