Dass Borussia Dortmund 2014 und 2015 zweimal in Folge mit der U17 die Deutsche B-Jugend-Meisterschaft gewonnen hat – 2013/14 durch einen 2:1-Finalsieg gegen RB Leipzig und 2014/15 durch ein 4:0 gegen den VfB Stuttgart –, ist die eine Sache: So etwas kommt im Nachwuchsbereich gelegentlich vor, wenn ein Klub einen Ausnahme-Jahrgang beisammen hat. Die wahre Kunst aber besteht darin, über viele Jahre und Jahrzehnte hinweg konstant zur Spitze zu gehören. Wie der BVB. Seit der Deutsche Fußball-Bund (DFB) einen nationalen Titel in der A-Jugend (1969) und B-Jugend (1977) ausspielen lässt, gibt es überhaupt nur einen einzigen Verein, der noch erfolgreicher war als die Schwarzgelben: nein, nicht der FC Bayern München, sondern der VfB Stuttgart.

Zehnmal konnten die Schwaben bei 15 Endspielteilnahmen den Titel in der ältesten Nachwuchsklasse gewinnen, fünfmal schaffte das der BVB. Noch dichter sind die beiden Klubs im B-Junioren-Bereich zusammen: Siebenmal wurde hier der VfB Stuttgart Meister, nur einmal weniger schafften das die Dortmunder. Die beiden Vereine sind auch die einzigen, denen es gelang, einen Titel erfolgreich zu verteidigen. Die Schwaben bestätigten ihren Erfolg von 1994 im Jahr darauf; der BVB feierte die Meisterschaft – siehe oben – in den beiden zurückliegenden Spielzeiten.

Thorsten Fink, Maurice Banach, Adrian Spyrka

Die Geschichte der BVB-Nachwuchsabteilung ist eine lange, lange Erfolgsgeschichte, verbunden mit vielen großen Namen. Namen wie Thorsten Fink, gebürtiger Dortmunder, viele Jahre Profi u.a. beim FC Bayern München und heute Trainer bei Austria Wien. Und Maurice Banach, der beim BVB, der SG Wattenscheid 09 und dem 1. FC Köln spielte, eher er 1991 im Alter von nur 24 Jahren bei einem Autounfall ums Leben kam. Und Adrian Spyrka, der 1987 zusammen mit Andreas Möller und Knut Reinhardt das Finale der U20-Weltmeisterschaft erreichte. Warum gerade diese Drei? – Weil sie der B-Jugend von Borussia Dortmund angehörten, die 1984 durch einen 1:0-Erfolg über den TSV 1860 München den ersten Titel an die Strobelallee holten. Spyrka war vor 10.000 Zuschauern im Westfalenstadion der Schütze des goldenen Tores.

Zwischen 1994 und 1998 A Jugend fünfmal Deutscher Meister

Das nächste ruhmreiche Kapitel schrieb in den 90er Jahren die A-Jugend. Zwischen 1994 und 1998 wurde die von Eddy Boekamp (1993/94 und 1997/98) bzw. Michael Skibbe (1994 bis 1997) trainierte Mannschaft fünfmal in Serie Deutscher Meister – ein Kunststück, das zuvor und seither keinem anderen Verein gelang. Womöglich sogar ein Rekord für die Ewigkeit. „Ich erinnere mich noch gut, wie ich einmal im Scherz zu Eddy und Michael sagte: Es wäre so schön, einmal A-Jugend-Meister zu werden – könnt Ihr das nicht mal regeln“, sagt Wolfgang Springer, seit vielen Jahren Leiter der Nachwuchsabteilung im BVB e.V. - Boekamp und Skibbe regelten es. Am Ende der Saison holte Borussia den Titel.

3:2-Endspielsieg über Werder Bremen 1994

Beim 3:2-Endspielsieg über Werder Bremen 1994 mit dabei: Lars Ricken und Ibrahim Tanko, die beiden Edel-Talente, die in der Saison darauf, als beim BVB nacheinander Flemming Povlsen, Karlheinz Riedle und Stephane Chapuisat mit Kreuzbandrissen ausfielen, als 17-Jährige in den Bundesliga-Kader aufrückten und das Team von Ottmar Hitzfeld als „Baby-Sturm“ zur Meisterschaft schossen.

