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U12

Trainer

Timothy Kirk

Dass Borussia Dortmund Trainer nach England „exportiert“, daran hat man sich ja fast schon gewöhnt: David Wagner wechselte vom Chefsessel bei der U23 als Teammanager nach Huddersfield Town und führte den Klub im Frühjahr 2017 sensationell in die Premier League. Daniel Farke, sein Nachfolger bei den BVB-Amateuren, folgte Wagner auf die Insel und übernahm im Sommer 2017 den Zweitligisten Norwich City. Mit Timothy Kirk vermelden die Schwarzgelben nun aber auch einen England-„Import“: Der Engländer trainiert in der Saison 2017/18 die U12 von Borussia. Ein spannender Typ mit einer spannenden Biographie und durchaus überraschenden Ansätzen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. In ihnen sieht er nicht zuerst fußballerische Talente und angehende Profis, sondern unfertige Persönlichkeiten, denen er mehr mit auf den Lebensweg geben möchte als Fitness, Technik und Taktik. Wenn Timothy über Nachwuchsfußball spricht, fällt sehr schnell der Satz: „It’s not just about the ball.“ Es geht nicht nur um den Ball. Es geht um so viel mehr.

Tim Kirk stammt aus Bath, einer 90.000-Einwohner-Stadt in Südengland, knapp 200 Kilometer westlich von London, gut 20 Kilometer östlich von Bristol. Bath ist berühmt für seine Thermalquellen und die alten römischen Bäder und zählt zum Weltkulturerbe der UNESCO. Ein schönes Fleckchen Erde.

Sein eigener Traum von der großen Karriere als Profi-Fußballer erfüllte sich leider nicht. Spätestens nachdem er sich im Alter von 20 Jahren einen Kreuzbandriss zugezogen hatte, musste er ihn begraben. Da war er im Rahmen seines Studiums bereits für ein Jahr in Deutschland gewesen – der Grund dafür, dass er auch heute noch exzellent Deutsch spricht. „Manches ist über die Jahre verloren gegangen“, sagt er zwar, „aber ich merke auch, wie jeden Tag mehr wieder zurückkommt.“ Mit seiner neuen Mannschaft, der U12 des BVB, agiert Kirk zweisprachig. So lernen die Jungs auch noch Englisch, was sich prima ins Gesamtkonzept fügt, denn – siehe oben – „it’s not just about the ball“.

Auch wenn Tim Kirk schließlich Lehrer für Englisch und Sport an der King Edward’s School wurde: Der Fußball spielte stets eine zentrale Rolle in seinem Leben. Er arbeitete viele Jahre lang für die Premier League, entwickelte Qualitätsstandards für die Nachwuchs-Leistungszentren, die Football Academies der Profiklubs, führte die Zertifizierungen durch, arbeitete mit allen großen Vereinen zusammen und lange Zeit auch bei Bristol City FC. Sein wichtigstes Projekt aber war zweifellos die Gründung der Bath and Wiltshire Boys im Jahr 2003. Eine Fußball-Nachwuchsakademie, die Jahr für Jahr 150 bis 180 junge Spieler durchlaufen. Hier setzte Tim Kirk seine ganz persönliche Ausbildungs-Philosophie um. „Anders als die Nachwuchsabteilungen der Profi-Klubs standen wir dort nicht unter dem wirtschaftlichen Druck, Profis produzieren zu müssen.“

Für Kirk sind seine jungen Talente „vor allem Kinder. Dann erst Fußballspieler“. Natürlich sei es wichtig, viel zu trainieren, und zweifellos würden junge Kicker durch viel und intensives Training zu besseren Spielern. Zur Entwicklung, sagt er, „gehören aber noch so viele andere Komponenten“. Deshalb macht der Trainer Kirk den Eltern seiner Talente stets im ersten Gespräch klar, dass ihre wichtigste Aufgabe darin besteht, die richtige Balance herzustellen und die Träume und Hoffnungen ihrer Kinder zu managen. Er selbst kümmert sich im Trainingsbetrieb auch um Aspekte wie Persönlichkeitsentwicklung und Respekt. Ihm ist wichtig, dass seine Spieler auf dem Feld Verantwortung übernehmen und ganz selbstverständlich Entscheidungen treffen. Auch schon im zarten Alter von zwölf Jahren. „Ich möchte vom Spielfeldrand aus nicht viele Anweisungen geben. Was die Mannschaft auf dem Feld umsetzt, haben wir uns im Training gemeinsam erarbeitet. Das Spiel ist dann im Grunde der Test – wie eine Arbeit in der Schule. Die Überprüfung, ob es funktioniert.“ Und wenn nicht? – „Enttäuschungen zu verarbeiten, gehört auch zur Ausbildung“, sagt Kirk. Und „Resilience“ ist ihm wichtig, also Widerstandsfähigkeit, eine Grundhärte im Nehmen. Den Kopf nicht in den Sand stecken, wie man in Deutschland sagt.

Apropos Deutschland: Ausgezeichnet gefalle es ihm hier, sagt Timothy, der seit einigen Jahren mit Borussias U19-Trainer Benjamin Hoffmann sehr eng befreundet ist. Im Dezember 2016 war er für einige Wochen beim BVB, lernte das Nachwuchs-Leistungszentrum kennen, schrieb anschließend einen ausführlichen Bericht, in dem er die Ausbildung in England und Deutschland miteinander verglich. Seine Arbeit hinterließ offenbar Eindruck, auch bei Lars Ricken. Im Frühjahr 2017 bot Borussia ihm an, über den Kanal zu wechseln.

Was Kirk sehr schnell feststellte: „Borussia Dortmund und die Stadt bilden eine Einheit. Natürlich behaupten alle Klubs von sich, dass sie eine große Familie sind – aber hier ist es wirklich so. Das ist anders als überall, wo ich bisher war.“ Auch anders als in Liverpool, das gerne mit Dortmund verglichen wird. „Da gibt es neben dem LFC auch noch den FC Everton. Die Stadt ist fußballerisch in zwei Hälften geteilt. Hier dagegen gibt es nur eine Farbe und eine Leidenschaft: Schwarzgelb!“ Und er selbst ist jetzt ein Teil davon. Willkommen, Tim, in der Familie!

Co-Trainer: Sercan Engin - Torwarttrainer: Sebastian Wagner

Trainerteam