Das hat es seit Einführung der Junioren-Bundesligen noch nicht gegeben: Zum fünften Male in Folge heißt der Deutsche Meister Borussia Dortmund. 2014 und 2015 ging der Titel an die U17, 2016 und 2017 an die U19, 2018 wieder an die U17, die in einem rassigen Finale, das in vielen Phasen Männer-Fußball ähnelte, einen 3:2-Sieg beim FC Bayern München gefeiert hatte.

„Das ist ohne Zweifel eine herausragende Bilanz, ein Verdienst unserer Trainer, Teams und Mitarbeiter, die zeigt, dass wir nicht nur einzelne starke Jahrgänge haben, sondern auch sehr nachhaltig arbeiten“. bilanziert BVB-Nachwuchs-Koordinator Lars Ricken eine wieder einmal grandiose Saison. Denn nicht nur die von Trainer Sebastian Geppert bestens eingestellte U17 hatte Schlagzeilen geschrieben. Alle Mannschaften, die in den westdeutschen Leistungsklassen um Punkte spielten, haben Ausrufezeichen gesetzt. Wieder einmal.

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Die U14 von Trainer Marco Lehmann beendete die Saison im westdeutschen Nachwuchscup ungeschlagen als Meister. Die Abschlusstabelle wies Borussia Dortmund mit 64 Punkten aus 22 Spielen und einem Torverhältnis von 95:9 (!) aus. Der Vorsprung auf den Zweiten Bayer Leverkusen betrug 16 Punkte.

Ähnlich eindrucksvoll die Bilanz der U 15 in der Regionalliga West: Meister mit 67 Punkten aus 26 Spielen, 96:28 Toren und sechs Punkten Vorsprung vor Bayer Leverkusen. Das Team von Trainer Karsten Gorges gewann zudem den Westfalenpokal (2:1 im Finale gegen Schalke 04).

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Die U16, Bindeglied zwischen U15 und U17, die sich stets mit älteren Jahrgängen duelliert, belegte in der B-Junioren Westfalenliga mit einem Punkt Rückstand den zweiten Platz hinter dem SC Paderborn. Das Team von Peter Wazinski, das in fast der gleichen Zusammensetzung in der Saison 2016/17 die U15 Regionalliga dominiert und die Konkurrenz deklassiert hatte, erzielte die bessere Tordifferenz (77:23) und hätte die Saison als Tabellenerster beendet, wären ihr am grünen Tisch nicht drei Punkte aus dem Spiel gegen den VfL Bochum aberkannt worden. Ihr Top-Stürmer Ware Pakia rückte zudem in der Rückrunde in die U17 auf. Die gleichaltrigen Mannschaften des VfL Bochum und FC Schalke 04 ließ sie deutlich hinter sich. Sie bildet in der Saison 2018/19 fast geschlossen Borussias neue U17. Aus dem Meister-Kader verbleiben Torhüter Nik Deubel, Defensiv-Allrounder Albin Thaqi, Mittelfeld-Regsseur Rilind Hetemi sowie die Angreifer Youssoufa Moukoko und Ware Pakia. „Wir werden in der Breite des Kaders noch stärker besetzt sein“, betont Sebastian Geppert.

Hoffmanns Team erlebte eine Berg- und Talfahrt

Bravourös auch das Abschneiden der U19. Nach einer Berg- und Talfahrt durch die Saison qualifizierte sie sich auf den letzten Drücker als Tabellenzweiter hinter Schalke 04 zum dritten Male in Folge für die Endrunde zur Deutschen Meisterschaft. Leider erwischte das Team von Benjamin Hoffmann im Hinspiel bei Hertha BSC einen rabenschwarzen Tag, unterlag mit 0:4 und verlor auch noch Julius Schell durch Platzverweis. Im Rückspiel hätten die Schwarz-Gelben beinahe ein Fußball-Märchen Wirklichkeit werden lassen. Sie erzielten in der 81. Minute die 3:0-Führung, hatten das Elfmeterschießen schon vor Augen und wurden 120 Sekunden vor dem Abpfiff durch den glücklichen Berliner Anschlusstreffer aus allen Träumen gerissen. Ein kleiner Trost: Sie sind gegen den späteren Deutschen Meister ausgeschieden, denn die Berliner besiegten im Endspiel den FC Schalke 04 mit 3:1.