Als Borussia Dortmund 1995 mit 2:0 gegen Bayer Leverkusen siegte, gehörten u.a. Vladimir But und Dennis Vogt dem Team an; ein Jahr später, beim 2:0 über den SV Waldhof Mannheim waren But und Christian Timm dabei. 1997 und 1998 triumphierte der BVB dann gegen München – zunächst mit 2:1 gegen den TSV 1860, dann mit 2:1 im Elfmeterschießen (2:2 n.V.) gegen den FC Bayern. Es war eine Ära im deutschen Nachwuchs-Fußball, die Schwarzgelb maßgeblich geprägt hatte.

2009 stand Borussia vor dem ganz großen Coup

2009 stand Borussia unter Trainer Peter Hyballa dann ganz dicht vor dem ganz großen Coup: dem erstmaligen Gewinn des Doubles aus Deutscher Meisterschaft und DFB-Pokal. Doch beide Finals gingen denkbar knapp verloren. Im DM-Endspiel unterlag der BVB in Mainz gegen den FSV Mainz 05 mit 1:2 – nicht zuletzt, weil ein Treffer von Mario Götze nicht anerkannt wurde. Trainer bei Mainz war damals – ein gewisser Thomas Tuchel. Noch knapper verlief das DFB-Pokal-Finale. Gegen den SC Freiburg hieß es nach regulärer Spielzeit 2:2. Torschütze des 1:1 für die Breisgauer – ein gewisser Matthias Ginter. Im Elfmeterschießen zog der BVB dann mit 5:6 den Kürzeren, weil u.a. Mario Götze traf, sein Bruder Fabian hingegen scheiterte. Ebenfalls im Team eine ganze Reihe bekannter Namen: Marc Hornschuh, Tolgay Arslan, Marco Stiepermann, Lasse Sobiech…

1998 dominierte Schwarzgelb den deutschen Nachwuchsfußball komplett

Bei den B-Junioren prägte Peter Wongrowitz als Trainer eine ganze Dekade mit insgesamt fünf Endspielteilnahmen – die ersten drei erfolgreich: 1993 gewann der BVB das Finale gegen den FC Carl-Zeiss Jena mit 5:1, 1996 gegen den 1. FC Saarbrücken mit 6:1 und 1998 gegen den VfB Stuttgart mit 5:4 im Elfmeterschießen (2:2 n.V.). Florian Kringe, 2011 und 2012 unter Jürgen Klopp Deutscher Meister mit der Borussia, gehörte diesem Team an. 1998 dominierte Schwarzgelb den deutschen Nachwuchsfußball komplett: sowohl A- als auch B-Junioren feierten die nationale Meisterschaft – auch eine Art Double!

Es folgten fünf weitere Endspiel-Teilnehmen – und fünf Niederlagen: 1999 mit dem späteren WM-Helden David Odonkor gegen den VfB Stuttgart (1:3), 2001 mit Odonkor, Markus Brzenska und Sahr Senesie gegen den FC Bayern (0:4) sowie in den Jahren 2006 bis 2008 zunächst gegen den TSV 1860 München (0:2), dann gegen den FC Bayern (0:1) und schließlich, mit Mario Götze und Daniel Ginczek, gegen die TSG 1899 Hoffenheim (4:6).

Die schwarze Serie der B-Jugend endete mit der Meisterschaft 2014 und 2015.

Und für 2016 haben sich die A-Junioren viel vorgenommen:

Ein Titel ist das erklärte Ziel.

Die hohe Qualität der Nachwuchsarbeit beim Borussia Dortmund zeigt sich übrigens nicht allein in den zahlreichen Erfolgen der beiden ältesten Nachwuchsteams, sondern auch in individuellen Auszeichnungen. Seit der DFB 2005 die Fritz-Walter-Ehrenmedaille an die besten Talente der U16, U17 und U18 vergibt, erhielten bereits vier BVB-Akteure die Auszeichnung in Gold: Marc-André Kruska (2005/U18), Mario Götze (2009/U17 und 2010/U18) sowie 2015 Felix Passlack (U17). Auch die Profis Matthias Ginter und Sven Bender wurden vom DFB geehrt: Ginter noch als Nachwuchsspieler des SC Freiburg in der U18 und U19 jeweils mit Gold, Bender in seiner Zeit bei 1860 München mit Bronze.