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U19

Trainer

Benjamin Hoffmann

Die Voraussetzungen bei seinem Einstieg als Trainer der U19 im September 2016 waren denkbar schlecht. Aber wer vermutet hatte, Benjamin Hoffmann würde sich damit begnügen, die realistischen Vorgaben der Abteilungsleitung zu erfüllen, „die Saison vernünftig zu Ende zu bringen“, der unterschätzt(e) Fähigkeiten und Ehrgeiz des hochqualifizierten Fußball-Pädagogen. In der Schlussabrechnung stand keine zufriedenstellende Platzierung in der Bundesliga, sondern die siebte Deutsche A-Juniorenmeisterschaft des BVB. Eine Sensation, allein schon wegen der turbulenten Vorgeschichte. „Eine außergewöhnliche, nicht hoch genug zu bewertende Leistung, vor der ich nur den Hut ziehen kann“, applaudierte Nachwuchskoordinator Lars Ricken Team und Trainer.

In der Folgesaison unterstrich Hoffmann, dass dieser Triumph kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis harter und seriöser Trainingsarbeit war. Borussias U19 scheiterte erst im Halbfinale am späteren Meister Hertha BSC Berlin. Letztlich unglücklich. Denn nach der 0:4-Hinspielniederlage in der Hauptstadt ging der BVB im Rückspiel mit 3:0 in Führung, hatte das Elfmeterschießen vor Augen und kassierte in der Schlussphase nach einem der wenigen Berliner Konter das entscheidende Gegentor zum 1:3.

Ein Blick zurück: Die Nachwuchsabteilung verfiel nach dem Verletzungsdrama um Dario Scuderi im Youth-League-Spiel in Warschau in Schockstarre, zumal zur gleichen Zeit auch der talentierte Stürmer Janni Serra nach einer komplizierten Kreuzband-Operation gegen die drohende Sportinvalidität ankämpfte. Patrick Fritsch, dem der damalige Cheftrainer Thomas Tuchel eine große Karriere als Abwehrspieler prognostiziert hatte, erlitt die nächste schwere Knieverletzung, die Ausnahme-Talente Christian Pulisic und Felix Passlack gehörten fest zum Profi-Kader. Der nächste Tiefschlag folgte im September: Hannes Wolf, der so geschätzte Trainer, der mit der U17 und U19 drei Deutsche Meisterschaften in Folge gefeiert hatte, widerstand nicht dem Angebot des VfB Stuttgart, die Profiabteilung des in die 2. Bundesliga abgestiegenen Traditionsvereins zu übernehmen. Er bat den BVB um Vertragsauflösung. Mit Wolf wechselte Assistent Miguel Moreira ins Schwabenland.

Lars Ricken und Edwin Boekamp handelten schnell, sie trafen mutige und richtige Entscheidungen. Sie beförderten Benjamin Hoffmann, der einige Monate zuvor mit der U17 das Heim-Finale um die Deutsche Meisterschaft gegen Bayer Leverkusen mit 0:2 verloren hatte, zum Cheftrainer der U19. Daniel Rios stand (steht) ihm als Assistent zur Seite. Sebastian Geppert, bis dahin Hoffmanns „rechte Hand“ bei der U17, übernahm die B-Junioren.

„Eine große Herausforderung, eine tolle Aufgabe, die ich mit Respekt und Demut angehe, aber auch mit viel Spaß“, sagte Hoffmann damals. Ihm gelang es, die Spieler und das Team hinter dem Team noch enger zusammen zu schweißen. Die Mannschaft entwickelte eine „Jetzt-erst-recht“-Mentalität, sie stand dank ihrer vom Trainer vermittelten Willenskraft immer wieder auf. Auch nach dem nächsten schweren Nackenschlag. Denn Jakob Bruun Larsen, mit damals schon 20 Treffern der erfolgreichste Torschütze aller Bundesligisten, erlitt im Frühjahr einen Ermüdungsbruch im Fuß und fiel für das Saison-Finale aus. Dennoch ließen sich die Jungs nicht mehr aufhalten. Sie belohnten sich selbst mit dem Einzug ins Finale um die Deutsche Meisterschaft, das sie dann vor der Rekordkulisse von 34 000 Zuschauern im Signal Iduna Park gegen den FC Bayern München mit 8:7 nach Elfmeterschießen für sich entschieden. „Das war das Ergebnis eines grandiosen Zusammenspiels aller, die mit Borussia zu tun haben, vom Stab der Betreuer bis hin zur Geschäftsführung“, resümierte Hoffmann, der „Macher“ des Deutschen Meisters von 2017.

Er hatte lange auf diese Chance warten müssen. Seit 2002 arbeitet er für den BVB. Zunächst neben seinem Beruf als Bankkaufmann auf Hobby-Basis und Assistent von Peter Wazinski. Als Zimmernachbar von Hannes Wolf erwarb er in Hennef die Trainer-A-Lizenz, und 2009 wechselte er in „Vollzeit“ zur Borussia. „Wir würden uns freuen, wenn du die U17 übernimmst“, beschied ihm Lars Ricken am Telefon. Benjamin Hoffmann brauchte nicht lange zu überlegen und sagte zu. Über die U17 ging es zur U15 und U14, dann 2015 als Nachfolger von Hannes Wolf zur U17, die er auf Anhieb ins Finale um die Deutsche Meisterschaft führte.

Benjamin Hoffmann identifiziert sich mit den Herausforderungen im Nachwuchsbereich: Talente individuell zu entwickeln, Mannschaften taktisch und spieltechnisch zu formen, sie engagiert zu coachen und Jugendliche auf das Leben vorzubereiten, ihnen Umgangsformen zu vermitteln. Dazu zeichnet ihn ein klarer Führungsstil aus. „Natürlich haben wir als Borussia Dortmund den Anspruch, Titel zu gewinnen, aber ganz wichtig ist auch die menschliche Seite“, sagt er, „die Jungs dürfen nie vergessen, wo sie herkommen, und sie müssen wissen, dass der Klub sie nie im Stich lässt.“

Das Zusammenspiel zwischen Trainer und Mannschaften funktioniert. In der Saison 2018/19 schickt sich die U19 wieder an, eine führende Rolle in der Bundesliga zu spielen. Dank Benjamin Hoffmann, der sich längst einen Namen im deutschen Nachwuchsfußball gemacht hat und ganz schnell aus dem langen Schatten herausgetreten ist, den Hannes Wolf geworfen hatte. Auch das ist eine bemerkenswerte Leistung.

Wilfried Wittke

Co-Trainer: Daniel Rios - Torwarttrainer: Marco Knoop - Betreuer: Rüdiger Grabe

Trainerteam