Beide Duelle gegen Hertha spiegelten den gesamten Saisonverlauf wider. „Wir haben sehr gute, aber auch ganz schlechte Spiele gezeigt“, bilanzierte Benjamin Hoffmann, Der langfristige Ausfall der Leistungsträger wie Niki Beste und Tobias Raschl sowie die Stagnation im Entwicklungsprozess einiger Talente haben dazu beigetragen, „dass wir leichter zu schlagen waren als in den Vorjahren“ (Hoffmann). Dennoch sprach er der Mannschaft seine Anerkennung aus: „Man darf die Qualifikation für die Endrunde nicht als Selbstverständlichkeit abtun. Dafür ist die Konkurrenzsituation gerade in der Bundesliga West zu groß.“ Und der BVB hat als einzige Mannschaft den souveränen Westmeister Schalke 04 besiegt.

Jetzt muss Hoffmann wieder ein neues Team aufbauen. Mit den aus der U19 verbliebenen Spielern wie u. a. Nationaltorwart Luca Unbehaun, Torjäger Emre Aydinel, Abwehrspieler Julius Schell, den Mittelfeldstrategen Patrick Osterhage und Tobias Raschl oder den Top-Stürmern Paul Besong und Robin Kehr. Aufgefüllt wird der Kader mit dem Gros der U17-Meisterspieler. „Wir greifen wieder an“, versichert Benjamin Hoffmann.

Lars Ricken: „Das war der vielleicht emotionalste Titel“

Die U17 wurde im vergangenen Jahr früh zum Aushängeschild der Nachwuchsabteilung. Die Jungs von Sebastian Geppert eilten in der Bundesliga West von Sieg zu Sieg, sie beendeten die Saison mit einer Niederlage (1:2 beim 1. FC Köln, als sie die Fahrkarten in die Endrunde zur Deutschen Meisterschaft bereits gelöst hatten) und 65 Punkten sowie 88:22 Toren. Obwohl sie die Bundesliga-Runde locker ausklingen ließen, distanzierten sie den Tabellenzweiten Bayer Leverkusen mit neun Punkten. Youssoufa Moukoko, der sich mit 37 Treffern an die Spitze der Torjägerliste geschossen hatte, war in aller Munde, aber der hochtalentierte Angreifer profitierte auch von der meist vorzüglichen Teamleistung.

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Im Halbfinale gegen Leverkusen korrigierte der BVB das 1:1 aus dem Hinspiel mit einem 2:0-Sieg vor knapp 2 000 Zuschauern auf dem Trainingsgelände in Brackel. Das Endspiel auf dem Bayern-Campus war das qualitativ beste in der Geschichte der Deutschen B-Junioren-Meisterschaft, geprägt von hohem Tempo, flüssigen Kombinationen, packenden Zweikämpfen und tollen Toren. „Von allen Titeln war dies vielleicht der emotionalste“, jubelte Lars Ricken nach dem Abpfiff und ergänzte: „Nicht viele haben daran geglaubt, weil Bayern so brettstark war.“ Und Immanuel Pherai, der mit einem technisch hochwertigen Hackentor zur zwischenzeitlichen 2:1-Führung den Glanzpunkt gesetzt hatte, resümierte: „Bayern war der stärkste Gegner in dieser Saison, aber unser Team den entscheidenden Tick besser. Wer so hart arbeitet wie wir, der wird am Ende auch belohnt.“

Rahmenbedingungen im NLZ werden weiter verbessert

Das galt letztlich für alle Mannschaften im Nachwuchs-Leistungsbereich. Borussia ist in Deutschland die Nummer eins. Und soll es bleiben. Entsprechend hochwertig sind auch in der Saison 2018/19 die Team-Kader aufgestellt. Dazu werden die Rahmenbedingungen im Nachwuchs-Leistungszentrum Brackel optimiert, um den Talenten für ihre Weiterentwicklung ideale Voraussetzungen zu bereiten. „Wir wollen aus jedem Spieler den besten Spieler machen, der er sein kann“, beschreibt Lars Ricken Borussias Philosophie. Die Ergebnisse sprechen für sich.

Wilfried Wittke